100 Jahre Amateurfunk in Wien: Eine digitale Forschungsreise zu Funkamateur:innen
Ein Projekt des DokuFunk Archiv gefördert von Stadt Wien Kultur (MA 7)
Projektbeschreibung
Wie haben sich Menschen weltweit miteinander verbunden, lange bevor es Internet, soziale Medien oder mobile Kommunikation gab? Der Amateurfunk war eine der ersten globalen Kommunikationsformen – getragen von engagierten Funkamateur:innen, die über Ländergrenzen hinweg Netzwerke aufbauten und technische Innovationen vorantrieben. Das Projekt „100 Jahre Amateurfunk in Wien: Eine digitale Forschungsreise zu Funkamateur:innen“ widmet sich dieser faszinierenden Geschichte und rückt dabei nicht nur die technische Entwicklung, sondern vor allem die Menschen hinter den Funkverbindungen in den Mittelpunkt.
Im Zentrum stehen sogenannte QSL-Karten – schriftliche Bestätigungen von Funkkontakten, die weltweit zwischen Funkamateur:innen ausgetauscht wurden. Diese oft individuell gestalteten Karten dokumentieren nicht nur erfolgreiche Verbindungen, sondern geben Einblick in persönliche Netzwerke, geografische Reichweiten und historische Kommunikationspraktiken. Sie sind damit einzigartige Zeugnisse einer frühen globalen Vernetzung.
Im Rahmen des Projekts wurden über 20.000 dieser QSL-Karten digitalisiert, inhaltlich erschlossen und mit strukturierten Metadaten versehen. Die Digitalisierung erfolgte nach definierten Qualitätsstandards und wurde durch eine sorgfältige Bildbearbeitung ergänzt, um die Lesbarkeit und langfristige Nutzbarkeit der Materialien sicherzustellen.
Auf Basis der digitalisierten Bestände wurde eine vertiefende Forschungsarbeit durchgeführt. Dabei wurden die QSL-Karten als historische Primärquellen analysiert und in größere medien-, technik- und sozialhistorische Zusammenhänge eingeordnet. Ein besonderer Fokus lag auf der Rekonstruktion von Kommunikationsnetzwerken, biografischen Zugängen zu einzelnen Funkamateur:innen sowie auf der Wechselwirkung zwischen Amateurfunk, technischer Entwicklung und gesellschaftlichem Wandel.
Die Ergebnisse des Projekts sind in Form einer digitalen Publikation zugänglich gemacht.
Das Projekt leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Dokumentation und Neubewertung der Amateurfunkgeschichte – insbesondere im Hinblick auf das 100-jährige Jubiläum des Amateurfunks, das im Jahr 2026 begangen wird. Es schafft eine fundierte Grundlage für zukünftige Forschungsarbeiten, Ausstellungen und Vermittlungsformate und macht ein bislang wenig erschlossenes Kapitel der Kommunikationsgeschichte sichtbar.
Forschungs-Methodik
Ein zentraler Bestandteil der Methodik ist die umfassende Sammlung und Analyse vorhandener Literatur zur Geschichte des Amateurfunks in Österreich. Dazu gehört die Erfassung historischer Dokumente, wissenschaftlicher Arbeiten, Zeitungsartikel und anderer relevanter Quellen, die den Amateurfunk und seine Entwicklung im österreichischen Kontext behandeln. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Rolle von Frauen und Männern im Amateurfunk, wobei untersucht wird, wie beide Gruppen zu technischen Innovationen, der Gemeinschaftsbildung und dem kulturellen Erbe des Amateurfunks beigetragen haben. Historische Berichte, Biografien von Funkpionieren und -pionierinnen sowie Fachzeitschriften werden dabei systematisch erfasst und ausgewertet.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Forschungsmethodik ist die Durchführung von Interviews mit Funkamateuren sowie Funkamateurinnen. Diese persönlichen Gespräche sollen dazu dienen, individuelle Geschichten, Erfahrungen und technische Entwicklungen aus erster Hand zu dokumentieren. Durch diese qualitativen Interviews werden sowohl die technischen als auch die sozialen Aspekte des Amateurfunks beleuchtet. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei den unterschiedlichen Perspektiven von Frauen und Männern gewidmet, um deren jeweilige Beiträge und Herausforderungen in der Amateurfunkgemeinschaft besser zu verstehen. Die Befragungen tragen dazu bei, eine lebendige und detaillierte Darstellung der Amateurfunkgeschichte in Österreich zu schaffen.
Ein zentraler Teil des Projekts ist die Digitalisierung historischer QSL-Karten, die als Nachweise von Funkverbindungen zwischen Funkamateuren weltweit dienen. Diese Karten bieten wertvolle Einblicke in die Kommunikationsnetzwerke und die Reichweite des Amateurfunks in Österreich.
Für die technische Umsetzung wird ein Hochleistungsscanner verwendet, um die Karten in hoher Auflösung zu digitalisieren. Anschließend erfolgt eine systematische Katalogisierung der gescannten Karten. Dafür wird eine spezielle Archivierungssoftware genutzt, die die Metadaten der Karten erfasst, wie z.B. Rufzeichen, Datum, geografischer Standort und Frequenzen. Darüber hinaus wird eine KI-basierte Texterkennung (OCR) verwendet, um handschriftliche Notizen oder Stempel auf den Karten automatisch auszulesen und durchsuchbar zu machen.
Die Karten werden dann in einer Datenbank gespeichert, die für Forscher und die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll, um den historischen Wert dieser Verbindungen zu bewahren und die Forschungsarbeit zu unterstützen.
