Rundfunk in Österreich: 1955 - / Österreichischer Rundfunk


Von den "Zwischensendern" zu den Landesstudios

Graz
Da der RAVAG-Chef Oskar Czeija aus der Steiermark stammte, war es nahe liegend, dass der erste Sender außerhalb Wiens in Graz gebaut werden würde. Der erste Sender musste wegen der geringen Sendeleistung von nur 500 Watt (andere Quellen geben 350 Watt an) inmitten des Stadtgebietes aufgestellt werden. Die Standortwahl fiel auf den Schlossberg, wobei zum Schutz des Stadtbildes (auch solche Probleme gab es damals schon!) für den Sender nur ein ganz kleines Häuschen gebaut werden und die Antenne auch möglichst unauffällig sein durfte. Die Sendungen wurden am 30. März 1925 aufgenommen. Interessant war die Programmversorgung des Senders über Telefon-Freileitungen mittels "Gleitwellen". Dabei wurden die Leitungen als Leitdraht für Überlagerungswellen verwendet. Mit der Verstärkung des Senders am Rosenhügel in Wien 1929 konnte der neuwertige, nicht mehr benötigte 7 kW-Sender nach Graz gebracht werden und wurde auf die zweite für Österreich reservierte Hauptfrequenz 886 kHz abgestimmt. Die Betriebsaufnahme in St. Peter, etwas südöstlich von Graz, erfolgte am 17. Juni 1929. 1937 erfolgte eine Verstärkung der Sendeleistung auf 15 kW. Mit dem "Anschluss" an Hitler-Deutschland 1938 wurde die Frequenz von St. Peter auf 1285 kHz geändert. Diese Frequenz wurde gemeinsam mit Klagenfurt und mit insgesamt 10 Kleinsendern von 100 W Leistung als "Ostmärkische Gleichwelle" betrieben. Die Kleinsender wurden vom "Reichsrundfunk" in größeren Orten der Steiermark und Kärntens errichtet, welche durch die Hauptsender nur ungenügend versorgt waren.
Etwa 15 km südwestlich von Graz entstand 1940 der "Großsender" Dobl mit 100 kW Sendeleistung und einem 156 m hohen Antennenmasten (Betriebsaufnahme am 22.01.1941).

Linz
<<< Der erste Sender am Freinberg bei Linz bei seiner Einweihung am 24. Juni 1928 hatte eine Antenne mit 2 je 45 m hohen Masten. Der 500-Watt-Sender von Marconi war der erste in Europa mit quarzstabilisierter Frequenzsteuerung.

Salzburg
Schon 1927 wollte man in Salzburg einen Sender errichten. Es dauerte aber noch bis zum 21. Dezember 1930, ehe der Sender auf dem Mönchsberg inmitten der Stadt Salzburg auf 1373 kHz mit 500 Watt Sendeleistung in Betrieb ging. Der Sender war von bis Juni 1929 bereits in Graz in Verwendung. Am 15. November 1934 erfolgte eine Frequenzänderung auf 1348 kHz und im Sommer 1934 konnte ein neuer 2 kW-Sender zu senden beginnen. Während des 2. Weltkrieges wurde auf der "Süddeutschen Gleichwelle" 519 kHz gesendet. Im Oktober 1944 erlitt die Sendeanlage auf dem Mönchsberg einen Totalschaden durch einen Bombentreffer. Doch schon 2 Tage später konnte über eine provisorische Antenne wieder der Sendebetrieb fortgesetzt werden. Salzburg wurde 1945 zum Hauptquartier der amerikanischen Besatzung. Am 6. Juni 1945 begann in Salzburg die "Sendergruppe Rot-Weiß-Rot" auf 1267 kHz zu senden (1950 auf 1250 kHz geändert). Im August 1945 wurde am Mönchsberg eine neuer 5 kW starker Westinghouse-Militärsender so wie ein 70 m-Mast aufgestellt. Doch der Sender auf dem Mönchsberg war wegen sehr ungünstiger Standortbedingungen (schlechte Bodenleitfähigkeit, mitten im Stadtgebiet gelegen) unbefriedigend. Schon 1950 beauftragte jedoch die amerikanische Besatzungsmacht eine Baufirma mit der Errichtung von Fundamenten und eines Gebäudes für eine Sendeanlage in der Moosstraße südwestlich der Stadt Salzburg. Zu welchem Zweck die Anlage dienen sollte, war zunächst unbekannt. Außerdem wurde das Gelände umzäunt und von einem privaten Wachdienst bewacht. In einer Zeitung war daher vom "Geheimsender Moosstraße" zu lesen. Es dürfte jedoch an den im nächsten Satz geschilderten technischen Problemen gelegen sein, dass erst am 1. August 1952 die Mittelwellen-Sendeanlage an der Moosstraße auf 1250 kHz in Betrieb gehen konnte. Die ursprünglich geplante Sendeleistung von 20 kW wurde jedoch auf 10 kW reduziert und der ursprünglich geplante 80 m-Mast musste auf 60 m gekürzt werden, da der Sender genau in der Einflugschneise des Flughafens lag. Die alte Anlage am Mönchsberg bestand noch eine Zeit lang als Reservesender. Da auch der Standort Moosstraße alles andere als ideal war, wurde erneut ein Standort für eine MW-Sendeanlage gesucht. Man fand ihn in Bergheim nördlich der Stadt und wollte dort 2 je 200 m hohe Masten errichten. Anfang der 60er-Jahre wurde das Gelände angekauft und mit dem Bau der Fundamente so wie eines Gebäudes begonnen. Der Bau musste jedoch kurz vor Fertigstellung aus "flugtechnischen Gründen" eingestellt werden. Am 15. März 1954 wurde die Sendergruppe "Rot-Weiß-Rot" mit Radio Wien und der Sendergruppe Alpenland zum Österreichischen Rundfunk vereint. Ab dem 18. Juli 1954 wurde das Regionalprogramm auf 773 kHz mit einem neuen 1 kW-Sender am Standort Salzburg-Lehen und das Nationalprogramm auf 585 kHz mit 10 kW ausgestrahlt. Ab dem 1. Oktober 1967 wurde Ö1 auf 585 kHz, ÖR auf 773 kHz ausgestrahlt. Am 5. September 1977 wurde die Ausstrahlung von "Österreich-Regional", 1981 des verbleibenden Mischprogramms eingestellt.

Innsbruck
Die ersten Rundfunk-Probesendungen in Innsbruck gab es schon im Dezember 1926. Der Sender in Aldrans wurde aber erst am 2. Juni 1927 eröffnet. Der Standort Aldrans liegt südlich von Innsbruck auf einem kleinen Plateau. Wegen der gebirgigen Topografie des Landes musste eine möglichst niedrige Frequenz gewählt werden, um eine große Reichweite über die Bodenwelle zu erzielen. Dies führte lange Zeit zu Problemen. Zuerst wurde auf 767 kHz mit 500 Watt über eine zwischen 2 je 151 m hohen Masten aufgehängte Drahtantenne gesendet. 1928 erfolgte eine Frequenzänderung auf 658 kHz, 1929 auf 1071 kHz und 1931 auf 1058 kHz. Im Sommer 1934 wurde die Sendeleistung von 500 Watt auf 1 kW verstärkt, und in der Zeit des "Reichsrundfunks" auf 1,5 kW. Während des 2. Weltkrieges wurde auf der "Süddeutschen Gleichwelle" 519 kHz gesendet, der man auch später treu blieb.
Als 1948 bei der Kopenhagener Wellenkonferenz Innsbruck eine Frequenz im oberen Bereich der Mittelwelle zugeteilt worden wäre, einigte man sich, eine Frequenz unterhalb des offiziellen Mittelwellenbandes benützen zu dürfen (520 kHz), sofern dies nicht den Seefunk stört (Seefunk-Notruffrequenz 500 kHz). Nachdem keine Störungen bekannt wurden, verblieb es bei dieser Regelung bis zur Betriebseinstellung des Senders 1983. Die "Sendergruppe West" (Innsbruck, Dornbirn) in der französischen Besatzungszone wurde 1955 in den Österreichischen Rundfunk eingegliedert, nachdem die Stationen in den anderen drei Besatzungszonen diesen Schritt schon am 15. März 1954 vollzogen.
Zwischen 1953 und 1955 erfolgte der Umbau und die bauliche Erweiterung der Sendeanlage in Aldrans in Hinblick auf den Einsatz von 2 leistungsstärkeren Sendern. Zunächst wurde 1953 der alte 1,5 kW-Sender gegen einen mit 25 kW Leistung ausgetauscht, der jedoch auf 629 kHz für das Regionalprogramm zum Einsatz kam. Die alte Stammfrequenz 520 kHz wurde in der Folge von einem Sender am Funkhaus in Innsbruck mit 200 Watt Leistung besetzt, über den aber ab 1955 das 2. (nationale) Programm auf 520 kHz zur Ausstrahlung kam. Dieser Sender wurde kurze Zeit später gegen ein neuen 10 kW-Sender in Aldrans ersetzt. - Ab dem 1. Oktober 1967 wurde Ö1 auf 520 kHz, ÖR auf 629 kHz ausgestrahlt. Am 5. September 1977 wurde die Ausstrahlung von "Österreich-Regional" auf 629 kHz (25 kW), am 1. März 1984 des verbleibenden Mischprogramms auf 520 kHz (10 kW) eingestellt.
Schon Anfang der 50er-Jahre wurde in Aldrans auch ein 100 Watt-Kurzwellensender auf 6000 kHz mit dem Zweck in Betrieb genommen, abgelegene Bergtäler zu versorgen und das Regionalprogramm aus Innsbruck auch in Südtirol empfangbar zu machen. 1956 wurde ein Sender mit 400 Watt Leistung installiert, welcher in den Folgejahren auf 1 kW verstärkt werden konnte. 1975 erfolgte eine Leistungserhöhung auf 10 kW durch Ankauf eines neuen Senders, ehe ab 1978 der Auslandsdienst des ORF den Standort übernahm. Da der Kurzwellensender Aldrans eine steil strahlende Antenne verwendete, war der Sender auch im Nahbereich gut zu hören. 1984 wurde der Kurzwellensender nach Demontage der gesamten Sendeanlage in das Sendezentrum Moosbrunn bei Wien verlegt.
Zu erwähnen ist noch, dass Anfang 1958 in Lienz/Osttirol eine Sendeanlage in Betrieb ging, die über einen 104 m hohen Antennenmast verfügte, das 1. (regionale) Programm auf 629 kHz mit 1 kW und das 2. (nationale) Programm auf 584 kHz mit 10 kW ausstrahlte. Zuvor stand in Lienz nur ein 100 W-Kleinsender, der vom "Reichsrundfunk" in den 1940er-Jahren errichtet, zunächst auf der "Ostmärkischen Gleichwelle" 1285 kHz und dann von der Postverwaltung auf 520 kHz für das 1. (regionale) Programm betrieben wurde.

Klagenfurt
Der Sender Klagenfurt nahm im Herbst 1926 erste Versuchssendungen auf und wurde am 12. Februar 1927 offiziell eröffnet. Anfänglich wurde mit 500 Watt auf 1100 kHz über eine zwischen 2 Masten aufgehängte Drahtantenne gesendet. Die Frequenz wurde bald auf 662 kHz und am 15. November 1934 auf die Gemeinschaftsfrequenz 1294 kHz geändert. - Nun war auch ein Leistungserhöhung möglich, die durch einen neuen 5 kW-Sender im Oktober 1935 erfolgte. Mit dem "Anschluss" an Hitler-Deutschland strahlte Klagenfurt gemeinsam mit Graz und 10 Kleinsendern von 100 W Leistung auf der "Ostmärkischen Gleichwelle" von 1285 kHz sein Programm aus. Der Sender wurde auf 15 kW verstärkt, aber offensichtlich über längere Perioden nur mit 7 kW betrieben. Zwischen 1945 und 1954 wurde das Programm der "Sendergruppe Alpenland" (britische Besatzungszone) gesendet. Am 15. März 1954 wurde die "Sendergruppe Alpenland" mit "Radio Wien" und "Rot-Weiß-Rot" zum Österreichischen Rundfunk vereint. Die "Sendergruppe West" (Innsbruck, Dornbirn) in der französischen Zone wurde erst 1955 eingegliedert. Ab 1952 strahlte die "Sendergruppe Alpenland" auch ein 2. Programm aus. Für Klagenfurt stand aber nur ein 200 W-Sender zur Verfügung, der auf 1304 kHz betrieben wurde. 1953/54 erfolgte der Bau einer neuen MW-Sendeanlage in "Klagenfurt-See". Als Standort wurde wegen der günstigen Bodenleitfähigkeit das sumpfige Ufer des Wörthersees gewählt. Der 25 kW-Sender sendete ab 18. Juli 1954 das Regionalprogramm auf 728 kHz (zuvor 836 kHz). Das Nationalprogramm wurde auf 1475 kHz über den alten Sender mit 7 kW ausgestrahlt. 1957 wurde in "Klagenfurt-See" ein zweiter 25 kW-Sender installiert und damit der alte Senderstandort im Südosten von Klagenfurt endgültig still gelegt. Am 1. Oktober 1967 erfolgte eine Frequenzänderung von Ö1 auf 584 kHz, "Österreich-Regional" verblieb auf 728 kHz bis zur Einstellung des Sendebetriebs am 5. September 1977. Am 1. März 1984 wurde auch der Sender auf 585 kHz abgeschaltet. Die beiden je 120 m hohen Sendemasten wurden etwas später abgetragen.

Dornbirn
Die Einrichtung des Landessenders von Vorarlberg machte lange Zeit Probleme. Zuerst stand nur eine mit 500 Watt Sendeleistung belegbare Nebenwelle zur Verfügung. Es war damit unmöglich, innerhalb eines Umkreises von 10 km eine genügend große Anzahl an Hörern zu erreichen, um den Sender wirtschaftlich betreiben zu können. Erst mit dem Luzerner Wellenabkommen von 1933 konnte man einen Sender mit bis zu 5 kW betreiben. Im Moorgebiet westlich von Dornbirn wurde jetzt eine Sendeanlage errichtet, die am 15.01.1934 versuchsweise mit 200 Watt, ab 17.12.1934 dann offiziell mit 2 kW auf 1294 kHz den Betrieb aufnahm. Während des 2. Weltkrieges wurde der auf 5 bzw. 6 kW verstärkte Sender auf der "Süddeutschen Gleichwelle" 519 kHz betrieben. Nach dem Krieg wurde die Leistung zunächst auf 12 kW erhöht und 1955 ein neuer 25 kW-Sender installiert. Ab 1950 wurde der Sender für das Regionalprogramm gemeinsam mit Innsbruck-Aldrans auf 629 kHz betrieben.
Die Sendergruppe West (Innsbruck, Dornbirn) in der französischen Besatzungszone wurde 1955 in den Österreichischen Rundfunk eingegliedert, nachdem die Stationen in den anderen drei Besatzungszonen diesen Schritt schon am 15. März 1954 vollzogen. Das nationale Programm wurde über den alten Sender mit 10 kW auf 1025 kHz ausgestrahlt. Ab dem 1. Oktober 1967 wurde Ö1 auf 1025 kHz, ÖR auf 629 kHz ausgestrahlt. Nach Einstellung der Ausstrahlung von "Österreich-Regional" auf 629 kHz (25 kW) am 5. September 1977 wurde offenbar von einem anderen still gelegten Standort ein zweiter baugleicher 25 kW-Sender nach Lauterach verbracht, denn das verbleibende Mischprogramm wurde bis 1987 mit 50 kW, dann wieder mit 25 kW gesendet. Am 1. Januar 1995 wurde auch das Mischprogramms auf 1026 kHz eingestellt. Der 116 m hohe Antennenmast dient heute als Träger für UKW- und TV-Sendeantennen.

Nützliche Quellen zur Rundfunkgeschichte Österreichs:
[1] Aichinger, Manuela. Rot-Weiß-Rot Linz und das Rundfunkwesen in OÖ. 1954 bis 1957/58, Diss. Salzburg 1992
[2] Ergert, Viktor. 50 Jahre Rundfunk in Österreich, Salzburg 1974
[3] Feldinger, Norbert P. Nachkriegsrundfunk in Österreich, Zwischen Föderalismus und Zentralismus von 1945 bis 1957, Wien 1990
[4] Hilbrand, Rainer. Die Sendergruppe Alpenland 1945-1854, Diss. Salzburg 1987
[5] Schweinöster, Christine. Archäologie des Radios in Salzburg vom Sprecherkabinett zum Landesstudio Salzburg (1925-1972), Dipl. Salzburg 1979
[6] Stohl, Ilse. Rundfunk in Salzburg von Juni 1945 bis 1954. Der Sender Rot-Weiß-Rot in Salzburg während der amerikanischen Besatzungszeit, Diss. Salzburg 1988
[7] Zeitschrift "Radio Wien" - Wochenschrift der RAVAG, Jahrgang 1934
[8] ORF. Die Rundfunksender Österreichs, Wien 1972
[9] Österreichischer Rundfunk. Bilanz eines Jahrzehnts, Wien 1957



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