Geschichte des Österreichischen Amateurfunks



Franz Anderle - Der Wegbereiter

Der Gründungsvater des ÖVSV

16.01.10

Franz Anderle - Der WegbereiterzoomFranz Anderle wurde am 8. März 1874 in Graz geboren, besuchte dort die Volksschule, anschließend in Wien die Realschule und trat aus der 6. Klasse in die Pionierkadettenschule in Hainburg über, weil er eine militärische Laufbahn anstrebte. Am 18. August 1896 wurde er als „Cadet-Offizier-Stellvertreter“ seiner ersten Dienststelle beim k.u.k. Heer zugeteilt, dem Eisenbahn- und Telegraphenregiment in Korneuburg. Schon ein Jahr später wurde er zum Leutnant ernannt. Anderle begeisterte sich rasch für das Kommunikationswesen und war ab 1898 (also mit 25 Jahren) Lehrer beim Telegraphenkurs in Korneuburg. Hier eignete er sich die Grundlagen seines profunden theoretischen und praktischen Wissens an. Die militärische Laufbahn markieren am 1. November 1901 die Ernennung zum Oberleutnant, am 1. August 1911 zum Hauptmann, am 1. August 1917 zum Major, am 1. Jänner 1920 zum Oberstleutnant, am 10. Juli 1923 zum Oberst und, zum Abschied aus dem aktiven Dienst, der Titel eines General-Majors am 18. Februar 1931.[1]

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ÖAA Österreichs erster Amateursender



Download [2.72 MB]Radiowelt 1926-05 [PDF , 2.72 MB]


1924-1929: Die Anfangstage des ÖVSV

1924-1929: Die Anfangstage des ÖVSVzoomIn den Kindertagen des neuen Mediums Unterhaltungsrundspruch setzten sich einige besonders engagierte Radioamateure ein ehrgeiziges Ziel: Sie wollten nicht nur Empfänger für den „Unterhaltungsrundspruch“ bauen, sondern auch Sender, und sie wollten in den langen Pausen zwischen dem Angebot der RAVAG selbst gestaltete Programme ausstrahlen. Als Franz Anderle sich entschloss, seinen persönlichen und publizistischen Einfluss für dieses Projekt einzubringen, tat er dies nicht uneigennützig. Natürlich war er als Enthusiast der ersten Stunde jedem funktechnischen Experiment zugetan, unbeschadet dessen kalkulierte er aber auch ein, dass er damit an Ansehen gewinnen und nebenbei die Funktionäre und Mitglieder der Radioklubs enger an seine „Radiowelt“ binden würde – Punktegewinne gegenüber der Konkurrenzzeitschriften „Österreichischer Radio Amateur“ und „Radiowoche“ und deren Klientel.

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Auf dem Weg zur Studiensenderverordnung

Auf dem Weg zur StudiensenderverordnungzoomKein Funkbetrieb, wenn die RAVAG sendet!
Das Dokumentationsarchiv Funk verwahrt unter der Archiv-Nr. I.H.1.0003 ein leider nicht signiertes handschriftliches Dokument von drei Blättern mit dem Entwurf einer Studiensenderverordnung. Hier ist ein Auszug daraus.
§2 betrifft den Standort der Anlage (inklusive Lageplan), deren Beschreibung, die Ausmaße und das Material der Antenne, die Anodenaufnahme (maximal 50W), die Wellenlänge, das Rufzeichen des Antragstellers, den Nachweis der technischen Fähigkeiten des Betriebsführers und einen „kurzen Überblick über den beabsichtigten Betrieb, insbesondere über Art, Zeit und Dauer der Sendungen.
§3 „Funkensender, welcher Art immer, dürfen nicht verwendet werden, verboten sind weiters Wechselstrom unter 500 Perioden als Anodenbeaufschlagung“ und „außerhalb der Baulichkeiten befindliche Antennenteile[, die] Gleichspannung gegen Erde führen“.
§7 „Verboten ist die Vermittlung von Vorträgen und Nachrichten sowie von Texten politischen und tendenziösen Inhalts, ferner die Aussendung von Programmen jeder Art und die Verwendung von Chiffren.“
§8 „Die Telegraphenbehörde kann erforderlichenfalls den Betrieb einer Versuchssendeanlage für die Dauer des allgemeinen Rundfunkdienstes untersagen. Über Antrag der RAVAG hat die Einstellung einer solchen Anlage dann zu erfolgen, wenn trotz nachgewiesener Abmahnung des verantwortlichen Betriebsführers … der allgemeine Sendedienst gestört wird. Einem solchen Verbote [ist] sofort Folge zu leisten.“



Download [2.86 MB]Entwurf einer Studiensenderverordnung von 1925 [PDF , 2.86 MB]
Download [1.66 MB]Verordnung vom 27. Dezember 1928 [PDF , 1.66 MB]

Anton Habsburg-Lothringen – OE1AH, OE3AH, OE5AH, YR5AH

25.08.11

Prominentester Funkamateur Österreichs war Anton Habsburg, Zeit seines Lebens auch von den Funkkollegen "Kai-Ho" tituliert, einer Kurzform von "Kaiserlicher Hoheit". Schon seit seiner Jugend hatte er sich für den Funk interessiert - so schrieb der Gymnasiast etwa während des ersten Weltkriegs "feindliche" Telegrafie-Depeschen mit. Später wollte der passionierter Flieger auch Flugfunk betreiben, was an behördlichen Problemen scheiterte. So kam er auf Umwegen Anfang der Dreißigerjahre zum Amateurfunk und wurde prompt zum Präsidenten des ÖVSV bestellt und als erster (und einziger) OE-Sendemeister ausgezeichnet: Im restaurativen Ständestaat war eine monarchische Repräsentationsfigur höchst gefragt. Nach seiner Rückkehr nach Österreich und bis zu seinem Tod blieb Anton Habsburg dem Funkhobby an der Morsetaste treu, bekleidete aber keine Vereinsfunktion mehr.

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1933/34: Die Ringsendungen des ÖVSV

Ein gescheiteter Versuch

Acht Jahre nach der Gründung konnte der ÖVSV endlich die sporadisch erscheinenden Rundschreiben ergänzen durch die monatlich erscheinenden „Mitteilungen für österreichische Kurzwellen-Amateure“, kurz OEM. Und schon in der ersten Ausgabe, vom November 1933, rief der nun auch als Redakteur tätige Klubsekretär Willy Blaschek, damals noch UO3WB, die Mitglieder zu einer gemeinsamen Aktion zur Ergänzung der damals üblichen Monatsberichte auf: „Zwecks engeren Zusammenschlusses der österreichischen Sende- und Empfangs-Amateure und um eine gewisse Betriebssicherheit zwischen den einzelnen Stationen in den verschiedenen Bundesländern zu erforschen, wird der letzte Samstag eines jeden Monats und zwar von Mitternacht bis Mitternacht MEZ für den ausschließlichen österreichischen Verkehr ausersehen. Der Zirkular-Aufruf erfolgt jeweils durch zk v uo etc. Die Verbindungen sind … im 40 m Band herzustellen und bei jeder Verbindung ist eine Versuchs-Depesche, die mindestens 10 Worte Klar-Text enthalten muss, abzusetzen, bezw. zu empfangen. Die so erhaltene Versuchs-Depesche ist bei der nächsten Verbindung weiter zu geben. Jedoch darf bei einem QSO nur eine eigene und zwei fremde Versuchs-Depeschen abgesetzt werden. Oms die in ein und demselben Orte sind, dürfen keine Versuchs-Depeschen direkt austauschen.“[1]

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1934/35: Der Betriebssendedienst des ÖVSV

16.01.10

1934/35: Der Betriebssendedienst des ÖVSVzoom1934 wurden, wie erläutert, im ÖVSV mit mäßigem Erfolg die „Ringsendungen“ eingeführt. [1] Wenig später folgte der BSD, der besser angenommen wurde, wohl, weil er die Funkamateure nur für einen kürzeren Zeitraum an die Station band. Vorbild für den BSD war zweifellos die gleichnamige Einrichtung im DASD, dem der ÖVSV ja vorübergehend als „Landesgruppe 14“ korporativ angehört hatte, bis sich anlässlich der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten und die Auflösung und Neugründung des DASD 1933/34 die Trennung von selbst ergab. Für die Ringsendungen waren seit November 1933 jeweils 24 Stunden Betrieb am letzten Samstag des Monats vorgesehen. Der Betriebsdienst wurde am 18. Mai 1934 eingeführt [2] und fand im (mittlerweile für die Leitstationen eigens dafür frei gegebenen) 80m-Band jeweils am Freitag statt. Vorgesehen waren zunächst abwechselnd die Zeiten 06:00-08:00 bzw. 00:01-02:00 MEZ. [3] Als aber die RAVAG ihre Sendezeiten bis 01:00 ausdehnte, blieb einheitlich der Frühtermin 06:00-08:00. [4] Leitstationen waren Willy Blaschek, OE3WB, der Sekretär des ÖVSV und bei Nacht Carl Martin, OE1CM, der Vorsitzende.

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1943, Innsbruck: Der DASD-Präsident kommt zur Visite

14.01.15

1943, Innsbruck: Der DASD-Präsident kommt zur VisitezoomSeit geraumer Zeit wuchs die Unruhe bei den Funktionären des DASD. Der 1935 von Goebbels als Präsident eingesetzte Konteradmiral a.D. Heinrich Gebhardt zeigte keinerlei Interesse für die Belange des DASD, war streng linientreu und nur auf sein persönliches Fortkommen bedacht. Als er am 22. Juli 1939 an den Folgen eines Wespenstiches starb (ein prosaischer Tod, dessen Ursache man zu vertuschen versuchte), hoffte man allgemein auf einen besser geeigneten Nachfolger – und musste lang warten. Erst am 15. Mai 1940 trat Generalleutnant Ernst Sachs das Amt an. Er hatte seine militärische Karriere bei der Telegraphentruppe begonnen und war nun Chef des Fernmeldewesens bei Himmlers Persönlichen Stab. Im Februar und März 1943, soeben zum SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS befördert, begab er sich auf eine Inspektionsreise durch die Landesverbände und machte am 6. März auch einen Abstecher zum LV S/Alpenlande nach Innsbruck. Von dieser Visite, zu der jeder nicht im Felde dienende Funkamateur befohlen wurde, ist als Rarität – leider ohne genaue Personenbezeichnung – nur ein einziges Dokument erhalten*. Es zeigt Sachs am Stirnende des Tisches, neben ihm den Leiter des Reichsbetriebsdienstes Wolfgang Rach, D4ADF, ex K4AL, D4AL, EK4AL, D4CFF etc., ein Oldtimer, später tätig als „erwiesener Antifaschist“ mit den Rufzeichen DM022/B und DM2ABB am Aufbau des DDR-Amateurfunks.
Zum Stab des Präsidenten gehörten weiters Waldemar Prüfer, DE2264/N, aus Heilbronn; Adolf K. Freiherr von Supper, DE1476/O, D4BBO, D4OMO, D4HMO, aus Karlsruhe, bereits Anfang der Zwanzigerjahre als „Götz“ aktiv, jetzt mit Kriegsfunkgenehmigung (KFG) D4NBO Verbindungsmann zur Gauleitung der NSDAP für Baden, nach 1945 DA5OAR, zuletzt mit der Goldenen Ehrennadel #75 des DARC ausgezeichnet; Dr. Karl Wienert, DE7162/P und mit KFG D3JVP am Standort München; sowie die Herren Morrison-Cleator und Boshetto-Feng.

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Einer von damals: Ing. Emanuel Strunz, OE1EZ, OE1ES, OE3ES

18. Dezember 1911 - 18. November 2011: Pionier in zwei Epochen

Einer von damals: Ing. Emanuel Strunz, OE1EZ, OE1ES, OE3ESzoomDer dreizehnjährige Gymnasiast baut 1924 seine erste Empfangsanlage. Fünf Jahre später, 1929, legt er die Reifeprüfung am TGM, dem Technologischen Gewerbemuseum, ab, belegt bis März 1930 zusätzlich den abendlichen „Spezial-Lehrkurs Radiotechnik für Sendeamateure“, schließt mit sehr gutem Erfolg ab und darf von nun an den Berufstitel Ingenieur tragen. 1933, also mit knapp 22 Jahren, tritt Emanuel Strunz dem Österreichischen Versuchssenderverband (ÖVSV) bei, erhält zunächst die Hörernummer OE-083 und tritt am 5. Juli 1933 zur Prüfung an. Noch vor Erteilung des Rufzeichens funkt er heimlich, wird prompt erwischt, zahlt eine Geldbuße - und erhält im Mai 1934 das Rufzeichen OE1EZ. - Strunz wird 1935 zum Technischen Referenten des ÖVSV bestimmt und gleich von einem Mitglied namens "Anton" um Hilfe gebeten - es ist (Erzherzog) Anton Habsburg-Lothringen, OE3AH, der spätere ÖVSV-Präsident. - Zweimal wird die Funkanlage abermals beschlagnahmt: zunächst vorübergehend vom Ständestaat, dann definitiv nach dem "Anschluss", der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Der ÖVSV wird aufgelöst und geht im Deutschen Amateur Sendedienst, DASD, auf.

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Amateurfunk in Österreich 1945-1955

Amateurfunk in Österreich 1945-1955zoomIm Mai 1945 wurde Österreich von amerikanischen, sowjetischen, englischen und französischen Truppen besetzt und im Juli 1945 in vier Besatzungszonen geteilt.
Österreichischen Funkamateuren und den Funkamateuren der russischen Besatzungsmacht war die Sendetätigkeit verboten. Lizenzierte amerikanische, britische und französische Militär- und Zivilpersonen erhielten von der jeweiligen Besatzungsmacht eine Sendegenehmigung.

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Amateurfunk in der britischen Zone

Amateurfunk in der britischen ZoneDie britische Zone umfasste die Bundesländer Kärnten und Steiermark. Britische Funkamateure verwendeten zunächst das Rufzeichen OE9, wechselten dann aber zu MB9 (Military British)

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Britische Funkamateure erinnern sich

Felix Gaggl - DienstzeugniszoomKlagenfurt
"War 1946 Bahnknotenpunkt und Durchgangslager für die Rückreise der Truppen im mediterranen Operationsgebiet, da damals die Bahnlinie durch Deutschland nach Calais erst wiederrerichtet wurde. Die Fahrt dauerte zwei Tage, oft in fensterlosen Waggons und mit Aufenthalten etwa alle acht Stunden, wenn zwischendurch eine Kantine auf dem Bahnsteig die Reisenden versorgte. ...

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Amateurfunk in der französischen Zone

22.07.16

Amateurfunk in der französischen ZoneDie französische Zone umfasste die Bundesländer Tirol (inklusive Osttirol) und Vorarlberg. Französische Funkamateure verwendeten 1948-1953 das ungewöhnliche Rufzeichen FKS8.

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Amateurfunk in der amerikanischen Zone

Amateurfunk in der amerikanischen ZoneDie US-Zone umfasste die Bundesländer Salzburg und Oberösterreich sowie den Bereich Niederösterreich südlich der Donau. Amerikanische Funkamateure verwendeten das Rufzeichen OE13. Ausführliche Darstellung der USFA (United States Forces in Austria): linkext. Link

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Amerikanische Funkamateure erinnern sich

zoomSteve Takacs: "Das bin ich beim Feldeinsatz, und die anderen Bilder zeigen mich als OE13BR und an der Klubstation OE13USA. Der 3-Element-Beam war Eigenbau aus Holz und Aluminium. ..."

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Die österreichischen Funkamateure

Die österreichischen FunkamateurezoomZum Schweigen und Hören verurteilt, während die Funkkollegen der westlichen Besatzungsmächte anscheinend uneingeschränkt senden durften - das war ein hartes Los für die Mitglieder des gleich nach Kriegsende neu organisierten Österreichischen Versuchssenderverbandes, ÖVSV. Kein Wunder, dass man bald auf illegale Tätigkeit verfiel.

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RAEM zu Besuch in Österreich

RAEM zu Besuch in ÖsterreichzoomErnst Theodorowitsch Krenkel (11.12.1903 - 08.12.1971) war einer der ganz Großen im Amateurfunk und Namensgeber des sowjetischen Verbandes. Nach einer ersten Überwinterung als Funker auf Nowaja Semlja, 1924/25 war Krenkel der Welt am Polarkreis verfallen. 1925 erhielt er das Rufzeichen EU2EQ. Nach mehreren Expeditionen und Überwinterungen wurde Krenkel zum Ersten Radiooffizier der "Tscheljuskin" ausgewählt, die die Nordwestpassage vom Atlantik zum Pazifik erkunden sollte. Das Schiff war für diese Bestimmung ungeeignet, wurde im Eis eingeschlossen und am 13. Februar 1934 von riesigen Packeisfeldern zermalmt. Krenkel konnte das Funkgerät retten, und zwei Monate später wurde die Besatzung evakuiert. Krenkel wurde als Held der Sowjetunion ausgezeichnet und erhielt das Sonderrufzeichen RAEM, den Call der Funkstation des Schiffes. - Krenkel war zweimal in Österreich: 1966 zur 40-Jahr-Feier des ÖVSV und 1968 als Gast des Landesverbands OE3. Das unbezeichnete Foto zeigt ihn zwischen (vlnr) ÖVSV-Präsident Camillo Litschauer, OE3CL, Franz Wanzenböck, OE3WZ , und Klubmanager Norbert Piringer, OE1NP.
Mehr zu Krenkel bei Ernst Theodorowitsch Krenkel, RAEM und Ernst Krenkel und Howard Mason brechen den Weltrekord




Einer von damals: Prof. Dr. Josef Fuchs, ÖAA, ÖFZ, UO1JF, OE1JF, OE007, DM1004

Einer der Pioniere

Einer von damals: Prof. Dr. Josef Fuchs, ÖAA, ÖFZ, UO1JF, OE1JF, OE007, DM1004zoomJosef Fuchs ÖAA, ÖFZ, EAAA, UO1JF, OE1JF, OE007, DEM1004 (*11. Jänner 1904 in Wien; † 9. April 1989 in Graz) war ein Pionier des österreichischen Amateurfunks. Schon als Student ist er 1923 als ÖAA (Foto, mit Eduard Rauscher) und ÖFZ unlizensiert unterwegs und von der Gründung an Funktionär im ÖVSV. 1929 fädelt er als Vizepräsident dessen Aufnahme als Landesgruppe 16 in den DASD ein und ist bis 1933 ihr Landesverkehrsleiter. 1928 reicht er das Patent für die nach ihm benannte und viel verbreitete hochohmig über einen Parallelschwingkreis („Fuchskreis“) abgekoppelte Langdrahtantenne ein. Der „Fuchs-Fasching“ das von ihm verfasste, von Franz Josef Fasching verlegte „Signalbuch für den Kurzwellenamateur“, ist von 1927 bis 1944 in sieben Auflagen (und späteren illegalen Nachdrucken) das Referenzwerk schlechthin und aus keiner Funkstation wegzudenken. Als nach 1953 die ersten Nachkriegslizenzen ausgegeben werden, hält man sein Rufzeichen frei. Aber berufliche Überlastung und vielleicht auch die fünfzehn Jahre Funkpause bewirken, dass sich OE1J F nicht mehr im Äther meldet.
Sein bescheidenes, verbindliches Auftreten mag einer der Gründe sein, dass man in unseren Kreisen seine eminente wissenschaftliche Bedeutung unterschätzt oder gar nicht erst wahrnimmt. Josef Fuchs interessiert sich schon früh für Astronomie, wendet sich später der Hochfrequenzphysik und Ionosphärenforschung zu und arbeitet in der Industrie, ehe er zu Lehre und Forschung berufen wird. 1936 bestimmt er mit Hochfrequenzwellen die Temperatur der Ionosphäre. 1938 wird er an der Universität Wien promoviert und als einer der ersten Radioastronomen 1946 für Geophysik und Meteorologie habilitiert. Ab 1947 leitet er die Abteilung für Allgemeine Physik am Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen, wo er eine Methode entwickelt, Höhen und Entfernungen mit Hilfe von Radiowellen zu messen. 1949 konstruiert er die erste österreichische Quarzuhr. 1958 wird er zum ordentlichen Professor für Astronomie an die Universität Innsbruck berufen und ist bis zur Emeritierung 1972 Vorstand des Instituts für Astronomie und der Universitätssternwarte.

Abb.: Dokumentationsarchiv Funk. QSL Collection; unbez. Foto: ÖVSV-Jahresversammlung 1953 (45-III.F.1-00016); Patent: Archiv ÖVSV (X.OE1JF_D.1.0001); ÖAA: „Österreichs erster Amateursender“, Radiowelt´´ Nr.18/1926, S 42f




Einer von damals: Erwin Heitler, EAMM, UOMM, UO1ER, OE013, DE1079, OE1ER

Einer der Pioniere

Einer von damals: Erwin Heitler, EAMM, UOMM, UO1ER, OE013, DE1079, OE1ERzoomEiner von uns: Erwin Heitler, EAMM, UOMM, UO1ER, OE013, DE1079, OE1ER (*04.04.1910, †27.09.1988). Erwin entstammte einer gutbürgerlichen Wiener Familie. Rudolf Heitler, der Vater, betrieb einen Elektrohandel und wandte sich früh dem neuen Medium Radio zu. Das faszinierte auch den jungen Schüler. Er trat dem der Arbeiterbewegung nahestehenden Freien Radiobund bei und wechselte unmittelbar nach dessen Gründung zum ÖVSV, dem er 62 Jahre lang treu blieb, wie die Folge seiner die historische Entwicklung begleitenden Rufzeichen beweist. Schon mit 18 Jahren macht er sich selbstständig, und sein Fachgeschäft in der Wiener Neubaugasse, stets vollgeräumt mit Geräten und Ersatzteilen, erwarb bald legendären Ruhm: „Immer etwas schmuddelig, aber eine unerschöpfliche Schatzgrube und Ort endloser Ratschläge und Fachsimpeleien“, erinnert sich ein Stammgast. 1945, nach kurzem Kriegseinsatz, kehrte Erwin nach Wien zurück und wurde Mitinitiator der Neugründung des ÖVSV. Otto Habsburg, der letzte Präsident, hatte sich nach Rumänien abgesetzt, die Funktionäre der Nazi-Gaue waren mehr oder weniger belastet, also wollte man Carl Martin, OE1CM, berufen, der bereits 1932-36 an der Spitze gestanden war. Als Martin im November 1945 unerwartet starb, fiel die schwierige Aufgabe Erwin Heitler zu, dem stets Stillen, Verlässlichen im Hintergrund. In den zehn Jahren der Besatzungszeit leitete er mit Umsicht den Verband, dessen bescheidenen Möglichkeiten im Ringen um autonome Funkhoheit ihm nur allzu bewusst waren. Unauffällig umschiffte „Eddie“ (unlis OE1CD) die alliierte Zensur beim Versand der QSL-Karten, eingewickelt in mahnende Appelle gegen Schwarzfunkerei. Als ab 23. April 1954 endlich die Bewilligung zum Betrieb von Amateurfunkstellen ausgegeben wurde, erhielt er eine der ersten, sah seine Aufgabe erfüllt, übergab das Amt seinem Nachfolger Emmerich Rath, OE3RE, und widmete sich wieder ganz dem Hobby, das er trotz schwerer Herzkrankheit bis ans Ende ausübte. Das Dokumentationsarchiv Funk betreut einen Teilnachlass und hütet Erwins Morsetaste. Die wertvolle Polarfunk-Sammlung, wohl eine der bedeutendsten überhaupt, wurde, ehe sie dokumentiert werden konnte, von der Familie an Briefmarkensammler verkauft und ist daher für immer verloren.
(Quellennachweis: Archiv ÖVSV, Nachlass Heitler; QSL-Collection; DokuFunk Dokumentation)




Einer von damals: Felix Gaggl, OE8FG - Erst arretiert, dann sehr hofiert

Bio in Stichworten: *29.12.1921. Mit 14 Jahren erster Eigenbau. Sendet Illegal mit I-Rufzeichen. 1938 Antrag um Aufnahme in den DASD, ab 1940 DE6872/W. 12.02.1941-09.02.1946 Reichsarbeitsdienst und Funkmeister bei der Wehrmacht. Besorgt im Urlaub den „ZAP“ nach dem Rundspruch der Kriegsfunkstelle D4BXW (OP: Otto Kermauner). Heimkehr und unlis als OE8BQ. Als SWL OE379. 02.1947-09.02.1954 Sendetechniker in britischen Diensten. Unter falschem Namen als MB9BA. 1952 Funktelegraphistenprüfung II. Kl. Wechselt zur neu gegründeten zivilen Luftfahrtbehörde. Senior Controller Flughafen Klagenfurt. Erteilt jahrelang Morseunterricht und Bauhilfe für alle. 1954 Sendegenehmigung als OE8FG ohne weitere Prüfung. 1962 Landesverbandsleiter von OE8. 1986 in Pension. †10.10.2004.

Die Gaggl-Story:
1945, nach seiner Entlassung, wurde Felix Sendetechniker bei der Sendergruppe Alpenland, dem Rundfunkdienst der britischen Besatzungsmacht in Klagenfurt. Dort, in deren HQ, tat der Offizier Reg Richards Dienst und sendete in der Freizeit mit einem illegalen I-Rufzeichen. Die beiden wurden von der britischen Funküberwachung bei einem QSO erwischt. Reg kam mit einer Verwarnung glimpflich davon, bei Felix kam die Militärpolizei zu Besuch. Die Funkstation wurde konfisziert – und dann fand man die beiden Armeepistolen in der Schreibtischlade. Felix wurde wegen illegalen Waffenbesitzes zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, musste aber bereits nach neun Monaten blitzartig entlassen werden: Die Mannschaft von BFN, dem British Forces Network, kam mit dessen BC610-Sender nicht klar. („Wer kennt sich aus?“ – „Ein Herr Gaggl.“- „Wo finden wir den?“ – „Hinter Gittern.“) Felix betrieb und wartete die Station bis zum Abzug der Briten. Und nebenbei war er, beinahe legal, unter fremdem Namen als MB9BA aktiv, das war das Rufzeichen des am Funk nicht interessierten Kollegen J.B. Hammond, den er überredet hatte, sich um eine MB9-Lizenz zu bewerben.





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