Amateurfunk in Deutschland


(31) Der DARC 1958-1960: Die Jahre der 'ruhigen Sonne'

(31) Der DARC 1958-1960: Die Jahre der 'ruhigen Sonne'zoomIGY - Das Internationale Geophysikalische Jahr
Mit großem Aufwand wird zur Mitarbeit an dieser weltweiten Unternehmung aufgerufen, die bereits am 1. Oktober 1957 begonnen hatte. Insbesondere werden regelmäßige Beobachtungen zu den Ausbreitungsbedingungen erbeten, sind doch die Funkamateure extrem von diesen geophysikalischen Phänomenen betroffen.
Bild: Edgar Brockmann, DJ1SB, an der IGY-Station

mehr >>


zoomAndenken an Hans Bredow, 1879-1959
Am 9. Januar 1959 stirbt der Funkpionier, das DARC-Ehrenmitglied Dr.h.c. Hans Bredow. Mit 25 Jahren trat er 1904 als Ingenieur bei Telefunken ein, rückte 1908 mit Graf Arco in die Leitung auf, überraschte 1917 die Fronttruppen mit musikalischen Darbietungen über einen Röhrensender, führte 1919 in Berlin die erste öffentliche Rundfunksendung durch und war ab 1921 als Staatssekretär nicht nur "Vater des Rundfunks", sondern zuständig für das gesamte Funkwesen der Reichspost. Als die Nazis an die Macht kamen, stellte er sein Amt zur Verfügung, um nicht in den Strudel der Politik gezogen zu werden. Bis 1947 lebte er zurückgezogen, dann aber stellte er sich dem Wiederaufbau des Rundfunks zur Verfügung und war u.a. Vorsitzender des Verwaltungsrates beim Hessischen Rundfunk. Den Funkamateuren war der seinerzeitige Hauptfeind zum fördernden Freund geworden.



zoom DLD und WAE - Wetteifer um Diplome
Die EMC, die Eighty-Meter-Community, ursprünglich zur Belebung des als "Quasselstube" verkannten 80m-Bandes gedacht, entwickelt sich zügig weiter, nicht zuletzt dank der Vergabe des Deutschland-Diploms, DLD. Anfang 1958 wird der tausendste Teilnehmer aufgenommen. Der DOK hat sich durchgesetzt, taucht mittlerweile auf fast jeder QSL-Karte auf. Joachim Oswald, DL1TQ, begrüßt vor allem die neuen Rufzeichen, DJ3 und DJ4, auf dem Band. Mitte 1959 löst ihn wegen beruflicher Überlastung Hans-Peter Günther, DL9XW, ab. Ab 1960 werden das 40m-Band und der Mobilbetrieb in den Aufgabenbereich einbezogen, wird ein DLD-40 eingeführt.
Man gewinnt den Eindruck, dass die beiden Diplomherausgeber miteinander wetteifern: Das DX-Referat unter Rudi Hammer, DL7AA, betreut das "Worked all Europe" (WAE) und ergänzt die monatlichen DX-Meldungen mit dem wöchentlich erscheinenden DX-Mitteilungsblatt (DX-MB), das getrennt abonniert werden muss. Das Diplom 1. Klasse wird 1959, zum zehnten Geburtstag des WAE, eingestellt, da es mit der Ernennung zum Ehrenmitglied des DARC verbunden war: mit nunmehr 95 Nominierungen ist diese ursprüngliche Exklusivität vertan.

Alte Leitung, neue Satzung
Der Amateurrat, AR, das oberste Gremium - Vorstand, Sachbearbeiter und Distriktsvorsitzende - tagt im April 1958 in Heilbronn und beschäftigt sich vor allem mit der Vorbereitung auf den IARU-Kongress und der bedrohlichen Absicht des Bundespostministeriums, das Amateurfunkgesetz vom März 1949 durch eine auf das Fernmeldeanlagengesetz von 1928 bezogene Verwaltungsanordnung zu ersetzen. [3]

mehr >>


zoom Irritation durch den DAV
Die Opposition hat sich aber bereits formiert. Erstmals fühlt sich der DARC in seiner Monopolstellung bedrängt und reagiert erstaunlich unsicher: beleidigt, klein redend, überheblich, auf den "Hitzkopf", der "die wohlwollenden Ratschläge nicht einsehen" will und "sich in seiner persönlichen Freiheit beschränkt glaubt. [9]

mehr >>


zoomIARU und ITU
Die 4. Regionalkonferenz der Internationalen Radio-Union, IARU, wird für den 21.-26. Juni 1958 nach Bad Godesberg einberufen. Der DARC wertet dies als Zeichen internationaler Anerkennung und bietet alle Kraft auf, durch Kompetenz und perfekte Organisation zu glänzen. Die gemeinsame Anstrengung der Delegierten gilt der Sicherung der Bandbereiche und Betriebsarten bei der Genfer Funkverwaltungskonferenz 1959.

mehr >>


zoomGeselligkeit und Repräsentation
Die Tradition der Deutschland-Treffen wird im Mai 1959 in Bad Harzburg fortgeführt. Schwerpunkt ist die Jugendarbeit. Vom 3. bis 5. Juni 1960 findet in Karlsruhe ein Internationales Amateur-Treffen statt. Erstmals bietet der DARC auch das Zeltlager in Bad Zwischenahn (bei Oldenburg) an, das in den Folgejahren beliebter sommerlicher Treffpunkt wird.

Technische Entwicklung
Das Technik-Referat verbessert den RX57, ein Röhrenempfänger mit fünfstufigem Zf-Verstärker; auf Quarzfilter verzichtet man nach wie vor aus Kostengründen.[12] Erst der Nachfolger, der RX60, erhält 1960 ein Dreifach-Quarzfilter. Die nächste Entwicklung des unermüdlichen Georg Paffrath, DL6EG, ist der Kleinformempfänger Mikrohet, ein dank radikaler Schaltungsvereinfachung mit 625 DM besonders preiswertes Gerät. "Die Einseitentelegrafie hat sich in Deutschland noch nicht so recht durchsetzen können. Viele OMs schrecken vor dem nach ihrer Meinung zu umfangreichen Aufwand zurück."[13]

mehr >>


zoomBerlins Regierender Bürgermeister Willy Brandt führt bei der Einweihung des Telefunken-Hochhauses am Ernst-Reuter-Platz im Jahr 1960 das erste Funkgespräch mit dem Oberbürgermeister von Ulm. Neben ihm Dr.-Ing. Hans Heyne, Vorsitzender der Aufsichtsräte von der AEG und Telefunken, sowie der Distriktsvorsitzende des DARC Berlin, Ing. Karlheinz Kollmorgen, DL7DZ



Mitgliederbewegung
Per 31. Dezember 1960 waren 5.981 lizenzierte Funkamateure, d.s. 85% aller Lizenzierten in 332 Ortsverbänden organisiert.


Zeitraum Veränderung DARC mit VFDB/KWACS (57-59)
01.03.57-31.03.58 +20% 8.352 9.390
01.04.58-31.12.58 +12% 9.360 10.600
01.01.59-31.12.59 +10% 10.301 11.379
01.01.60-31.12.60 +10% 11.408 12.292

PDF-Datei und Fußnoten zu Folge 31

mehr >>


(32) Der DARC 1961-1963 – Die Dinge nehmen ihren Lauf…

(32) Der DARC 1961-1963 – Die Dinge nehmen ihren Lauf…zoom„Wandlungen im Amateurfunk“
Unter diesem Titel erscheint der Leitartikel im Märzheft 1961 der Klubzeitschrift, und Schriftleiter Richard Auerbach, DL1FK, bringt es auf den Punkt: „Die Ansichten der Menschen wandeln sich, und die technische Entwicklung geht weiter … Wenn man die vergangenen zwei Jahre zurückblickt, so ist eine der interessantesten Feststellungen der gewaltige Anstieg der Einseitenbandtelefonie und die gleichzeitig weitgehende Industrialisierung vieler Amateurstationen. … (Im Bild: Der Hallicrafters S-120)

mehr >>


Wachablösung an der Spitze: Karl Schultheiß, DL1QK, wird Präsident
Am 11. und 12. November 1961 tagt die Clubversammlung in Wiesbaden. Es stehen die üblichen Neuwahlen an, aber diesmal wird das Personal gewechselt. Nach über einem Jahrzehnt in fast unveränderter Zusammensetzung lösen die „Jüngeren“ das das Team der Altgedienten mit mehr oder minder sanftem Druck ab – wobei man nicht wirklich von einem Generationswechsel sprechen kann.

mehr >>


zoomVom Reichenautreffen zum Bodenseetreffen
„Mehr als zehn Jahre lang fand das Reichenautreffen statt. … Von Jahr zu Jahr nahmen mehr OMs an dem Treffen teil, und es wurde zur festen Tradition. Im Zeichen des Wirtschaftswunders … haben uns [die Wirte und Gasthausinhaber] unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass sie es gar nicht nötig hätten, uns ihre Betriebe zur Verfügung zu stellen. … Wir wollen daraus die Konsequenzen ziehen. … Aus dem Reichenautreffen soll das Bodenseetreffen werden.“[7]

mehr >>


zoomNeue Regelungen auf den Bändern
Mit Inkrafttreten der neuen VO Funk wird am 1. Mai 1961 in der Region I der Telefonieteil im 40-m-Band um 50kHz auf 7.050-7.100 kHz reduziert (in Deutschland genehmigt A1, A3 und F3).[8]
Die IARU-Konferenz der Region I in Malmö beschließt im Juni 1963 einen erweiterten Bandplan, der die im Grunde bis heute geltenden Grenzlinien zwischen Telegrafie und Telefonie setzt und SSB im gesamten Telefonienbereich gestattet (zuvor nur an der oberen Bandgrenze).[9]
Für 1963 kündigt das Fernmeldetechnische Zentralamt, FTZ, eine Neufassung der „Betrieblichen und Technischen Vorschriften für Amateurfunkstellen“ an, die erstmals eine Lizenzklasse C für Telefonie auf allen UKW-Bändern ohne Morseprüfung vorsieht. Auf Kurzwelle wird für Telefonie ausdrücklich der SSB-Betrieb empfohlen.[10]

Was sonst noch geschah…
In den USA gelingt die erste EME (Erde-Mond-Erde)-Verbindung (Bild).
Die QSL-Vermittlung wird reformiert, um den wachsenden Kartenumschlag besser bewältigen zu können. Der Versand erfolgt ab Juni 1961 schrittweise nicht mehr an Distriktsvermittlungen, sondern einmal im Monat direkt an die Ortsverbände.[11]

mehr >>


Mitgliederbewegung
Der Organisationsgrad bleibt konstant: ca. 85% aller in der Bundesrepublik und in Westberlin lizenzierten Funkamateure sind im DARC/VFDB.



Zeitraum Veränderung DARC VFDB Lizenzen OVs
1961 +10% 12.385 878 6.686 345
1962 +8% 13.343 900 7.215 353
1963 +4% 13.855 882 7.736 360

PDF-Datei und Fußnoten zu Folge 32

mehr >>


(33) DARC 1964/65: Alles auf Schiene

(33) DARC 1964/65: Alles auf SchienezoomMit Januar 1964 wird mit dem neuen Untertitel Das DL-qtc - Die Clubzeitschrift des DARC die längst überfällige Abkehr von der angeblichen Beschränkung auf die Kurzwelle vollzogen. Zwar lässt die seit 1962 zugesagte neue UKW-C-Klasse ohne Morsen weiterhin auf sich warten, aber die Gemeinde der UKW-Amateure ist mittlerweile so zahlreich, dass ab Januar 1965 neue, verschärfte Bedingungen für das UKW-DLD ausgeschrieben werden müssen.[1]
Auch die DARC-Clubmeisterschaft wird 1965 neu ausgerichtet und beschränkt sich ab dieser, der dritten Austragung nicht länger „auf die beiden langweiligen Amateurbänder, sondern [bietet] einen Querschnitt durch die gesamte Amateurarbeit.“[2]

mehr >>


Konzentration auf die Jugendarbeit

Konzentration auf die JugendarbeitzoomAb Januar 1964 ist Der Kurzwellenhörer Bestandteil des DL-qtc. Das knapp drei Jahre zuvor von Wolfram „Felix“ Körner gestartete Experiment, zuletzt offiziell vom DARC unterstützt, hat zu viel Geld verschlungen. Die selbstständige Publikation hatte sich auch dem Rundfunk-Fernempfang gewidmet, nun konzentriert man sich – ab 1965 mit dem Titel Der Jungamateur - wieder voll auf die Amateurfunk-SWLs – ebenso eifrig wie unsicher. Da werden historische QSLs erläutert, als gelte es, gerade bei den Jungen die Tradition zu pflegen; da wird aber auch handfeste Anfängerhilfe geleistet, „Kinderkram“, der bei den „arrivierten“ Längst-Lizenzierten auf heftige Ablehnung stößt.

mehr >>


Was sonst geschah...

Was sonst geschah...zoomFünf Jahre nach dem Internationalen Geophysikalischen Jahr (IGY) wirbt das AFB-Referat (für „Amateur-Funk-Beobachtungen“) um Mitarbeit bei den International Years of the Quiet Sun (IYQS) und ersucht um gezielte und systematische Beobachtungen der Ausbreitungsbedingungen zur Zeit des Sonnenflecken-Minimums. Die Bemühungen des kleinen Teams um DJ1SB finden international mehr Beachtung als daheim:
Die „Aktion Bandverteidigung“ fordert OMs „mit kräftigen 40-m-Stationen auf, … an drei oder vier Abenden im Monat jeweils etwa drei Stunden lang … Amateurfunk in verschiedenen Betriebsarten durchzuführen. … Ein möglichst weit verzweigtes Netz von Hörstationen … soll das Durchkomnmen“ dieser Signale beobachten und berichten.[14]

mehr >>


PDF-Datei und Fußnoten zu Folge 33

mehr >>



QSL Collection - Dokumentationsarchiv Funk

Fujitsu Österreich

Sponsor Hardware

Fujitsu Österreich