Amateurfunk aus Afghanistan
Lage und Geschichte
Kontinent: Asien - Lage: 35N 69E (MM44) - Zonen: ITU 40, WAZ 21 - Zuweisung: YAA-YAZ, 6TA-6TZ
Das zentralasiatische Land grenzt an den Iran, Pakistan, China, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan; drei Viertel sind unzugänglich. Afghanistan ist ein Binnenland mit strategischer Bedeutung in der Region. Das Land ist größtenteils Gebirgsland. Weniger als 10 % der Landesfläche liegen unterhalb von 600 m. Die Gebirge des Hindukusch (bis 7.500 m Höhe) und des Sefid Kuh erstrecken sich über weite Teile des 652.090 km² großen Landes. Die Hauptstadt ist Kabul (4,9 Mill. Ew.). Die 25-30 Mio. Einwohner teilen sich in Paschtunen (40%), Tadschiken (30%), Hazara, Aimaken, Turkmenen, Nuristani und Belutschen. Über 99% der Bevölkerung sind Muslime.
Die ersten Aktivierungen
Für weltweites Aufsehen sorgte einer der Pioniere der DXpeditionen, Gus Browning W4BPD. Er besuchte auf seiner ersten DX-Reise auch Afghanistan, aktivierte im Oktober 1963 YA1A und im Januar 1964 YA5A. Nie zuvor war eine Station aus diesem Land zu hören gewesen!
Die Internationale Kolonie
In den Sechzigerjahren entstand In Afghanistan eine internationale Kolonie, gebildet aus Diplomaten, Technikern und Angehörigen von Hilfsorganisationen. Das größte Kontingent stellten die Amerikaner, gefolgt von Schweden, Italienern, Kanadiern, Holländern u.a.
Die deutsche Kolonie
Ein beachtliches Kontingent der internationalen Kolonie stellten deutsche Funkamateure: Karl Tipp, YA1CV; Ali und Ingrid, YA1AN; der bereits erwähnte Pit, YA1BW; Hans Halbwachs, YA1WC; Hans Koski, YA1KO; Bruno Meixner, YA1KY; Jochen Schellenbach, YA5SH; Manfred YA8AH - und einige andere, die wir ausführlicher vorstellen.
Herbert W. Schastok, YA1AO - 'Mir'
war in seinem ereignisreichen Leben stets dem Amateurfunk verbunden, vor 1945 als Mitglied des DASD unter D4GC und D4HAG, nach dem Krieg zunächst in Nordhessen als DL1AO. Als ihn, den ehemaligen Angehörigen der Reichsflugsicherung, 1952 der Beruf nach Frankfurt zur Zentralstelle der Bundesanstalt für Flugsicherung führte, leitete er bald darauf den Ortsverband F05 und später den Distrikt Hessen. Seither war er auch Träger der Goldenen Ehrennadel des DARC. Ende 1959 begann seine Tätigkeit bei den Vereinten Nationen, die ihn über zehn Jahre im Nahen und Fernen Osten hielt. Aus Kabul meldete er sich als YA1AO. Zu Ende seiner Berufstätigkeit wurde Italien die Wahlheimat von ihm und seiner Frau Romenia. Auf der Spitze des vulkanischen Hügels von Porto Maurizio/Imperia hatte I1UNO sein Domizil gefunden, wurde begeisterter Diplomjäger und selbst stiftete das BRUNO-Diplom. Er starb am 22. März 1985 nach mehrmonatiger schwerer Krankheit im Alter von 74 Jahren gestorben. Sein Diplom-Manager war Rudolf Wokurka, DL6YI, 1946-1977 in Frankfurt, anschließend in Freiburg.
Helmut Decker, YA1HD
Jahrgang 1926. 1956 von einer Firma der Mess- und Regeltechnik zur Schulung des Ortspersonals nach Kairo versetzt. Aus den geplanten 90 Tagen wurden zehn Jahre. Nun SU1WT, vom Amt für Entwicklungshilfe in Bonn abgeworben, übersieelt 1965 nach Kabul als als technischer Lehrer in der Entwicklungshilfe.
Willhelm (Willy) Ludwig May, YA1QW
Bis 1956 gehört er als DL6QW zum Ortsverband Frankfurt/Main des DARC. Dann folgt er einem Ruf der internationalen Flugsicherung ICAO der Vereinten Nationen und beginnt mit Trainingsprogrammen auf dem Flughafen von Kairo. Seine weiteren Stationen sind Beirut, Damaskus, Teheran, Karachi, Delhi, Bangkok, Jakarta, Saigon und Hongkong.
Wolfgang Renner, YA5RG - und der CDRC
Der Camel Drivers Radio Club
Wolfgang kam im November 1965 für den Deutschen Entwicklungsdienst DED nach Afghanistan und war als Chemielaborant im Chemischen Institut der Universität Kabul tätig. Gleich nach seiner Ankunft nahm er mit Ali YA1AN Kontakt auf, der bei Siemens arbeitete und ihm einen alten Geloso schenkte. Über Ed Popko YA1GNT kaufte er dann einem Amerikaner, der in die Staaten zurückkehrte, einen Swan 350 ab, mit dem er in der Folge tätig war. Schließlich gründete er den CDRC, den "Camel Drivers Radio Club".
1973 - Das Ende
Durch einen Erlass des Postministers der Republik Afghanistan vom 18. August 1973 wurde alle Amateurfunk-Aktivität beendet, die meisten Geräte wurden vom Ministerium eingezogen. Seit dem Sturz von König Mohammed Sahir 1973 durch einen Militärputsch unter Führung von M. Daud Khan und der Ausrufung der Republik war Afghanistan von den Amateurfunkbändern verschwunden - Auch während der politischen Wirren der Folgejahre blieb der Amateurfunk verboten. Daud kam im April 1978 bei einem Militärputsch ums Leben. Nun wurde ein Revolutionsrat unter Staatspräsident Nur Mohammed Taraki eingesetzt. Er schloß den Beistandspakt mit der Sowjetunion. Ein Bürgerkrieg brach aus, Taraki wurde im September 1979 abgesetzt, Ende Dezember marschierten die sowjetischen Truppen ein, mit ihnen kam der neue Staatspräsident Babrak Karmal aus dem osteuropäischen Exil. Karmals Nachfolger wurde 1986 M. Nadschiubullah. 1987 beendeten die Sowjets die zehnjährige Besetzung - und der Bürgerkrieg zwischen den verfeindeten Mujaheddin-Fraktionen ging weiter. Die Taliban traten ihr gnadenloses Regime an...
1990 - Der Neubeginn
Mitten in den politischen Wirren gelang es einigen Funkamateuren, Afghanistan kurzzeitig zu aktivieren.
Romeo Stepanenko, YA0RR
Romeo, 3W3RR, hatte sich die verrückte Idee in den Kopf gesetzt, mitten im Bürgerkrieg nach Afghanistan zu gehen. Dass er über ausgezeichnete Kontakte im Hintergrund verfügte, haben weitere DXpeditionen bewiesen. Dass er ein Funktionär des sowjetischen Geheimdienstes KGB gewesen sei, bleibt ein hartnäckig verbreitetes Gerücht. Dass seine spektakuläre Karriere als DXpeditionär ein unrühmliches Ende nahm, weil er zumindest bei P5RS7 - angeblich aus Nordkorea - geschwindelt hatte, steht allerdings fest.
Pavel Sneidr, OK1IAI/YA
Mitarbeiter des tschechischen Außenministeriums. Hielt sich von Anfang November 1991 bis Ende Juli 1992, aus der Mobgolei kommend (ex JT0EA) in Kabul auf. Es gelang ihm eine Lizenz zu ergattern und in CW und SSB auf allen Bändern, inklusive WARC, insgesamt 35.000 Verbindungen zu tätigen. Die Anerkennung für das DXCC erfolgte am 27. Mai 1992.
Romeo Stepanenko, YA0RR - da capo
Romeo, 3W3RR, wollte es noch einmal probieren. Er erneuerte erfolgreich seine Lizenz, wählte in der Höhe von Termez einen Standort dicht an der tadschikischen Grenze, nahm UJ8JLT und Anatoly A. Prozorof, UB5JIM, mit auf die Reise und tätigte, ohne dass es zu besonderen Problemen gekommen wäre, ab dem 12. Dezember 1991 24.000 Verbindungen. Die Anerkennung für das DXCC erfolgte unverzüglich.
Salvadore Alescio, T6AS
Salvatore, IT9AZS hatte sich in den Kopf gesetzt als erster Italiener aus Afghanistan zu senden. Die Voraussetzungen waren günstig: Salvatore, von Beruf Internist, wurde 1991 italienischer Honorarkonsul von Afghanistan. Ursprünglich wollte er mit einem großen Team anreisen, brach aber dann im Juli 1991 nur mit seiner Frau Concetta Neri ("Pupetta") IT9PHY und der CW-tüchtigen Fernandea ("Nanda") Rocca I2RLX auf. Der afghanische Botschafter in Rom hatte sich - in völliger Unkenntnis des Amateurfunks - zur mündlichen Zusage einer Lizenz aufgerafft, das war die ganze Vorbereitung gab.
Igor und Nodir, YA1MM/YA5MM
Die nächste Aktivierung erfolgte durch Igor Petrashko, UT4UX, und Nodir Tusoon Zadeh, UI8JMM (später EY8MM), ab 9. März 1992 als YA5MM. Ihr Standort Mazar-i-Sharif lag nur 50km von der Grenze zu Tadschikistan. Unter beachtlichen Schwierigkeiten wurden 32.000 Verbindungen getätigt. Erst als die "Schutzzölle" an die örtlichen Machthaber die gewünschte Höhe erreicht hatten und ein gewisser "Mr. M" sich eingeschaltet hatte - seine Identität wurde nie entdeckt -, durfte ab 18. März eine zusätzliche Antenne für 12 und 17m errichtet werden. Die Ausrüstung bestand aus einem IC735 und einem IC725 an einer Selbstbau-Endstufe. Die Anerkennung durch das DXCC erfolgte am 27. Mai. - Nodir meldete sich zwischendurch auch als YA1MM im DIG-Contest.
Åke Rosvall, YA1AR
Die Serie der Erstaktivierungen wurde ab 5. Dezember 1992 durch Åke Rosvall, SM7CIP, als YA1AR abgeschlossen.
1992/93: Kurzzeit-Aktivitäten
Nur noch vereinzelt und für kurze Zeiten kam Amateurfunk aus Afghanistan, zuletzt von Oleg Kaplun, einem Diplomaten an der Botschaft der Ukraine, im Dezember 1995. Als wenig später erneut der Bürgerkrieg ausbrach und schließlich mit dem Sieg der Taliban endete, die den islamischen Gottesstaat ausriefen, wurde auch Amateurfunk verboten - und blieb es bis Ende November 2001.
QSL-Galerie: Aktivierungen seit 2001
In den vergangenen Jahren meldeten sich immer wieder Mitarbeiter internationaler Hilfsorganisationen, aber auch DXpeditionäre, aus Afghanistan.
