Amateurfunk-Geschichte Deutschland - Vorgeschichte und Anfänge


Schnittpunkte deutscher Amateurfunkgeschichte

Projekt im Dokumentationsarchiv Funk



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"Was Gott bewirkt hat"

'Was Gott bewirkt hat'zoomEin uralter Menschheitstraum ging in Erfüllung: die Überwindung von Zeit und Raum bei der Übermittlung von Nachrichten. Die Postkutsche und das Kurierpferd waren zwar da und dort abgelöst worden von den optischen Winkapparaten des Claude Chappe (01) – im Grunde bloß Nachbildungen der auf Sichtdistanz errichteten Signaltürme der alten Römer mit ihren Feuerzeichen. (02: Römerturm Wetterau). Anlagen dieser Art gab es auch in England und Deutschland (03, 04). Es war die neue Kraft Electricität, der Wundertaten zugeschrieben wurden. Wie aber Nachrichten übermitteln auf dem Drahtweg? Ein Draht pro Buchstabe? Oder eine Kombination der Ablenkung der Magnetnadel? (05)
Es war Samuel Finley Breese Morse, der mit seiner bahnbrechenden Erfindung den Boden schuf für ein rapide wachsendes weltumspannendes Netzwerk. Am 24. März 1832 übermittelte er das erste Telegramm der Weltgeschichte, von Washington nach Baltimore, wo sein (für seine entscheidenden Beiträge viel zu wenig gewürdigte) Assistent Alfred Vail die Botschaft empfing, den leicht abgewandelten Vers 23.23 der Numeri: „Was hat Gott bewirkt?“ (06)




Samuel Finley Breese Morse

Samuel Finley Breese Morsezoom(* 27. April 1791 in Charlestown, Massachusetts; † 2. April 1872 in New York) Ältester Sohn eines calvinistischen Geistlichen und Geographen. Ausbildung an der Phillips Academy in Andover, Massachusetts, und dem College von Yale. Reise nach England, Ende 1811 Aufnahme als Maler in die Royal Academy. 1815 Rückkehr nach Amerika, wo er sich kümmerlich mit Porträtaufträgen durchschlägt. Professor für Kunstrgeschichte an der Universität New York. 1829 zweite Europareise (England, Frankreich, Italien). Auf der Rückreise im Herbst 1832 auf der SS Sully von Le Havre nach New York kommt ihm der Gedanke, Elektrizität zum Signalisieren zu verwenden. 1837 baut er den ersten Morseapparat. Ein Gericht entschied 1853, dass alle amerikanischen Firmen, welche die Telegraphie nutzen, an Morse Lizenzgebühren bezahlen müssen. – Ausführlich: secure linkext. Link - Morse im Kunstmuseum Funk: Sonderschau - Der Maler Samuel F.B. Morse - Morse-QSL-Karten Samuel Finley Breese Morse




zoomDer drahtgebundenen Telegrafie wäre ein weitaus bescheideneres Schicksal beschieden gewesen, hätte nicht zeitgleich auch die Dampfmaschine auf Rädern, die Eisenbahn, ihr interkontinentales Netz gespannt, von Stadt zu Stadt, selbst Wüsten und Meere überbrückend. (Und nebstbei mussten ein verbindlicher Nullmeridian und eine einheitliche Weltzeit beschlossen werden.) Dank Milliardeninvestitionen waren Produktion, Distribution, Kommunikation und Konsumation eine gewaltige Allianz eingegangen. Die Weltkarte von 1901 zeigt, dass innerhalb eines halben Jahrhunderts die ganze Welt erschlossen war. Der Staat hatte sich das Konzessionsmonopol verschafft, PTT, Handel, Wirtschaft und das Militär teilten sich in die Nutzanwendungen. (Fotos: 1, 3, 4 Creative Common, 2 technikum29 Computer Museum)




Maxwell, Hertz, Braun: Die Grundlagen der elektromagnetischen Wellen werden erforscht

Maxwell, Hertz, Braun: Die Grundlagen der elektromagnetischen Wellen werden...zoomDem schottischen Physiker James Clerk Maxwell 1831-1979 (01)gelingt die Ausarbeitung und mathematische Formulierung von früheren Forschungen über Elektrizität und Magnetismus durch Michael Faraday, André-Marie Ampère und anderen in einem System miteinander verknüpfter Differentialgleichungen. Die Maxwell-Gleichungen untermauern die seit Beginn des 19. Jahrhunderts verbreitete Hypothese der Identität der Elektrizität und des Magnetismus durch ein plausibles mathematisches Modell. Sie sind eine der wichtigsten Leistungen der Physik und Mathematik des 19. Jahrhunderts. Zusammen beschreiben sie das Verhalten sowohl von elektrischen als auch magnetischen Feldern, sowie ihre Wechselwirkung mit Materie. Darüber hinaus sagte Maxwell Wellen von schwingenden elektrischen und magnetischen Feldern voraus, die sich durch den leeren Raum bewegen. Maxwells Wellentheorie wurde später durch die Experimente von Heinrich Hertz bestätigt und bildet die Grundlage der gesamten Funktechnik.
Dem deutsche Physiker Heinrich Hertz (1857-1894) (02) gelingt 1886 der Nachweis der Existenz elektromagnetischer Wellen, und er zeigt, dass sie sich wie Licht ausbreiten. Bei seinen Experimenten überspringt Strom eine winzige Strecke zwischen zwei Metallkugeln, die die Enden eines kreisförmigen offenen Metallbügels bilden. Heinrich Hertz zeigt, dass ein Sender elektromagnetische Energie abstrahlen und ein Empfänger, also eine Antenne, diese Energie aufnehmen kann, ohne dass beide durch Kabel oder Drähte miteinander verbunden sind (Abb: Resonator und Detektor). Am Neujahrstag 1894 stirbt Heinrich Hertz mit 36 Jahren an Blutvergiftung.
Hertz ist der Begründer der Funktechnik, die das 20. Jahrhundert entscheidend prägt. Guglielmo Marconi entwickelt intuitiv und mit empirischen Untersuchungen mit praktischen Experimenten zu Hertz’s Überlegungen den ersten Knallfunkensender.
Karl Ferdinand Braun (1850-1918) (04) wirkt in besonderem Maße daran mit, die von Heinrich Hertz 1888 experimentell nachgewiesene elektromagnetische Strahlung nachrichtentechnisch nutzbar zu machen. Bekanntheit verdankt Braun bis heute seiner 1897 entwickelten Kathodenstrahlröhre, nach ihm auch oft Braunsche Röhre genannt. Mit Erfindung seiner Röhre beginnt Braun auch auf dem Gebiet der drahtlosen Telegrafie zu forschen. So ersetzt er den Kohärer-Empfänger durch den Kristalldetektor. Nach Erreichen der Funkverständigung über eine größere Entfernung wird zur Nutzung der Patente die Professor Braun’s Telegraphie Gesellschaft GmbH gegründet, aus der später die Telefunken AG hervorgeht. Auch sendeseitig verhilft Braun der Funktechnik zu gewaltigen Fortschritten: Waren Schwing- und Antennenkreis ursprünglich eins, so trennt Braun diese beiden Teile. Nun gibt es einen Primärkreis, bestehend aus Kondensator und Funkenstrecke, und einen daran induktiv gekoppelten Antennenkreis, wodurch sich damit die ausgesendete Energie in diesem System steigern lässt. Am 24. September 1900 gelingt eine Funkbrücke zwischen Cuxhaven und Helgoland über eine Entfernung von 62 km. 1909 erhält Braun gemeinsam mit Marconi den Nobelpreis für Physik. Bei einer Reise in die USA vom Ausbruch des Weltkriegs überrascht, wird er interniert und stirbt, verarmt und einsam 1918.




Guglielmo Marconi

Guglielmo MarconizoomGuglielmo Giovanni Maria Marconi, seit 1924 als faschistischer Politiker 1. Marchese von Marconi, * 25. April 1874, Bologna; † 20. Juli 1937, Rom. Italienischer Radiopionier und Unternehmensgründer. Ab 1895 angeregt von den theoretischen Arbeiten von Heinrich Hertz erste praktische Experimente mit elektromagnetischen Wellen („Hertzschen Wellen“) und dem Bau von Knallfunkensendern am Familiensitz in der Villa Griffone in Bologna (Abb 01). 1896 erster Patentantrag in London als angeblicher Erfinder der drahtlosen Nachrichtenübertragung. (Andere hatten wesentliche Beiträge geleistet, aber nicht patentrechtlich abgesichert.) 1897 Übertragungen über bis zu 15km und Gründung der Wireless Telegraph and Signal Co. später umbenannt in Marconi’s Wireless Telegraph Co. Ltd. In Folgejahren mehrere Versuchssendeanlagen, wobei die Reichweite laufend verbessert wurde, und erste Anlagen auf Schiffen. Am 12. Dezember 1901 die erste, allerdings unbestätigte, (und unwahrscheinliche) transatlantische Verbindung zwischen Poldhu in Cornwall und St. John’s, Newfoundland.(Abb.04, 05) Ab Ende 1903 täglich Funktelegramme zwischen Glace Bay in Nova Scotia und Poldhu über eine Distanz von 3840 km. Seit 1907 in Clifden, Irland, ein drahtloser transatlantischer Telegrafendienst für die Öffentlichkeit. Es gelingt Marconi, in den Anfangstagen des Seefunkverkehrs fast ein Weltmonopol zu errichten. Gegenspieler sind vor allem deutsche Entwicklungen durch Ferdinand Braun bei Siemens & Halske und Adolf Slaby bei der AEG; ab 1903 auch Telefunken sowie die 1911 gegründete DEBEG.
Erhält 1909 für seine praktischen Arbeiten im Bereich der Funktelegrafie gemeinsam mit Ferdinand Braun, der die theoretischen Grundlagen dazu erarbeitete, den Nobelpreis für Physik. Später beschäftigt er sich mit der Anwendung von Kurz- und Mikrowellen. Errichtet Für Papst Pius XI. Radio Vatikan das am 21. September 1930 den Betrieb aufnimmt. Die Geburt von Radio Vatikan. Am 19. Juli 1937 erleidet Marconi in Rom einen Schlaganfall, dem er am Folgetag erliegt. Auf der ganzen Welt herrschen zum Gedenken zwei Minuten Funkstille. – Marconis Biografie ist im Internet ausreichend dokumentiert, z.B. hier: secure linkext. Link




Vom Wireless Blue Book 1909 zur Gründung der American Radio Relay League - ARRL, 1914

Vom Wireless Blue Book 1909 zur Gründung der American Radio Relay League - ARRL,...zoomDie neue Technik fasziniert Tausende in vielen Ländern, vor allem aber in den USA. (Im deutschen Kaiserreich ist der zahllosen Einschränkungen wegen an eine solche Entwicklung nicht zu denken.) In rascher Folge erscheinen Magazine mit Bauvorschlägen und Erfahrungsberichten. Hugo Gernsback ist der erfolgreichste Publizist und verlegt zunächst den Electrical Experimenter, anschließend, 1908-1914 Modern Electrics. Im Mai 1909 erscheint die erste Rufzeichenliste, das legendäre Wireless Blue Book der Wireless Association of America. Es listet 89 Rufzeichen der Telegraphenstationen der USA und Kanadas auf, sowie der Handels-, Kriegs- und Zollschiffe der USA, aber auch die damals tätigen Amateurfunkstationen (Abbildung: Seite 1, Ausschnitt). Die zweite Ausgabe vom 1. Juni 1910 verzeichnet bereits 480 Stationen.
Am 13. November 1912 vergibt die US-Regierung erstmals Amateurfunk-Lizenzen für 150-200m, und das erste Callbook der US-Regierung enthält 1.400 Rufzeichen. Überall entstehen Radiovereine, so etwa der Radio Club of America oder die Wireless Association Chicago. Einer davon ist der Radio Club of Hartford in Connecticut, dem Hiram Percy Maxim als Mitglied angehört. Ihn fasziniert die Organisation von Funklinien der Central Radio Association, („From the Rockies to the Ohio“) : Da selbst die stärksten Anlagen kaum mehr als einen Radius von tausend Meilen erreichen, werden Meldungen im Stafettenprinzip von Station zu Station weitergegeben. Maxim beruft im April 1914 eine Versammlung ein, präsentiert sein Konzept – und unmittelbar darauf wird die Americal Radio Relay League - ARRL gegründet.



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Hiram Percy Maxim

Hiram Percy MaximzoomHiram Percy Maxim * 2. September 1869, Brooklyn, New York; † 17. Februar 1936 La Junta, Colorado. Sohn von Hiram Maxim, dem Erfinder des Maschinengewehrs. Entwickelt die Columbia Gasoline Carriage, eines der ersten benzingetriebenen Automobile. Die Erforschung eines Schalldämpfers für den Auspuff führt zum "Maxim Silencer", einem Schalldämpfer für Feuerwaffen, seinem größten wirtschaftlichen Erfolg. Leidenschaftlicher Flieger und Begründer der Amateurfunkorganisation American Radio Relay League. - Maxim-Video der ARRL: secure linkext. Link




Die Kommerzialisierung der drahtlosen Telegrafie

Die Kommerzialisierung der drahtlosen TelegrafiezoomMarconi selbst erkennt als einer der ersten die wirtschaftlichen Möglichkeiten einer Nutzung der drahtlosen Telegrafie und wird zu deren genialen Vermarkter. Als sich zunächst weder Italien noch Großbbritannien für seine Angebote interessieren, gründet er in rascher Folge seine eigenen Firmen - 1900 in London die Wireless Telegraph und Signal Company und 1901 – als Marconi zunehmend unter dem Boykott mancher Telegrafengesellschaften leidet, die seine Telegramme nicht von der Bodenstation an die Empfänger weiterleitet - Marconi’s Wireless Telegraph Company Ltd. Sie betreibt mit eigenständig an Bord großer Schiffe von „Marconistas“ betriebene Funkstationen, die Telegramme der betuchten Passagiere weiterleiten. Zur Sicherung der Verbindungen nicht nur von Schiff zu Schiff sichert sich Marconi die Konzessionen für Küstenfunkstellen entlang der Hauptschiffahrtsrouten. Wenn er schon nicht die weltweite Ausbreitung von Funklinien verhindern kann, strebt er doch eine Monopolstellung zumindest auf See an und und verbietet seinen Telegrafisten Funkverkehr mit der Konkurrenz – de facto mit Schiffen, die mit Telefunken-Stationen ausgestattet sind.
Die ersten regelmäßigen Aussendungen von Zeit- und Wettersignal beginnen 1905 durch das US Naval Observatory (Washington DC) über den Sender Arlington mit Funkensender auf 2500m. Es folgt 1910 der Sender Eiffelturm auf etwa der gleichen Welle (2500 oder 2600m. 1913 wird mit internationaler Vereinbarung ein weltweites System eingeführt, mit Paris, San Fernando (Brasilien), Arlington, Manila, Mogadischu, Timbuktu, Deutschland (Norddeich), Massauah (Eritrea) und San Francisco secure linkext. Link
01 - Poldhu / 02 - Cape Cod / 03 - Funkanlage der Olympic, Schwesternschiff der Titanic - 04 - Antennenanlag / 05 - Marconi Wireless Telegraphic Works / 06 Eiffelturmsender




Die rechtlichen Grundlagen

Die rechtlichen GrundlagenzoomDie Verfügungsgewalt über das neue Nachrichtenmittel liegt in Deutschland, wie in den meisten europäischen Ländern, von Anfang an in der Hand des Staates. Rechtsgrundlage bildet dabei die in Artikel 48 der Reichsverfassung von 1871 begründete Fernmeldehoheit des Reiches, die durch das Gesetz über das Telegraphenwesen vom 6. April 1892 festgeschrieben wird, dessen §1 bestimmt:
"Das Recht, Telegraphenanlagen für die Vermittlung von Nachrichten zu errichten und zu betreiben, steht ausschließlich dem Reich zu. Unter Telegraphenanlagen sind die Fernsprechanlagen mitbegriffen."
Um sich auch die Wahrung künftiger Entwicklungen zu sichern, mit denen durchaus gerechnet wurde, wird eine bewusst vage gehaltene Formulierung gewählt, die jede Nachrichtenübermittlung einschließt, die nicht durch einen körperlichen Transport von Ort zu Ort erfolgt. Dass der Begriff der Telegraphenanlage umfassend zu verstehen und nicht auf die gegenwärtigen Mittel der elektrischen Nachrichtenmttel zu beschränken sei, wird ausdrücklich bekräftigt durch die sogenannte Telefunkennovelle, das Gesetz betreffend die Abänderung des Gesetzes über das Telegraphenwesen des Deutschen Reiches vom 7. März 1908, dessen §3 lautet:
"Elektrische Telegraphenanlagen, welche ohne metallische Leitungen Nachrichten übermitteln, dürfen nur mit Genehmigung des Reiches errichtet oder betrieben werden."



Die Entwicklung in Deutschland: Arco und Slaby, Siemens, AEG, Telefunken

Die Entwicklung in Deutschland: Arco und Slaby, Siemens, AEG, TelefunkenzoomGeorg Wilhelm Alexander Hans Graf von Arco (03) (*30. August 1869, † 5. Mai 1940 ) , als Technischer Direktor bei Telefunken und dort bis 1931 für den wissenschaftlich-technischen Bereich zuständig. Federführend bei der Entwicklung leistungsstarker Sendeanlagen, gemeinsam mit seinem Lehrer Adolf Slaby maßgeblich an der Erforschung und Entwicklung der Hochfrequenztechnik in Deutschland beteiligt. Sein größtes Verdienst ist der Ausbau der 1906 von Telefunken errichteten Großfunkstelle Nauen 1909 mit dem von Max Wien entwickelten Löschfunkensender und 1912 mit einem Hochfrequenz-Maschinensender, womit weltweiter Funkverkehr (auch mit den afrikanischen Kolonien!) gesichert war. secure linkext. Link
Adolf Karl Heinrich Slaby(04) (* 18. April 1849, 6. April 1913) 1886 erster Ordinarius für Elektrotechnik an der Königlich Technischen Hochschule Charlottenburg. Nimmt 1897 als einziger Ausländer an Marconis Versuchen am englischen Bristolkanal teil, erkennt die Bedeutung der Erfindung und experimentiert in Berlin zu den physikalischen und technischen Grundlagen. Erste Funkverbindungen von Schöneberg nach Rangsdorf über 21km, über 60 Kilometer von Berlin nach Jüterbog. Entscheidende Verbesserung: die Funkenstrecke liegt nicht in der Sendeantenne (wie bei Marconi), sondern in einem mit dem Antennenkreis induktiv gekoppelten Kreis. secure linkext. Link
Um die Jahrhundertwende unterhalten die beiden führenden Elektrokonzerne des Deutschen Reiches jeweils eigene Labors für die Erforschung der Funken-Telegrafie zur drahtlosen Nachrichtenübermittlung. Die eine Gruppe um Adolf Slaby und Georg Graf von Arco entwickelt bei der AEG für die Kaiserliche Marine. (Der Berliner Unternehmer Emil Rathenau (1838-1915) erkannte frühzeitig die Zukunftschancen der Elektrotechnik, erwirbt 1881 die Lizenz auf die Edison-Patente und gründet 1883 die Deutsche Edison-Gesellschaft für angewandte Elektrizität, aus der 1887 die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) hervorgeht. (Abb. 01) AEG ist maßgeblich an der weltweiten „Elektrifizierung“ beteiligt, liefert vom Kraftwerk bis zu Glühlampe alles, was zur Erzeugung, Verteilung und Anwendung des elektrischen Stroms notwendig ist und wird bald eines der größten deutschen Wirtschaftsunternehmen.) Die andere Gruppe unter Karl Ferdinand Braun forscht bei Siemens & Halske (Abb. 02)vorwiegend für das Deutsche Heer. Als die beiden Großkonzerne beginnen, sich um die Patente zu streiten, greift Kaiser Wilhelm II. persönlich ein, dem der Ausbau der Marine ein Herzensanliegen ist („Deutschlands Zukunft liegt auf dem Wasser“) . Auf sein Drängen gründen am 27. Mai 1903 in Berlin Siemens & Halske und die AEG als Gemeinschaftsunternehmen zu gleichen Teilen die Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m.b.H., System Telefunken secure linkext. Link - Abb. 03: Bundesarchiv, Bild 102-12242 / CC-BY-SA 3.0, gemeinfrei /wiki/Telefunken, um für die zivile Schifffahrt, das Militär und die interkontinentale Nachrichtenübermittlung Funk- und Empfangsanlagen zu entwickeln und zu vermarkten. Ebenfalls 1903 beruft die deutsche Regierung eine Internationale Konferenz zur Regelung von Fragen der drahtlosen Telegrafie nach Berlin ein. Bei der zweiten Funkkonferenz, 1906 ebenfalls in Berlin, wird ein erster internationaler Funktelegrafenvertrag beschlossen, der 1908 in Kraft tritt und gleiches Recht für alle sichern soll. Abb. 04: Weltrundschau zu Reclams Universum 1902
Für den Seefunkverkehr gründen 1911 Siemens, AEG und Telefunken zusammen mit der Brüsseler Marconi-Tochter Compagnie de Télégraphie sans Fil die Deutsche Betriebsgesellschaft für drahtlose Telegraphie m.b.H. (DEBEG), die weltweit die Funkstationen der vier beteiligten Unternehmen nutzen können. Nun ist auch Marconi in das weltweite Netz eingebunden. Der Untergang der Titanic im Jahr 1912 bietet den tragischen Anlass, weitere weltweite Vereinbarungen zu treffen: Auf der “Internationalen Konferenz zum Schutz des menschlichen Lebens auf See“ in London werden 1913 die Ausrüstungspflicht mit Funkanlagen für alle Fahrgastschiffe und Handelsschiffe größer als 1600 BRT, die Besetzung mit einem geprüften Funker und die die Not- und Anruffrequenz 600 Meter/500 kHz festgelegt.




Die große Zäsur: 1914-1918, der erste Weltkrieg

Die große Zäsur: 1914-1918, der erste WeltkriegzoomAlle Einrichtungen der drahtlosen Telegrafie im zivilen Bereicherden werden im Deutschen Reich am 1. August 1914 dem Reichspostamt entzogen. Die Ausübung dieses Hoheitsrechtes obliegt nun ausschließlich dem Kriegsministerium. Die Weiterentwicklung neuer Funktechnik geschieht nur noch unter dem Blickwinkel militärischer Zielstellungen. Kommandos der Kriegsmarine übernehmen die Leitung der Küstenfunkstellen. Der zivile Seefunkverkehr wird eingestellt. Ab September 1914 nutzt die Kriegsmarine die Sende- Empfangsanlagen von Norddeich Radio für die Übermittlung verschlüsselter Telegramme. 1916 übernimmt diese Aufgaben die Heeresfunkstelle Königswusterhausen bei Berlin. Nach der Kapitulation Deutschlands nehmen beide Funkstellen mit Verfügung des Reichspostministeriums vom 12. April 1919 ihren Betrieb wieder auf. linkext. Link – Privater Funkverkehr, sofern bisher überhaupt gestattet, wird in allen Staaten untersagt, in den USA mit Kriegseintritt 1917. (Foto: Bundesarchiv CH-BAR-3238837, gemeinfrei)



Die drahtlose Telegrafie erreicht das private Heim - Dargatz, Slawyk, Klotz u.a.

Es mangelt nicht an populärwissenschaftlichen Werken und Fachzeitschriften. Natürlich bieten sie vorwiegend jungen, studentischen Interessenten Anreiz für eigene Experimente. Die Quellenlage ist dürftig; der Korrespondenz Dargatz, aus der Körner (S14ff) zitiert, sind immerhin Erinnerungen späterer Pioniere zu entnehmen: Der Schüler Richard Dargatz (01) wagte im Juni 1919 allen Ernstes, beim Kaiserlichen Telegraphen-Bauamt Berlin-Charlottenburg um die Genehmigung für eine Privatfunkanlage anzusuchen und holte sich prompt eine Abfuhr: (02) - Nicht zuletzt um einander bei den Schularbeiten zu helfen, machten die jungen Leute weiter, Richard Dargatz als RITZ, Werner Slawyk als WYKE (03), Überholz und Schubert (Details unbekannt) als TÜ und SBT. Sie führten ihre Versuche fort, lernten Slaby, Nesper und Leithäuser kennen - über diese beiden später -, und bildeten gemeinsam mit anderen Einzelgängern wie Viktor Gramich (05), Ludwig Freiherr von Türkheim-Geislern (K4UAJ, EK4UO, EK4UQJ, D4UQ, D4UAJ, D3CRP, DE0001 u.a.), Otto Papp (KW1, K4UAC, EK4UAC, D4UAC, D4QZU, D4FP, D4QZP, D3CRT, DE0002 u.a.) und Otto Anton Klotz (07) den Nukleus des späteren Deutschen Sendedienstes - DSD. - In Rottenburg am Neckar baute Rudolf Horkheimer (09) mehrere Anlagen, wurde ertappt und zu einer "Geldstrafe von 3 Millionen Mark und falls diese Geldstrafe nicht beigetrieben werden kann, eine(r) Gefängnisstrafe von je 1 Tag für je 100.000 Mark" verdonnert.




01 - Richard Dargatz, später DE373/K, ab 1949 DL1XA
02 - "Meldung" Strafbefehl gegen Richard Dargatz vom 26.06.1919: Hierdurch wird Ihnen mitgeteilt, daß die von Ihnen nachgesuchte Genehmigung Ihrer Privatfunkanlage auf Grund der Verfügung des R.P.A. St. SII G 655 30.11.13 nicht erteilt werden kann. Sie werden ersucht, die Anlage unverzüglich zu beseitigen, widrigenfalls Sie auf die Folgen des Verstoßes gegen die gesetzlichen Bestimmungen aufmerksam gemacht werden. Dienstag, den 1. Juli 1919 wird von hier aus Nachprüfung erfolgen."
03 - Werner Slawyk, später D4XVXW, D4BUF, D4RRC, D4CR, D4WX, DE1156/F, zuletzt DL1XF
04 - Der Doppeldetektor von Dargatz/Slawyk, 1919 - zur Sicherheit versteckt auf dem WC
05 - Viktor Gramich, später KW3, 4UH, EK4UH, EK4UAH, K4UAH, DE115/P - †1934
06 - Station von Viktir Gramichh, KW3. Erstes deutsches WAC (später auch WAC auf 20 und 40)
07 - Otto Anton Klotz, später UHU, K2DO, KK7, UHU, BIANKA, 4ABG, ,K4ABG, EK4ABG, D4BAO, D4AOO, D4UVO, DE550/N u.a.
08 - Station von Otto Anton Klotz, 1924
09 - Rudolf Horkheimer, später KY8, KYAE, 1938 CP6XF, ab 1950 DK5GA
10 - Station von Wilhelm Ludo Schmitz, MARS, 1926
11 - Treffen der ersten Funkamateure, Pfingsten 1926 bei Wilhelm Ludo Schmitz (MARS) in Mühlheim/Ruhr. v.l.n.r. Ernst Franzen, Hannover; Wilhelm Döring, Karlsruhe; Rolf Wigand, Berlin; Wilhelm Roth, Berlin; Viktor Gramich, Murnau; Wilhelm Ludo Schmitz, Mühlheim; Huppertsberg, Essen; Rudolf Horkheimer, Rottenburg; Kurt Lamm, Berlin; Friedrich Bühring, Steinhude
12 - QSL-Karte UHU, 1927
13 - QSL-Karte MARS, 1927
Strafbefehl an Rudolf Horkheimer vom 24. August 1923: "Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wird gegen den am 14.2.1894 in Rottenburg geb. u. daselbst wohnhaften ledigen stud.rer.electr. Rudolf Horlheimer wegen der Beschuldigung, er habe vorsätzlich entgegen den Bestimmungen des Gesetzes über das Telegraphenwesen des Deutschen Reiches vom 6. April 1892 eine ... Anlage für drahtlose Telegrafie errichtet und in der Zeit vom Jahre 1921 bis 13. Mai 1923 auch zum Abhören von Funksprüchen u.A. betrieben, ... wofür als Beweismittel bezeichnet sind: Geständnis und Sachverständ. Gutachten des Telegrafendirektors Streich in Stuttgart ... gez. Amtsrichter Fischer"
(Alle Abb. aus Körner, S13 ff / Nachlass Körner; 11/12: DokuFunk)



Download [364.54 KB]Strafbefehl gegen Max Horkheimer [PDF , 364.54 KB]

USA: Erste "Experimental Stations" machen "Broadcasting"

USA: Erste 'Experimental Stations' machen 'Broadcasting'zoomDer Radio Act 1912, ein US-amerikanisches Bundesgesetz, wird nach dem Untergang der RMS Titanic erlassen, führt die Konzessionspflicht für Funkstationen ein, regelt den Notverkehr im Seefunk und beschränktden Amateurfunkdienst auf Wellenlängen kürzer als 200 Meter; der Bereich wird als weniger nützlich angesehen. - Wortlaut: linkext. Link - Das Gesetz ist gültig bis 1927 und betrifft daher auch die frühen Radiostationen.
Über die Frage nach „der“ ersten Rundfunkstation ließe sich trefflich streiten. Hier ist eine Auswahl der frühen Entwicklung. 1916 sendet 9YV von der Kansas State University in Manhattan als erste US-Station mit einen täglichen regulären Sendeplan den Wetterbericht in Morse
1917Lee De Forest nimmt seine im Krieg unterbrochenen Experimente wieder auf. 2XG sendet aus der Bronx an fünf Wochentagen Konzertprogramme
Am 28. Oktober feiert die Tschechoslowakeit den 1. Jahrestag ihres Bestehend mit einem Wort- und Musikprogramm vom Petřín-Turm in Prag
1918 8XK in Pittsburgh (Foto), Vorläufer von KDKA. 8ZAE, ebenfalls Pittsburgh. 1XE Tuft University, Mass.
Die Marconi Company betreibt in Montreal die erste kanadische Station, XWA (Später CFCF)
1920 8MK Detroit. WBT Charlotte. Bis 1920 waren nur „Experimentalsender“ tätig. KDKA Pittsburgh gilt als erste kommerzielle Radiostation mit Vollprogramm, knapp gefolgt von der Westinghouse Electric Corporation mit WBZ in Springfield, Mass., WJZ in Newark, NJ, und KYW in Chicago
1922 England: Die BBC beginnt mit 2LO London, 5IT Birmingham und 2ZY Manchester. Die Lizenz folgt erst 1923. - Frankreich: Radiola





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