Addendum: Biografien


Kurzbiografien



Esau, Abraham, EK4AAL

Esau, Abraham, EK4AALzoomAbraham Robert Esau (*1884-06-07, †1955-05-12) Wegbereiter der modernen UKW-, Dezimeter- und Zentimeterwellentechnik und deren Anwendung für Rundfunk und Funkmeßtechnik. Studiert nach dem Besuch des Realgymnasiums St. Petri und Pauli in Danzig Physik an der Universität Berlin und an der TH Danzig. Dort 1906 bis 1909 Assistent des Physikers Max Wien. Wird 1908 in Berlin zum Dr. phil. nat. promoviert. 1909/10 Einjährig-Freiwilliger bei der Funkabteilung des Telegraphenbataillons Nr. 1 Berlin. Wechselt 1912 vom Hochschuldienst zur Gesellschaft für drahtlose Telegraphie, System Telefunken und widmet sich Fragen des Funkempfangs. Errichtet für Telefunken 1913 in Togo die Funkstation Kamina für den Aufbau eines Funkverkehrsnetzes mit den deutschen Kolonien. Die Anlage wird bei Kriegsausbruch von den Franzosen, der Reserveoffizier Esau wird festgenommen, gerät bis 1919 in französische Kriegsgefangenschaft. (Nach anderen Quellen 1917 nach Deutschland ausgetauscht.) Leiter akker Telefunken-Laboratorien, errichtet 1920/21 Großfunkstellen in Argentinien und Brasilien, entwickelt eine Doppelrahmenempfangsanlage, die in Geltow bei Potsdam für den drahtlosen Überseeverkehr gebaut wird. 1925 führt er die weltweit erste UKW-Übertragung zwischen Jena und Kahla durch. Ebenfalls 1925 als außerordentlicher Professor für "Technische Physik" an die Universität Jena berufen und Leiter des Technisch-Physikalischen Instituts. Ab 1928 ordentlicher Professor. Untersucht gemeinsam mit Erwin Schliephake die Möglichkeit, Kurzwellen in der Medizin einzusetzen. Beide entwickelten die Kurzwellen-Therapie (Diathermie). 1930 erste Untersuchungen über die Einsatzmöglichkeiten von Ultrakurzwellen. 1932 Wahl zum Rektor der Universität Jena. (1937 bestätigt, 1939 durch den Rasseforscher Karl Astel ersetzt.) Am 1. Mai 1933 Eintritt in die NSDAP, als Staatsrat Mitglied des Reichskultursenats. Gilt fortan als "Haupt-Repräsentant des Nationalsozialismus unter den deutschen Physikern" (Max von Laue). Ab 1939 Präsident der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt (PTR) in Berlin und Professor für Militärtechnik an der TH Berlin. Als Spartenleiter Physik im Reichsforschungsrat und mit dem Heereswaffenamt in Verbindung mit den führenden Forschern Deutschlands im „Uranprojekt“ Untersuchungen zur Kernspaltung. 1942 wurde Esau „Bevollmächtigter des Reichsmarschalls für alle Fragen der Kernphysik“ und ab Anfang 1944 "Bevollmächtigter für Hochfrequenz-Forschung". Leitet Forschungen im Bereich des Funkmesswesens, insbesondere der Erschließung des Zentimeterwellenbereichs. Nach der Kapitulation Deutschlands werden seine Arbeiten im Rahmen der Alsos-Missionen durch die Amerikaner beschlagnahmt, die 1943-45 deutsche Bemühungen zum Bau einer Atombombe offenzulegen und zu verhindern versuchte.
Wird 1945 verhaftet, in Frankreich und Deutschland bis 1948 inhaftiert. Ende 1948 von der Anklage des wirtschaftlichen Kriegsverbrechens freigesprochen; nach Deutschland abgeschoben und von der Spruchkammer Rendsburg de facto "entnazifiziert". Ab 1949 Honorarprofessor für Kurzwellentechnik an der TH Aachen und Leiter des Institutes für Hochfrequenztechnik in Mülheim an der Ruhr, einer Abteilung der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt. Führt wegweisende Untersuchungen zum Einsatz von elektrischen und akustischen Wellen (Radar bzw. Sonar) zur Ortung, Navigation und Wetterbeobachtung sowie zum Einsatz von Ultraschall in der Werkstoffprüfung durch.
Der Funkamateur Esau: Wird am 28. Juli 1925 Präsident des Deutschen Funktechnischen Verbandes e. V. (DFTV) und neben Staatssekretär Bredow einziges Ehrenmitglied. Präsident der deutschen Sektion der IARU. Ab 16./17. Januar 1926 Präsident des Deutschen Sende Dienstes – DSD im DFTV. Rufzeichen EK4AAL. März 1927 bis Mai 1928 Präsident, anschließend Ehrenpräsident des Deutschen Amateur Sendedienstes – DASD.




Formis, Rudolf ”Rolf”, Ky4, DE0100

Formis, Rudolf ”Rolf”, Ky4, DE0100zoomIng. Karl Erich Rudolf „Ralf“ Formis, (*1894-12-25 Stuttgart, †1935-01-23, Slapy nad Vltavou) stammt aus einer Stuttgarter großbürgerlichen Familie. Die Eltern sind Ing. Alfred und Elise Rosine Marie, geb. Leins. Er hat einen älteren Bruder, Harry. 1904 kommt er in ein Pensionat mit Schule nach Nürtingen, wird dort 1908 konfirmiert. Ab 1910 besucht er das Gymnasium in Esslingen, 1911 in Düsseldorf. 1912 beginnt er eine Lehre in einem Hamburger Handelshaus für Drogen und Apothekerwaren. 1913 zieht es ihn in die weite Welt. Er landet in Siam (heute Thailand), wo er die Erziehung und Ausbildung der Söhne des örtlichen Kaisers Ramy IV (Maha Vadžiravudha) wird. Im Sommer 1914 kehrt er nach Europa zurück und tritt bei Kriegsausbruch der deutschen Armee bei. Dank seiner Kenntnisse der östlichen Sprachen wird er bald zum deutschen Arabien-Korps der türkischen Armee abkommandiert und kämpft als Leutnant gemeinsam mit den Osmanen als Kraftfahrer und Funker in Mesopotamien und Arabien. In Jerusalem gerät er in englische Gefangenschaft, die es ihm aber ermöglicht, abermals nach Siam zu reisen, wo er für das Königshaus eine einträgliche Seifenfabrikation aufbaut. 1918 kehrt er nach Deutschland zurück und beginnt sein Ingenieur-Studium. Kurzzeitig, 1920/21, verlobt er sich mit Berta Weger, einer Magd aus dem Allgäu, die er in Stuttgart als Exotin ausgibt. Im Frühjahr 1923 bewirbt er sich bei der Süddeutschen Rundfunk AG (SÜRAG), wird angestellt, errichtet den Stuttgarter Sender und avanciert zum Programmleiter und Technischen Direktor. Als einer der ersten aktiven Funkamateure innerhalb der Kurzwellen-Gruppen des DFTV und Mitglied des Oberdeutschen Funkverbandes - OFV, Ortsgruppe Stuttgart, erhält er bereits 1924 von der DRP eine Sendegenehmigung mit dem Rufzeichen Y4, später Ky4. Es gelingen ihm spektakuläre Erfolge, auch mit Fernempfangs-Versuchen. Um deren Ergebnisse besser auswerten zu können, schreibt er alle erreichbaren deutschen Funkfreunde an, ersucht sie um Empfangsbeobachtungen, vervielfältigt Rundschreiben. Zur Vereinheitlichung der Berichte verteilt er vorgedruckte blanco-QSL-Karten und gibt ab 17. Juni 1925 DE-Nummern aus (Deutscher Empfänger). Er selbst teilt sich die Nummer DE-100 zu und übernimmt die Vermittlung als QSL-Büro. Die mittlerweile auf 160 Mitglieder gewachsene Gruppe nennt sich innerhalb des OFV Deutscher Empfangsdienst – DED. Ihr nächstes Ziel war die Schaffung eines Verbandes von Amateursendern. Auch dafür wirbt Formis gemeinsam mit seinem Funkkollegen Oberstleutnant von Stockmayer, und am 16./17. Januar 1926 wird in Jena der Deutsche Sendedienst – DSD gegründet. Bei der zweiten KW-Tagung in Berlin, bereits am 4. September 1926, geraten zwei Fraktionen in Streit. Formis will die Hauptverkehrsleitung (HVL) in Stuttgart behalten, seine Kontrahenten wollen sie in die Reichshauptstadt verlegen und setzen sich durch bei der dritten KW-Tagung, diesmal in Kassel, anlässlich der Zusammenführung von DED und DSD zum Deutschen Amateur Sende- und Empfangsdienst – DASD. Formis, der sich mit seinem arroganten und autoritären Wesen (auch in der SÜRAG) viele Feinde gemacht hat, wird ausgebootet, verlässt die Veranstaltung im Zorn und tritt von da an nicht mehr als Funkamateur in Erscheinung. 1928 beauftragt ihn Dr. Bofinger, der erste Intendant der Sürag mit der Erichtung einer Fernempfangsstelle im Schloss Solitude bei Stuttgart. Von dort aus gelingen spektakuläre Übertragungen (31.10.1928 und 28.3.1929 Kontakt mit Luftschiff Graf Zeppelin, am 19. Juli 1931 Reportage von der Box-WM in den UA). Sein nächster großer Auftritt ist erst am 7. März 1933, als er, der bisher als politisch neutral galt, in voller SA-Montur bei der Besetzung des Stuttgarter Funkhauses eine Brandrede für das Regime hält. Er gerät zunehmend in Schwierigkeiten, flieht nach kurzer Schutzhaft in die Türkei, wird zurückgeschoben, landet in der Tschechoslowakei, trifft dort auf Otto Strasser und baut in Slapy an der Moldau für dessen Organisation Die schwarze Front einen Untergrundsender, der sich auf einer Wellenlänge von 49,5m meldet: "Achtung! Achtung! Hier ist der Landschaftssender Berlin der Schwarzen Front! Zur Vereinbarung der Sendezeiten und Zusendung von Zeitungsexemplaren oder Ausschnitten in deutscher, englischer oder französischer Sprache wolle man sich am Postfach 327 in Kopenhagen, Dänemark, wenden bzw. wolle man solche dorthin senden." Der Sender wird am 23. Januar 1935 im Auftrag von Reinhard Heydrich von einem deutschen Kommando unter Alfred Naujocks ausgehoben, wobei Formis ums Leben kommt. Das ab 1935 von der Staatsanwaltschaft Berlin geführte Ermittlungsverfahren wird am 17. Dezember 1938 eingestellt. Naujocks läuft zu den Amerikanern über. Der Prozess gegen ihn und den Mittäter Werner Göttsch wird am 14. Januar 1967 ohne Verurteilung abgeschlossen. Hauke Friederichs Hitlers Terrorist ZEIT ONLINE 25.12.2015
Die Angaben über die Ereignisse in Zahori differieren sehr stark. Hier ist eine Auswahl:
- Andreas Morgenstern: Der Stuttgarter Rundfunkpionier Rudolf Formis und der Sender der Schwarzen Front in der Tschechoslowakei 1934/35, in: Peter Becher / Anna Knechtel (Hg): Hörfunk und Hörfunkpolitik in der Tschechoslowakei und im Protektorat Böhmen und Mähren, Frank & Timme, Berlin, ISBN 978-9329-0277-4 – S 43ff als Google Book: secure linkext. Link
- Willi Berthold Prinz Albrecht Straße (Kolportage-Roman) 1964 Lichtenberg Verlag, 2017 aus WB Nachlass Lindhardt og Ringhof Forlag A/S, E-Book ISBN 97887 117401 49 - Google-Books: secure linkext. Link
VIDEO: Pátrání po osudu Rudolfa Formise - TV Nova 31.1.2017 (Tschechisch): linkext. Link



Download [758.72 KB]Ing. Rudolf Formis - Country Expres Každý pátek na Rádiu Sázava (Tschechisch mit deutscher Transkription) [PDF , 758.72 KB]
Download [1.62 MB]W.F. Körner, Geschichte des Amateurfunks 1909-1963 [PDF , 1.62 MB]
Download [3.01 MB]Rudolf Formis: A tale of murder, intrigue and radio in pre-war Prague - By David Vaughan (Radio Prag, 24.11.2012) AUDIO [MP3 , 3.01 MB]
Download [18.16 KB]Rudolf Formis: A tale of murder, intrigue and radio in pre-war Prague - By David Vaughan (Radio Prag, 24.11.2012) MANUSCRIPT [18.16 KB]
Download [1004.08 KB]O-Ton Rolf Formis bei der Übertragung der Zeppelin-Amerikafahrt - O-TON [MP3 , 1004.08 KB]

01 - Rolf Formis an seiner Funkstation
02 - Rolf Formis im Labor Schloss Solitude
03- Laut W.F. Körner Formis an der Station von Ky4 in seinem Haus in Stuttgart Alexanderstraße 31. Laut SWF Formis 1928 an der Fernempfangs-Station im Schloss Solitude
04- Hotel Zahori, Ansichtskarte 1935. Heute ist das Hotel von der 1949 errichteten Moldau-Talsperre Slapy überflutet
05 - Situationsplan Hotel Zahori. 1: Weg zum Kiosk, 2: Zimmer 6 (Formis), 3: Zimmer 4 (Attentäter), 4: Sender der Schwarzen Front in der Mansarde, Zimm er 17, 5: Zimmer 21 des Kellners Karel Flieger
06 - Sender, Aufnahme der Untersuchungskomission am Originalschauplatz
07 - Sender, heutiger Zustand, aufgestellt im Technischen Nationalmuseum Prag
08 - Die Leiche Formis', Aufnahme der Untersuchungskommission
09 - Alfred Naujocks 1947 bei seiner Gefangennahme
10 - Das Grab, noch mit der alten Grabplatte mit dem falsch geschriebenen Namen
11 - Der neue Grabstein




Fulda, Otto

Fulda, Ottozoom*21. Juli 1873, Sangerhausen, †15. Mai 1954, Berlin. - Militärische Karriere: Tritt am 1. April 1892 als Fahnenjunker in das 1. Westpreußische Pionier-Bataillon Nr. 17 ein, wird dort am 14. November 1892 zum Fähnrich und am 15. Juli 1893 zum Sekondeleutnant befördert. Am 1. Oktober 1899 Versetzung in das Telegrafen-Bataillon Nr. 1 und bei der Versetzung in das Telegrafen-Bataillon Nr. 3 am 9. Juli 1900 Beförderung zum Oberleutnant. Nach Besuch der Militärtechnischen Akademie am 18. Mai 1907 im Telegrafen-Bataillon Nr. 3 zum Hauptmann befördert. Ab 1911 in der Versuchs-Abteilung des Militär-Verkehrswesens, ab 1. Oktober 1913 beim Stab des Eisenbahn-Regiments 3. Am 6. Juni 1916 Beförderung zum Major. 1917 Armee-Nachrichten-Kommandeur 18. Übernahme in die Reichswehr am 1. Oktober 1919 zunächst als Kommandeur der Nachrichten-Abteilung 21, dann am 27. November 1919 Nachrichten-Abteilung 15. Am 3. September 1920 Versetzung in die Inspektion für Waffen und Gerät im Reichswehrministerium. 1. April 1921 Beförderung zum Oberstleutnant, 1. Februar 1922 Versetzung in den Stab der Kommandantur Berlin. 1. Oktober 1925 Beförderung zum Oberst. Am 31. Januar 1927 mit dem Charakter eines Generalmajors aus dem Militärdienst entlassen. (Quelle: Lexikon der Wehrmacht )



Horkheimer, Rudolf ("Rolf"), KL4, K-y8, K4YAE, DE0023, CP6XF, DK5GA

Horkheimer, Rudolf ('Rolf'), KL4, K-y8, K4YAE, DE0023, CP6XF, DK5GAzoom(*1894-02-14, Rottenburg am Neckar; †1982-02-15, Konstanz). Horkheimer war jüdischer Herkunft. Erst nach 1860durften sich jüdische Personen in Rottenburg ansiedeln, die zur Synagogengemeinde Tübingen gehörten, darunter die Familie Rudolf Horkheimer, die aus Kirchardt (Kreis Heilbronn) nach Rottenburg gekommen ist. Horkheimer betrieb zunächst einen Kleiderladen, aus dem heraus ein Hadernschneideunternehmen und schließlich eine Putzwollfabrik entstand.Seine ersten Sendeversuche unternahm er bereits als Schüler. Horkheimer baute in den 1920er Jahren zahlreiche Sende- und Empfangsanlagen für Kurzwelle auf und betrieb sie zunächst unter dem Rufzeichen K-Y8, später unter K4YAE. 01K Die drahtlose Telegrafie erreicht das private Heim - Dargatz, Slawyk, Klotz u.a. Er galt als Experte in Hochfrequenzfragen. Im Jahre 1923 wurde er wegen Schwarzsendens zu einer Geldstrafe von drei Millionen Mark (Inflationsgeld) verurteilt, denn er hatte gegen das kaiserliche Gesetz über das Telegraphenwesen aus dem Jahr 1892 verstoßen. Damit war er der erste deswegen bestrafte Funkamateur. 1938 musste er nach Bolivien emigrieren, wo er eine Kurzwellenstation mit dem Rufzeichen CP6XF betrieb. 1958 kehrte er nach Deutschland zurück. Im Jahr 1970 legte er als DK5GA erneut die Amateurfunkprüfung ab. Der Deutsche Amateur-Radio-Club (DARC) vergibt seit 1992 jährlich den nach Rudolf Horkheimer benannten Horkheimer-Preis für außergewöhnliche Leistungen im Amateurfunk.




Leithäuser, Prof. Dr. Gustav

Gustav Engelbert Leithäuser *1881-12-20, †1969-09-01. Abitur am Hamburger Johanneum (als Sohn eines dort unterrichtenden Gymnasialprofessors). Studiert an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin Physik und Mathematik, promoviert 1903 mit der Dissertation Über den Geschwindigkeitsverlust, welchen die Kathodenstrahlen beim Durchgang durch dünne Metallschichten erleiden, und über die Ausmessung magnetischer Spektren. Schlägt 1905 eine stroboskopische Methode zur Analyse von Wechselstromkurven vor. Assistenzzeit am Physikalischen Institut, später an der Physikalisch-technischen Reichsanstalt in Berlin-Charlottenburg. 1910 als Dozent für praktische Physik und Fotografie Professor an der Technischen Hochschule Hannover, wo er sich der Hochfrequenztechnik widmet. Erste Erkundigungen in der drahtlosen Telegraphie. 1914 Kriegsfreiwilliger im Telegraphenbataillon Nr. 6. Führt erstmals Funkaufklärung durch Funkrichtungsmessung durch. 1918 Leiter der Funkanlage Naumburg. 1919 in der Hf-Abteilung des Telegraphenversuchsamtes des Reichspost-Zentralamts (TRA) in Berlin. 1920 Telegraphendirektor, 1921 Postrat, beauftragt mit dem Wiederaufbau der Küstenfunkstellen. Dozent an der der TH Hannover. 1926 Habilitation für Angewandte Physik an der TH Berlin. Bis 1936 Professor für Schwingungslehre und Hf-Technik, Leiter der Hf-Abteilung im Heinrich-Hertz-Institut für Schwingungsforschung. 1937 wird ihm nach dem Reichsbürgergesetz die Lehrerlaubnis entzogen und er nach § 6 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums in den Ruhestand versetzt, da seine Ehefrau nach den Nürnberger Gesetzen „halbarischer“ Abstammung ist. Geht in die Industrie, wo er schon zuvor die Kommission zur industriellen Fertigung des Volksempfängers geleitet hat. Übernimmt 1945 an der Technischen Hochschule Berlin den Lehrstuhl für Hochfrequenztechnik und sorgt für den Wiederaufbau des zerstörten Heinrich-Hertz-Instituts. Geht 1953 in den Ruhestand, beschäftigt sich mit Ionosphärenforschung.
Amateurfunk. Im Vorstand des DFTV (28. Juli 1925) Entwickelt 1926 die Audion-Schaltung mit kapazitiver Rückkopplung sowie die sog. Leithäuser-Schaltung. 1931 Slaby-Plakette des DFTV. 1933 Präsident des Deutschen Amateur-Sende- und Empfangsdienstes (DASD). Am 16. November 1934 abberufen. Sein Nachfolger im neuen DASD e.V. ist Admiral Dr. h.c. Otto Groos.



Schmitz, Prof. Dr. Wilhelm Ludolf, DE 0072, MARS, K-p6, K4aci, EK4aci, D4ACI

Schmitz, Prof. Dr. Wilhelm Ludolf, DE 0072, MARS, K-p6, K4aci, EK4aci, D4ACIzoom(*1899-05-26, Mühlheim/Ruhr; 1973-03-11, Bonn) Sohn eines an der Universität Bonn promovierten Chemikers, der in der Lederfabrik Lindgens am Kassenberg tätig ist. Dort macht ein Meister der Firma den Schuljungen mit der Elektrotechnik vertraut; mit sieben Jahren bekommt er von den Eltern einen für den Physikunterricht in Oberschulen entwickelten „Funkensender“. 1909, mit zehn, erhält er die erste Kamera. 1913 lernt er im Deutschen Museum in München die Röntgenstrahlen kennen. Dies sind die drei Motivationen für seine berufliche Zukunft: Schon als Oberschüler im Gymnasium entscheidet er sich für eine Zukunft als Physiker. Zunächst wird er aber noch 1918 einberufen, hat an allen drei Standorten mit militärischen Nachrichtengeräten zu tun und erteilt sogar Telegraphieunterricht. Nach Kriegsende beginnt er ein Studium der Physik an der Technischen Hochschule in Darmstadt, neigt mehr und mehr zum universitären Grundlagenstudium, wechselt 25jährig an die Universität Bonn und dissertiert über die Wellenlängenabhängigkeit der Leitfähigkeit von Selen unter Röntgenbestrahlung. 1939 wird Privatdozent Dr. Schmitz außerplanmäßige Professor. Das Röntgenforschungs-Institut wird im Krieg zerstört, Schmitz führt es bis 1958 in seinem Wohnhaus weiter, dann ist in Bonn ein Neubau fertiggestellt.
Der Funkamateur Im September 1924 Eintritt in den Verein der Funkfreunde Mühlheim/Ruhr, der vom Juli 1925 bis zur Auflösung im November 1934 Mitgliedsverein des Deutschen Funktechnischen Verbandes – DFTVe.V. ist. Noch ohne Prüfung, die erst 1930 verpflichtend wird, erhält er die DE-Nummer 0072. Sobald die Reichspost ab 1. September 1925 Sendegenehmigungen an Radiovereine vergibt, arbeitet er auch von Bonn aus unter dem Rufzeichen Kp6 des Radiovereins in Mühlheim/Ruhr. Schon zuvor und parallel dazu ist er MARS - möglicherweise ein Akronym für Mühlheimer Amateur Radio Sender -, und am ersten Deutschen Sendetag des DFTV nimmt er als K4aci teil. Am 1. März 1926 wird ihm als eine von nur zwölf Individual-Genehmigungen EK4aci zugewiesen, sein erstes legales Rufzeichen. Schmitz ist am 20. März 1927 einer der 56 Gründer des DASD und gründet bereits eine Woche später, am 26. März, den Ortsverband Bonn. Am 1. März 1933 erhält er zwar noch das neue Rufzeichen D4ACI, doch hat er bereits 1932 die ihm bei der DASD-Tagung in Essen angebotene Ehrenmitgliedschaft abgelehnt, und die Eingliederung des Verbandes in die NS-Hierarchie veranlasst ihn zum Austritt. Auch nach 1945 ist Schmitz nicht mehr als Funkamateur tätig.
(Quellen: Lickfeld, Karl Gerhard, DL3FM Ein Pionier des Amateurfunks in Deutschland, Selbstverlag 1985. – Ders. Prof. Dr. Wilhelm Ludolf Schmitz in: cq-DL 2/1989 S103ff – Mayer-Kalkschmidt, Harro, DJ1MK (Hg) Festschrift anlässlich des 65jährigen Bestehens des Ortsverbands Bonn G03 im DASD , Typoskript 1992, S13ff – Fotos: Sammlung Schmitz)



Cover: Prof. Dr. Schmitz, 1947
01 - Einer der ersten KW-Sender, ca. 1926. Einstufige Erzeugung und Verstärkung der Hochfrequenz in derselben Röhre (Bildmitte)
02a - Zweistufiger KW-Sender, ca. 1927. Frequenerzeugung (3-4 MHz) mit Quarzkristall
02b - Endstufe. Mit Messinstrument für den "Luftdraht-Strom" (Ausgangsleistung)
03 - Endstufe eines KW-Senders. Rechts die Verstärkerröhren, in der Mitte deren Schwingkreis mit Spule und Drehkondensator, links eine spiralige Spule, die induktiv mit der zylindrischen gekoppelt ist und mit dafür sorgt, dass möglichst viel Hochfrequenz in die Antenne fließt
04 - Dr. Schmitz mit der von ihm gebauten KW-Station für Mars. Links die Senderstufen, rechts die Verstärkerstufe, dazwischen ein Modulationsverstärker für Telefonie-Betrieb. Unter dem Tisch der Wandler von der Lichtnetz-Wechsel- zur Gleichspannung
05 - QSL von Mars
06 - QSL von K-p6
07 - QSL von K4aci




Wiegand, Rudolf ("Rolf"), D4CXF

Wiegand, Rudolf ('Rolf'), D4CXFzoom(*xx.xx.xx †1945-04-xx, Berlin ) Schon vor Gründung des DSD und DASD im Äther tätig, war er eng befreundet mit der Gruppe um „Mars“. 1926 war er in Jena, 1927 in Kassel mit dabei, als dort der Grundstein zum DASD gelegt wurde. Zusammen mit OM Titius gab er die „CQ“ heraus und führte sie nach dessen Tod als Schriftleiter allein weiter. Als Fachschriftsteller wurde er vor allem durch sein Taschenbuch „Senden und Empfang Kurzer Wellen“ bekannt, das Ende der Zwanziger und Anfang der Dreißiger Jahre zum Rüstzeug jedes OMs – ob jung oder alt, zählte. Wiegand gehörte zu dem Kreis, der schon im alten Eisenbahnwagen in Berlin-Schlachtensee wirkte. Er widmete sich hauptsächlich dem Verband, fand aber noch Zeit, so „nebenher“ seinen Lebensunterhalt mittels Fachschriftstellerei in Zeitschriften und Büchern, Apparatebau und Reparaturarbeiten zu finanzieren. Bekannt war er durch seinen hintergründigen Humor. Wiegands Abneigung gegen Uniformen und Krieg bewahrte ihn nicht vor der Einberufung, die ihn im Sept. 1944 ereilte. Anfang 1945 wurde er beim Versuch, die alliierten Linien in Holland zu erreichen, von der Feldgendarmerie verhaftet. Man lieferte ihn am 19. 2. 1945 zunächst in das Gefängnis Uelzen ein. Am 12. 4. 1945 überstellte man ihn dem Landgerichtsgefängnis Lüneburg. Da er im Laufe seiner Haft immer wieder vorbrachte, er müsse an General Sachs eine wichtige Meldung machen, wandte man sich von Lüneburg aus endlich telefonisch nach Berlin. General Sachs vertrat den Standpunkt, daß Wiegand der DASD-Leitung angehörte, somit auf jeden Fall das Recht hätte, mit ihm selber zu sprechen, und ordnete seine Überführung nach Berlin an. Bereits am 13. 4. 1945 setzte man ihn nach dort unter Bewachung in Marsch. Er verlor während eines Fliegeralarms kurz vor Berlin die Nerven und wagte einen Fluchtversuch, dabei wurde er erschossen. Vergeblich wartete Sachs auf sein Eintreffen – am 21. 4. 1945 schloß der DASD seine Pforten, die Front rollte auf die Reichshauptstadt zu.




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