08 - 1928-1929


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SPOT - Neue Satzung, neue Ordnung



08A Der DASD nimmt die Arbeit auf

Otto Fulda (Biografie: Fulda, Otto), "Leiter des DASD", um ihn vom Präsidenten abzugrenzen, das ist nach wie vor Esau, Abraham, EK4AAL, ist ein erst vor kurzem pensionierter Generalmajor der Wehrmacht. Er hatte bisher nie mit Amateurfunk zu tun. Der DFTV hat ihn als Repräsentanten vorgeschlagen und durchgesetzt. Der DFTV prägt zunächst überhaupt maßgeblich die Geschicke des jungen DASD. Er stellt die Infrastruktur und die administrativen Voraussetzungen bei, er empfindet sich als eigentliches Sprachrohr gegenüber den Behörden. Amateurfunk fällt in die Kompetenz des außenpolitischen Ausschusses. Auch die Klubzeitschrift CQ erscheint unter dem Emblem des DFTV und wird von diesem finanziert. Herausgeber sind Rolf Wigand und Dr. Wilhelm Titius EK4ADF.01
In der ersten Ausgabe des Kluborgans verkündet Otto Fulda, der sich durchaus in seiner neuen Funktion einzurichten weiß: „Die deutsche Funkerei ... hat in der Kurzwellenfunkerei einen neuen Spross getrieben, dem vornehmlich die Funkfreunde zum Licht geholfen haben. Noch wissen wir nicht, wie breit er dereinst seine Zweige entfalten, wie viele Früchte er tragen, welche Fortschritte er der Kultur bringen wird: gerade darum ist es eine besonders reizvolle Aufgabe, mitzuarbeiten an seiner Pflege, ihn wachsen zu sehen und seine Ergebnisse nutzbar zu machen für Wissenschaft, Technik und Sport.“02
Fulda entwirft auch eine Satzung für den DASD. Sie erscheint unter dem Titel "Bestimmungen" in der Novemberausgabe 1927 der CQ und enthält als wesentlichsten Punkt: Der DASD wird dem DFTV angeschlossen und ist nicht rechtskräftig.




08B 1. Januar 1928: Neuregelung der QSL-Vermittlung

Wie in Kassel beschlossen, wird die QSL-Vermittlung mit Jahresbeginn 1928 nach Berlin verlegt in die Räumlichkeiten des DASD beim DFTV in der Blumenthalstraße 19. Grundlage ist die dank des Mitgliederzuwachses mögliche Gliederung des Reichsgebietes in 13 Landesgruppen (LG) mit Landesgruppenleitern (LGL), die entweder selbst Hauptverkehrsleiter (HVL) sind oder solche ernennen. Für größere Landesgruppen sind bereits Gruppenleiter/Gruppenverkehrsleiter (GL/GVL) vorgesehen. Formell beschlossen wird diese Struktur bei der 4. Kurzwellentagung des DASD in Dresden im Mai 1928.


LG 1 Ostpreussen LGL Herbert Schulz, Königsberg, DE 0345, (EK)4EY
LG 2 Brandenburg einschl. Pommern und Grenzmark LGL Erhard Graff, Berlin, DE0473, EK4CC
LG 3 Mecklenburg einschl. Schleswig-Holstein und Hamburg LGL Richard Wohlstadt, Hamburg, DE 0153, EK4AEO
LG 4 Hannover einschl. Oldenburg LGL Ernst Franzen, Hannover, DE 0034, EK4ABW (später D4BIK)
LG 5 Rheinland-Westfalen LGL Frhr. Georg von Allizar, Barmen, DE 0655, EK4RA
LG 6 Hessen-Nassau einschl. Pfalz LGL Ferdinand Bödigheimer, Frankfurt/Main, DE 0069, EK4AB(R)
LG 7 Saargebiet, korporativ angeschlossen LGL Julius Kron, Saarbrücken, DE 0181, (E)K4SAR
LG 8 Baden LGL Otto Anton Klotz, Heidelberg, DE 0550, EK4ABG
LG 9 Württemberg LGL Eberhard Hundt, Stuttgart, DE 0273, EK4XU
LG 10 Bayern LGL Viktor Gramich, München, DE 0115, EK4U(A)H
LG 11 Sachsen-Thüringen LGL Kurt Illing, Leipzig, DE 0195, EK4HL
LG 12 Mitteldeutschland (Provinz Sachsen) LGL Max Drechsler, Halle/Saale, DE 0049, EK4AB(I)
LG 13 Schlesien LGL Erich Rachner, Breslau, DE 0639, EK4GW (EK4ABV)


08C 1926-1929: Aus K wird K4, aus K4 wird EK4, aus EK4 wird D

08C 1926-1929:  Aus K wird K4, aus K4 wird EK4, aus EK4 wird DzoomUm dem Durcheinander der Landeskenner ein Ende zu machen, führt die IARU am 1. März 1927 ein einheitliches System ein, das sich rasch durchsetzt. Europa erhält den Kontinentalkenner E. Ab 1 Februar 1927 wird gemäß IARU-Empfehlung E als Erdteilkenner für Europa davorgesetzt. DRP-Genehmigungen haben einen dreistelligen, illegale DASD-Rufzeichen einen zweistelligen Suffix. Die endgültige Regelung erfolgt nach der Internationalen Funkkonferenz von Washington. Rufzeichenschlüssel



Oktober/November 1927: Die Weltnachrichtenkonferenz von Washington
An der Internationalen Weltfunkkonferenz nehmen 400 Vertreter aus 76 Staaten teil und schließen am 25. November 1927 den Dritten Weltfunkvertrag (Weltnachrichtenvertrag) zwischen 76 Regierungen und 65 Gesellschaften ab. Der Vertrag verpflichtet in Artikel 10 die Vertragsländer, dafür zu sorgen, dass öffentliche und private Sendestationen nach dem erfahrungsmäßig besten Verfahren eingerichtet und betrieben werden; und zwar so, dass sie den radioelektronischen Verkehr oder Dienst der übrigen Vertragsstaaten nicht stören. Der Vertrag beinhaltet Vereinbarungen über die Frequenzvergabe. Die Washingtoner Beschlüsse machen für Europa eine Revision des Genfer Frequenzplans von 1925 erforderlich. Dem Rundfunk stehen ein Langwellenbereich von 160 bis 228 kHz und ein Mittelwellenbereich von 675 bis 1500 kHz zur Verfügung. Im Kurzwellenbereich, der zu Beginn der 1920er Jahre von Amateuren erschlossen worden war, erhält der Rundfunk sechs Bänder bei 49, 31, 25, 19, 17, und 14 m Wellenlänge. Den Funkamateuren werden alle Frequenzbänder unter 200m Wellenlänge zugewiesen. - Die Bestimmungen treten im Mai 1929 in Kraft. Deutschland verwendet nun den Landeskenner D




08D Kurzwellentagung 1928, Dresden, 27.-29. Mai

Knapp ein halbes Jahr nach der Gründungsversammlung trifft man einander erneut, um der Entwicklung der letzten Monate Rechnung zu tragen. Ausgerichtet wird die Tagung vom Funkverein Dresden unter Leitung des GVL Rheinland/Westfalen, Dr. WIlhelm Schmitz, EK4ACI. Im Vorfeld und bei der Einladung Abbb. 01 wird deutlich, dass man bemüht ist, Nicht-Funker von der Mitgliedschaft auszuschließen; man habe "nur Interesse an wirklich tätigen DEs" und bittet andererseits die aktiven Funker "um recht baldige Nachricht" ob man den Angesprochenen "Auch unter den obigen Bedingen zu unseren Mitgliedern zählen darf." 02
Gleich zu Beginn erklärt Abraham Esau,EK4AAL,er sehe sich aufgrund seiner zahlreichen Verpflichtungen nicht mehr in der Lage, das Amt eines Präsidenten auszuüben. Damit endet die peinliche Doppelspitze eines "Präsidenten" und eines "Leiters", und Fulda wird in seiner Funktion bestätigt.
Der Arbeitsbericht Fuldas wird mit heftigem Unmut quittiert: "Beherrschende Hauptfrage war ... naturgemäß ... die Neuregelung der Sendegenehmigung durch die Post. Da die Arbeit daran leider zur Zeit durch den Regierungswechsel zum Stillstand gekommen ist, mussten die Erwartungen und Hoffnungen der Versammlung auf den Spätsommer vertagt werden." 03 (Die Aussage ist insofern schwer nachvollziehbar, als das Kabinett Wilhelm Marx IV unverändert von Januar 197 bis zum Juni 1928 in den relevanten Positionen besetzt war mit Georg Schätzel als Postminister, Walthervon Keudell als Innen- und Wilhelm Groener als Reichswehrminister)
Der Unwillen der Teilnehmer macht sich lautstark Luft, als Curt Lamm, EK4AFA, in seinem Referat berichtet, dass es in bereits 17 europäischen Ländern Lizenzen gibt (Ebgland 2.500, Frankreich 350, Belgien 85 usw.) Auch werden erstmals klare Differenzen mit der Leitung des DFTV ersichtlich, dem der DASD offenbar mit den vielen autonomen Aktivitäten und dem starken Zusammenhalt unheimlich zu werden beginnt. Einen Antrag auf Finanzierung eines Delegierten zur Wellenkonferenz in Washington hatte der DFTV abgelehnt, Jetzt wird Curt Lamm beauftragt, anlässlich einer Dienstreise in die USA die Interessen des DASD gegenüber der ARRL wahrzunehmen - und zur Sicherheit ernennt man Kenneth B. Warner, 9JT, W1EH, Redakteur der QST und Delegierter zur Konferenz, zum Ehrenmitgled, gemeinsam mit anderen Funktionären, an erster Stelle Leopold Stockmayer "als Vater des DASD", ein klarer Affront gegen Formis und die anderen Pioniere, die nicht einmal erwähnt werden.
Einstmmmig erfolgen die Neuwahlen, die Annahme der Statuten und der Verkehrsregeln, wichtige Leitsätze für die fast aussschließlich illegal tätigen Funkamateure. Auch wird beschlossen, das Mitteilungsblatt CQ künftig derZeitschrift "funk" beizuheften, um einen größeren Leserkreis zu erreichen.





Download [2.17 MB]Die Kurzwellentagung 1928 in Dresden (Otto Fulda, CQ Mai 1928) [PDF , 2.17 MB]
Download [1.08 MB]Die Kurzwellentagung 1928 (Otto Fulda, Funk Heft 24) - ohne Nennung der Ehrenmitglieder [PDF , 1.08 MB]

08E Die neuen Verkehrsregeln

1. Wechselstrom muss gleichgerichtet und gefiltert sein
2. Die ausgestrahlte Frequenz muss absolut konstant sein
3. Jede Tastung, bei der Doppelwelligkeit entsteht, ist zu vermeiden
4. Es soll nicht mit unnötig großer Energie gesendet werden
5. Rundfunkstörungen müssen vermieden werden
6. Telefonie soll nur mit einwandfreiem Ton geführt werden und wenn Bestätigung gemacht worden ist
7. Jeder Verkehr ist zu Ende zu führen, soweit es technisch möglich ist
8. Man gibt nur so schnell, als es die Aufnahmefähigkeit der Gegenstation zulässt. QSL-Karten sind sorgfältig auszufüllen und schnellstens zu versenden. Antwort hat umgehend zu erfolgen
9. Für Nahverkehr ist das 80-m-Band möglichst zu bevorzugen
10. Ein CQ-Ruf soll im allgemeinen nicht länger als drei Minuten dauern
11. Für den Sendebetrieb gelten die Bestimmungen der Reichspost und der I.A.R.U.



Download [549.81 KB]Die neuen Verkehrsregeln - Erläuterungen [PDF , 549.81 KB]

Die neu gewählten Ehrenmitglieder
01 - Oerstleutnant a.D. Leopold v. Stockmeyer - "als Vater des DASD"
02 - Kenneth B. Warner, 9JT (W1EH), ARRL, Redakteur QST - "als Vertreter der KW-Amateure auf der internationalen Funkkonferenz von Washington"
03 - John Clarricoats (1898-1969), G6CL, ► RSGB Vizepräsident und Generalsekretär - "in Anerkennung seiner Tätigkeit als korrespondierendes Mitglied"
04 - Josef Fuchs, UO1JF, HVKL ÖVSV (1904-1989) - "in Anerkennung seiner Tätigkeit als korrespondierendes Mitglied"
05 - Valdemar Poulsen 1869-1942), dänischer Physiker - "in Anerkennung seiner Tätigkeit als korrespondierendes Mitglied"
06 - István Kemény (NN - QSL 2018: 90 Jahre MRASZ, Erinnerung an die Pioniere) - "in Anerkennung seiner Tätigkeit als korrespondierendes Mitglied"
07 - Kurt Nekolny (NN - QSL 2018: 90 Jahre MRASZ, Erinnerung an die Pioniere) - "in Anerkennung seiner Tätigkeit als korrespondierendes Mitglied"




08F Die wichtigen Punkte der Satzungen

1. Der ... DASD umfasst alle deutschen Kurzwellensendeamateure (K's) undKurzwellenempfangsamateure (DE's), welche ihren Eintritt in den DASD beantragt und eine K- oder DE-Nummer erhalten haben.
2.Der DASD verfolgt unter Ausschluss aller poliitischen, gewerblichen und gesellschaftlichen Ziele lediglich wissenschaftliche und sportliche Zwecke.
3. Der DASD bildet die deutsche Gruppe der internationalen Amateur-Radio-Union (IARU)
4. Der DASD ist dem Deutschen Funktechnischen Verband (DFTV) angeschlossen und ist in dessen Vorstand durch einen Beisitzer vertreten. Er hat seinen Sitz in Berlin.
7. Die Mitglieder sind in Landesgruppen unter je einem Gruppenverkehrsleiter (GVL) zusammengefasst. ... Die Gruppenverkehrsleiter sind diie Hauotträger der Kurzwellenarbeit im Reich und die Bindeglieder zwischen dem DASD und den DE's.
12. Der Vorstand ist berechtigt, alle für die laufende Geschäftsführung laufenden Maßnahmen selbständigzu treffen.
13. Die ordentlichen Kurzwellentagungen ... werden vom Vorstand ... im allgemeinen enmal im Jahr einberufen.
15. DerVorstand des DASD ist berechtigt ... Mitglieder, die sich Verstöße gegen die Satzungen, gegen die Verkehrsregeln oder gegen die internationalen Verkehrsbestimmungen zuschulden kommen lassen, zu verwarnen und im Wiederholungsfalle zeitzweise oder dauernd auszuschließen.



Download [3.11 MB]Die Satzungen des DASD [PDF , 3.11 MB]

08G Kurzwellentagung 1929, Frankfurt a.M., 18./19. Mai

50 Teilnehmer und Gäste aus Österreich, der Tschechoslowakei und Jugoslawien. Präsident Oberst a.D. Fulda berichtet einmal mehr über die"leider wenig günstigen Aussichten auf Erlangung der Sendegenehmigung". Prof. Dr. Hundt vom Butreau of Standards inWashington trat als Abgesandterder ARRL auf und betonte, dass sowohl ddie ARRL wie die IARU den DASD als vollwertiges Mitglied anerkenne, sich jedoch nicht in deutsche Angelegenheiten einmischen könne. Es werden zwei wesentliche Beschlüsse gefasst:
- Der ÖVSV hat in einer internen Abstimmung die Vollziehung des bereits bei der Gründungsversammung 1927 eingebrachten Antrags auf den Eintritt in den DASD beschlossen. 52 Mitglieder haben zugestimmt. Man wolle eine eigene Landesgruppe mit einer Hauptverkehrs-und zwei Gruppenverkehrsleitungen einrichten. Dies sei, wird betont, nicht als politische Entscheidung zu betrachten, sondern erfolge aus finanziellen und verwaltungstechnischen Gründen.
- Der Beitritt zum DASD wird künftig nicht bereits voll ausgebildeten Kurzwellenamateuren vorbehalten sein, sondern auch solchen zugestanden werden, die erst Amateure werden wollen.
Nach harter und auch erregter Diskussion bringen die Wahlen nur wenig Veränderung. Fulda bleibt Präsident und Leiter der deutschen Gruppe der IARU. Hauptverkehrsleiter sind Dr. Wilhelm Titius, EK4ADF (CQ); Ing. Julius Kron, EK4SAR (Technik); Wolfgang Rach (Inland, Ausland) und W. Baukisch (QSL-Vermittlung). Vertreter des DFTV bleibt Regf.Rat Dr. P. Gehne.



Download [566.17 KB]Die Kurzwellentagung 1929 in Frankfurt (CQ 06/1929) [PDF , 566.17 KB]

01, 02 - Der Tagungsort
03, 04 - Die Tagungsteilnehmer 01 - Max Drechsler, EK4ABI - 02 - Ferdinand Bödigheimer, EK4ABR - 05 - Liebermann - 07 - Hans Reifenberg, EK4WWW - 08 - Otto Fulda - 13 - Prof. Hundt, USA - 14 - Walter Dieminger, EK4UAB - 16 - Wilke - 17 - Josef Fuchs, UO1JF - 19 - Curt Lamm, EK4AFA - 20 - Rückert - 23 - Weingärtner - 24 - Ernst Franzen EK4ABW - 27 - Viktor Gramich, EK4UAH - 31 - Prost - 32 - Wolfgang Rach
05 - Die Tagesordnung
06 - Die Legendenbildung begint früh. In seinem Rückblick auf "Fünf Jahre Kurzwellenarbeit" bezeichnet Präsident Otto Fulda nicht Rolf Formis sondern Leopold v, Stockmeyer als Schöpfer des DED...
07 - ...und beschreibt die in einer Kampfabstimmungerfolgte Entmachtng der Gründungsväter 1927 als "harmonisch". v.Stockmeyer wird zum "Gründer des DASD" hochgelobt




Fußnoten

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Quellen- und Bildnachweis

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