02 - Broadcasting! Faszination für Abertausende


Dieser Abschnitt wird gefördert durch Zuwendungen von: DARC OV W05 Magdeburg-Nord (Chronik ab 1923)



SPOT - Die Geschichte des Rundfunks in Deutschland beginnt 1922



02A Überall beginnt Broadcasting, Radio, Unterhaltungsrundspruch...

02A Überall beginnt Broadcasting, Radio, Unterhaltungsrundspruch...zoom01 - 1921: Frankreich: Radio TourEiffel, Paris01
02 - 1921: Frankreich: Radio Tour Eiffel, Paris, Telephonieröhrensendertisch
03 - 1922: England: Die BBC beginnt mit 2LO London. 5IT Birmingham und 2ZY Manchester. Die Lizenz folgt erst 1923. (Frankreich: Radiola)
04 - 1923: Österreich: Radio Hekaphon N(iederlande: Nederlandsche Seintoestellen Fabriek . Australien: 2SB Sydney. Belgien: Radio Bruxelles)
05 - 1924 Ungarn: Radiovox Budapest
06- 1924: Spanien: EAJ-1 Radio Barcelona (talien: URI, Unione Radiofonica Italiana)
07 - 1924: Österreich: RAVAG, Radioverkehrs AG Wien




02B Die ersten Sendungen kommen aus Königs Wusterhausen

02B Die ersten Sendungen kommen aus Königs WusterhausenzoomDer Sender Königs Wusterhausen auf dem Funkerberg (ehemals Windmühlenberg) in Brandenburg nimmt 1916 als militärische Funkstelle des Heeres mit dem Rufzeichen LP den Sendebetrieb auf. (Bild Cover: 1918) Im September 1919 wird die Reichspost Eigentümer und betreibt den nationalen und internationalen Telegrammdienst, sowie Funksonderdienste und unternimmt ab Anfang 1920 Versuche zur Übertragung von Sprache und Musik auf 1300 m und Rundfunk auf 2.525, 2.900 und 4.000 m, beginnend mit dem Weihnachtskonzert am 22. Dezember 1920, ein Osterkonzert am 23. März 1921 und eine Aufführung der Oper Madame Butterfly/i>. am 8. Juni 1921.Vom 13. Mai 1923 bis zum 24. Januar 1926 gibt es die regelmäßigen Sonntagskonzerte, bei denen auch hin und wieder die Postbeamten auf ihren privaten Instrumenten Musikstücke spielenAbb.01.




02C Bürokratie, Politik und Wirtschaft im Widerstreit der Interessen

02C Bürokratie, Politik und Wirtschaft im Widerstreit der Interessenzoom(Coverfoto: Reichspostministerium) Die Zeit vor dem öffentlichen Zugang zum Rundfunk ist geprägt von einem heftigen Disput zwischen der Ministerialbürokratie, namentlich im Reichspostministerium-RPM und seiner Reichstelegraphenverwaltung-RTV und im Ministerium des Inneren. Mit wachsender Aufmerksamkeit – und Sorge - beobachtet man den radikalen Siegeszug des „Broadcasting“ in den USA, in Europa und vor allem beim Hauptkonkurrenten Marconi in England. Da will die Fachindustrie nicht tatenlos bleiben. Die beiden größten Unternehmen, Telefunken und LorenzAbb.01 reichen am 16. Mai 1922 der RTV einen Konzessionsantrag zur Errichtung und zum Betrieb von Sende- und Empfangsanlagen ein. Nur wenige Tage später triitt ein Mann auf, der dafür sorgt, dass dieser Antrag bald vom Tisch ist und der sich selbst als treibende Kraft bei der Schaffung des deutschen Rundfunks etabliert:
Dr. Ernst Ludwig Voss (1880-1961)Abb.02 nimmt als Legationsrat im Auswärtigen Amt seit 1919 an den von Ängstlichkeit und Argwohn geprägten Beratungen der Reichsfunkkommision teil und erkennt das wirtschaftliche Potenzial des Funkwesens. Als im Juli 1920 aus einem Referat der Außenhandelsstelle im AA die Eildienst für amtliche und private Handelsnachrichten GmbH ( wird, tritt er als Vorsitzender und Treuhänder des Verwaltungsrates Generalkonsul Dr. Ludwig Roselius auf - und Voss mischt als Generaldirektor mit. Aus dem Telegraphendienst wird ein Sprechfunkk mit plombierten Geräten. Dieser Wirtschaftsdienst erreicht 400 Kunden in 100 Orten. Damit ist das System geschaffen: Die Post kontrolliert die Sende- und Empfangsanlagen, für das Programmangebot wird ein privatwirtschaftliches Unternehmen konzessioniert. Im Mai 1922 gründet Voss ein Tochterunternehmen der Eildienst, die
Deutsche Stunde, Gesellschaft für drahtlose Unterhaltung und Belehrung mbH, holt sich als Gesellschafter Roselius, der sich die Stimmanteile 50/50 mit der Post teilt, und stellt, nur zwei Wochen nach der Inititaive der Industrie, das zweite Konzessionsansuchen. Zunächst plant man einen Zentralfunk mit "lautsprechender Telephonie" aus Königs Wusterhausen, dann der besseren Verbreitung wegen einen Saalfunk über Großlautsprecher in kinoähnlichen Sälen. Bei dieser Gelegenheit stellt Bredow fest, die Reichstelegraphenverwaltung-RTV sei aus finanziellen Gründen nicht in der Lage, den neuen öffentlichen Funkdienst selbst aufzubauen, die private Deutsche Stunde werde dies auf eigene Kosten übernehmen. Mit stiller Billigung Bredows bereitet Voss die Gründung der neun regionalen Programmgesellschaften vorAbb.03, sucht und findet dafür Kapitalgeber. (Erste Gründung ist am 18. September die Deutsche Stunde in BayernAbb.04,05, die allerdings erst im April 1924 zu senden beginnt.) Jetzt aber mischt sich das RMI ein, das Innenministerium. Rundfunk sei ein Politikum und müsse vor dem Zugriff von staatsfeindliche und umstürzlerischen Kräften geschützt werden. Andererseits sei der neue Funkdienst ein ideales Propagandamittel für die Belange der Regierung. Man einigt sich: Die Deutsche Stunde werde „einen reinen Unterhaltungsrundfunk unter Ausschluss von Pressemeldungen und politischer Nachrichten eröffnen.“ Eine weitere Konzession erhält eine vom Reich finanzierte und kontrollierte „Gesellschaft … bei der dem RMI die Möglichkeit gegeben ist, die Interessen seines Ressorts sicherzustellen.“ Das ist „um politischen Missbrauch zu verhindern“ für „Tagesnachrichten und Darbietungen politischen Inhalts“ der Drahtlose Dienst, Aktiengesellschaft für Buch und Presse“, kurz DRADAG. Für die Beistellung der politischen Inhalte sorgt die vom RMI alimentierte Drahtlose Dienst AG für Buch und Presse (DRADAG). Voss hat nun endlich freie Hand für die Schaffung des ersten Regionalsenders, natürlich jenen in Berlin. Er findet einen geeigneten Partner, die Vox Schallplatten- und Sprechmaschinen-AG. Vox gehört zur Holding Hauptverwaltung für Industrie GmbH in der der Kolonialkaufmann August Stauch sein Vermögen aus Diamantenfunden in Deutsch-Südwestafrika angelegt hat. Stauch stellt die Räumlichkeiten, vor allem aber das Kapital zur Verfügung. Die RTV beauftragt das Telegraphentechnische Reichsamt am 20. September 1923 mit dem Senderbau und die Oberpostdirektion mit der Errichtung der Antenne. Bereits am 18. Oktober beginnen die Versuchssendungen, am 29. Oktober um 20.00 Uhr wird der reguläre Sendebetrieb eröffnet. Voss ist am Ziel.
Zentrale Persönlichkeit von den ersten Ansätzen bis zu seiner Amtsenthebung 1933 ist Reichsrundfunk-Kommissar Hans Bredow, von Vielen als „Vater des Rundfunks“ bezeichnet.






02D Hans Bredow

02D Hans BredowzoomHans Carl August Friedrich Bredow (* 26.11.1879, † 09.01.1959) studiert an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und am Friedrichs-Polytechnikum in Cöthen. 1903 wird er bei der AEG in Berlin und in Riga Projektierungsingenieur für den Bereich Starkstromanlagen. Am 1. Mai 1904 übernimmt ihn die von AEG und Siemens & Halske gemeinsam gegründeten Tochtergesellschaft Telefunken. 1907 bricht er im Funkverkehr auf deutschen Schiffen mit dem Telefunkensystem das Marconi Company-Monopol für drahtlose Telegraphie. Am 1. Mai 1908 wird er technischer Direktor der Telefunken-Gesellschaft, die er zusammen mit Grafn Georg von Arco leitet.
1909 gründet er das Unternehmen Australasian Wireless Ltd. in Sydney. 1910 muss Marconi das deutsche Telefunkensystem im Schifffahrtsverkehr in einer Vereinbarung als gleichberechtigt anerkennen und tritt 1911 den Funkbetrieb auf deutschen Schiffen an die von Bredow geleitete Deutsche Betriebsgesellschaft für drahtlose Telegraphie (DEBEG) ab.

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02E 29. Oktober 1923 - Der erste Sendetag

02E 29. Oktober 1923 - Der erste Sendetagzoom„Achtung, Achtung! Hier ist die Sendestelle Berlin im Voxhaus auf Welle 400 Meter. Meine Damen und Herren, wir machen Ihnen davon Mitteilung, dass am heutigen Tage der Unterhaltungsrundfunkdienst mit Verbreitung von Musikvorführungen auf drahtlos-telefonischem Wege beginnt. Die Benutzung ist genehmigungspflichtig.“ So beginnt die erste Sendung des ersten regelmäßigen (kommerziellen) Rundfunkdienstes in Deutschland. Moderator ist der geschäftsführende Direktor Friedrich Georg Knöpfke. (Zehn Jahre später, im September 1933, nimmt er sich nach Misshandlungen durch die Gestapo das Leben.)



01-03 - Vox-Haus ("Schallplatten- und Sprechmaschinen AG") in der Potsdamer Straße 4
04 - Einrichtungen im 4. und 5. Obergeschoß nach dem Ausbau
05 - Der Sendesaal im 4. Obergeschoß
06 - Der große Sendesaal
07 - Das Studio mit dem Meister-Harmonium
08 - Das Studio mit dem Schwechten-Flügel
09 - Der zweite Sender am Magdeburger Platz
10 - Sendestelle am Magdeburger Platz
11 - Sonder-QSL-Karte 90 Jahre Radio , 2013
12 - Sendespielprobe im Aufnahmeraum der Funkstunde Berlin



Download [1.4 MB]Die FunkStunde, Nr. 4, 7. Dezember 1924 [PDF , 1.4 MB]

02F Der Hype erfasst Deutschland - die Verwaltung gerät in Zugzwang

02F Der Hype erfasst Deutschland - die Verwaltung gerät in ZugzwangzoomDie Begeisterung kennt keine Grenzen. Das neue Wunder "Broadcasting" fasziniert die Massen. Im Selbstbau nach Vorlagen entstehen die ersten Detektoren-Empfänger: Man braucht keinen Strom, keine Batterien, nur den berührungs- und erschütterungsabhängigen Quarz. Iin den Buchläden liegt Fachliteratur aus, am Kiosk gibt es Fachzeitschriften.
Rechtliche Grundlage für den Sendebetrieb ist noch immer das Telegraphengesetz von 1892 mit der Novelle vom 7. März 1906, das der Reichspost die alleinige Hoheitsverwaltung überträgt. Ohne rechtliche Absicherung werden am 24. Oktober 1923 mit der Verfügung Nr. 815 über die Einführung eines Unterhaltungs-Rundfunks in Deutschland die Durchführungsbestimmungen erlassen,08 (siehe 02H). Erst auf Basis einer Not-Verordnung zum Schutze des Funkverkehrs, die am 8. März 1924 vom Reichspräsidenten erlassen wird und am 4. April in Kraft tritt (siehe 02G) und im Mai 1924 durch die Verfügung des RPM Nr. 273 und die im Zusammenhang mit ihr erlassenen Richtlinien sichert sich das RPM sukzessive die entscheidende Rolle in allen Belangen, von der Genehmigung zum Gerätebau, der Errichtung und dem Betrieb der Sendeanlagen und der Kontrolle über die Sendegesellschaften bis zur Regelung der Empfangsbewilligung und der finanziellen Abwicklung der Hörergebühren.



Download [321.65 KB]Rundfunkdienste 1924 (Aus: Eugen Nesper, "Der Radio-Amateur" 6. Aufl. 1925) [PDF , 321.65 KB]

01 - Detektor Aeara, 1924
02 - Detektor, Eigenbau, ca 192505
03 - Detektor mit Schiebespule, unbekannter Hersteller06
04 - Aufsteckdetektor-Luxor-mit-Detektor-Kristall-Pyrit
05 - Anfangs mussten alle Bauteile im Selbstbau hergestellt werden. Aussschnitt aus: Der Radio-Amateur, Zeitschrift für Freunde der drahtlosen Telephonie und Telegraphie hg. von Eugen Nesper und Paul Gehne
06 - Viele Kleinunternehmen entwickelten oder importierten Bauteile und Fertiggeräte - nur wenige konnten sich auf dem Markt halten
07 - Rasch stellten sich auch die finanzkräftigen großen Unternehmen auf den neuen Bedarf ein
08-10 - Es entstanden Spezialanbieter wie die Fritz Hofmann A.-G.in München (FRIHO) für Medizin und Optik, die 1924 eine Zulassung für Elektrotechnik bekam07
11, 12 - Als Fachbuchverlag etablierte sich rasch die für populärwissenschaftliche Veröffentlichungen bekannte Franck'sche Verlagsbuchhandlung in Stuttgart. Hanns Günther (d.i. Walter de Haas) war ihr prominentester Autor.
13 - "Anleitung zum Betrieb einer kleinen Radiostation", 1923
14 - "Die Welle" Das große deutsche Radio-Magazin, ein Beispiel für viele




zoom(Mikrofon:09) - Am 10. Dezember 1923, sechs Wochen nach Sendestart, wird die „Radio-Stunde AG“ als Nachfolger der „Deutschen Stunde“ ins Leben gerufen. Mit dieser Gesellschaft, die 1924 unter dem Namen „Funk-Stunde AG“ ins Handelsregister eingetragen wird, nehmen die neun regionalen Sendegesellschaften. den Dienst auf. Bald erreicht die Funkstunde das gesamte Deutsche Reich. Von Anfang an bietet die rasch wachsende Funkindustrie empfangsbereite Geräte an, vom Detektor bis zu Luxusgeräten. Diese präsentiert sie bereits 1924 bei den ersten „Großen Funkaustellungen“ in Berlin, Frankfurt und Stuttgart. Nur wenige Begütete können sich das Angebot leisten. Zu Tausenden und Abertausenden treten die „Funkamateure“ den im ganzen Reich sprunghaft entstehenden Funkvereinen bei, um dort einen Detektor oder ein einfaches Röhrengerät zu basteln und Erfahrungen auszutauschen.



15 - Das Logo der Funkstunde Berlin wird von der Reichsrundfunkgesellschaft RRG übernommen10
16- Binnen kurzer Zeit ist das gesamte Reichsgebiet mit Sendegesellschaften abgedeckt. Nur in der besetzten Zone im Rheinland ist Rundfunk verboten
17- 1924 finden in Berlin. Stuttgart und Frankfurt bereits die ersten Großen Funkausstellungen statt. Bild: Messestand in Stuttgart der Fa. Bargfeld
18- Katalog der erste Berliner Funkausstellujg, 1924
19 - Spitzengerät bei der Berliner Ausstellung ist der Siemens "D-Zug" (v.l.n.r. Rfv2, Rfe1 und Rfv1 mit Trichterlautsprecher Rfl1)11
20 - Freilich können sich angesichts der katastrophalen Wirtschaftslage und der Hyper-Inflation nur wenige Begütete ein kommerzielles Gerät leisten. Der Detektor im Eigenbau ist das optimal Mögliche. Die Kosten der ersten Rundfunklizenzen liegen bei 60 Goldmark oder 780 Milliarden Mark. Erst die Einführung der Rentenmark entspannt die Situation




02G "Funkfreunde" kontra Obrigkeitsmacht

02G 'Funkfreunde' kontra ObrigkeitsmachtzoomDie Entwicklung gerät aus dem Ruder: Das RPM klagt; Es ist eine Bewegung entstanden, die gegen das Regal des Reiches planmäßig vorgeht; sie wird von Leuten geleitet, die am Massenabsatz von Funkgerät unmittelbar oder mittelbar interessiert sind und die erreichen wollen, daß der Funkempfang ganz allgemein zu beliebigen Zwecken freigegeben wird. (…) Es wird ganz offen dafür Propaganda gemacht; es werden ganze Funkempfangsapparate sowie auch Einzelteile angeboten; es wird gezeigt, wie man solche Einrichtungen selbst herstellen kann, und wie man sie durch die Art ihres Aufbaus verbirgt und der Überwachung entzieht. Alles dies geschieht in einer Form, gegen die gesetzlich einstweilen nur schwer und nur unter Bekämpfung jedes Einzelfalls eingeschritten werden könnte."12 Und: Die Zahl der geheimen Funkanlagen ist in steter Zunahme begriffen. Das Bestehen solcher Anlagen gefährdet ernstlich die Sicherheit des Staates und der öffentlichen Ordnung, da sie für staatsumstürzlerische Kreise die Möglichkeit bietet, sich ein umfassendes geheimes Nachrichtennetz zu schaffen, das in Fällen von Gefahr die Durchführung von Maßnahmen der verfassungsmäßigen Regierung ernstlich gefährden kann. Am 8. März 1924 erlässt der Reichspräsident eine Notverordnung zum Schutze des Funkverkehrs die den Begriff der "Telegraphenanlagen, welche ohne metallische Leitungen Nachrichten vermitteln", durch "Funkanlagen" ersetzt.13 Jetzt ist die Rechtslage klar, und die Behörden können rigoros gegen Schwarzhörer durchgreifen: Allein die fünf größten Funkereine hatten 15.000 Mitglieder; im ganzen Reich gab es aber zunächst nur 560 zahlende Teilnehmer.
Mit immer neuen Richtlinien, Einzelverfügungen und mit immer härteren Restriktionen und Kontrollbestimmungen des RPM – bis hin zu Hausdurchsuchungen bei Schwarzhörern („Zaungästen“) - versucht man, den Wildwuchs unter Kontrolle zu bringen.



Download [1.22 MB]"Ein Jahr Rundfunk" Hans Bredow in der "Funkstunde" vom 16. November 1924 [PDF , 1.22 MB]

02H Audion-Versuchserlaubnis und Funkkartell

02H Audion-Versuchserlaubnis und FunkkartellzoomZunächst werden ohne rechtliche Absicherung am 24. Oktober 1923 mit der Verfügung Nr. 815 über die Einführung eines Unterhaltungs-Rundfunks in Deutschland die Durchführungsbestimmungen erlassen,08. Bredow erkennt aber bald, dass eine Lösung nur mit den Funkverbänden erzielbar ist. Die Funkverbände erkennen, dass ihnen die Zusammenarbeit mit der Post die gewünschte Anerkennung bringt. Im Januar 1924 werden alle Radioklubs mit ausdrücklicher Billigung des RPM zum Deutschen Funk-Kartell mt vorläufigem Sitz in Hamburg zusammengefasst. Ende Januar kommt es anlässlich der Tagung des Vereins der Funkfreunde in Berlin zu einer grundlegenden Aussprache zwischen den wichtigsten Funkverbänden und dem RPM und einer Grundsatzrede Bredows (Beide hier vollinhaltlich wiedergegeben.) Am 14. Mai 1924 erfolgt mit der Verfügung Nr. 273 schließlich eine Gesamtregelung 14 Für die Geräteindustrie fällt das Monopol von Telefunken/Lorenz/Huth; „Funkfreunde“ dürfen nun auch selbstgebaute oder „ungestempelte“ (von der RTV nicht zugelassene) gekaufte Detektorempfänger ohne Empfänger mit einer besonderen Genehmigungsurkunde, der Detektor-Versuchserlaubnis benutzen. Der Eigenbau von Röhrenempfängern ist an den Nachweis der erforderlichen technischen Kenntnisse gebunden, für die eine Audion-Versuchserlaubnis ausgestellt wird. Sie wird nur den Mitgliedern postalisch anerkannter Funkvereine erteilt 15, in deren Vorstand sich Mitarbeiter der Behörde befinden müssen. Zunächst nehmen sie die Prüfung ab, später wird dieses Recht auch Funktionären im Vorstand zugebilligt. Den Vereinen bringt dies abertausende Neumitglieder; es gibt heftige Diskussionen über das Ausmaß und den Inhalt der nachzuweisenden Kenntnisse 16. Die Anmeldegebühren werden vereinfacht und herabgesetzt. Als die Praxis zeigt, dass die Überwachung der von den „Funkliebhabern“ gebauten Anlagen undurchführbar ist, wird schlußendlich – ein Jahr später – mit der umfangreichen Bekanntmachung über den Unterhaltungsrundfunk 17 das Regulativ entscheidend gelockert. Die Prüfungen und Stempelung der Geräte sowie die Vorführgenehmigungen für den Einzelhandel entfallen; Detektor- und Audionerlaubnis werden durch eine einheitliche Gebühr ersetzt, man kann seine Geräte nun nach freiem Willen bauen oder kaufen. (Die definitive gesetzliche Regelung wird erst 1928 erfolgen.18)



Download [823.4 KB]Die Vereine im Deutschen Funkkartell [PDF , 823.4 KB]
Download [13.36 MB]Protokoll der grundlegenden Besprechung am 24. Januar 1924 in Berlin [PDF , 13.36 MB]
Download [697.71 KB]Grundsatzerklärung des Staatssekretärs Bredow zur Regelung des Funkliebhaberwesens, 24. Januar 1924 [PDF , 697.71 KB]
Download [981.55 KB]Mitteilungen des Deutschen Funk-Kartells, Heft 2/1925 [PDF , 981.55 KB]

01 - Das Vorbild: Die Radiolizenz in Großbritannien
02 - Verfügung 815 vom 14.10.1923, erste Seite
03, 04 - Vorder- und Rückseite der Genehmigung für Rundfunk-Empfangsanlagen
05 - Die sogenanntge "Detektor"-Empfangsgenehmigung
06 - Die Audion-Empfangsgenehmigung
07 - Mitgliedskarte, Südwestdeutscher Radio-Klub, Stuttgart, einer der vom RPM anerlannten Vereine, denen die Abahme der Prüfung für die Audion-Genehmigung gestattet war



Download [1.38 MB]Verfügung Nr. 815 vom 14.10.19232, voller Wortlaut (NBL RPM Nr.117/24) [PDF , 1.38 MB]

Fußnoten

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Quellen- und Bildnachweis

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