Romeo Stepanenko, 3W3RR
Die frühen Jahre
Romeo Stepanenko wurde 1966 in der Ukraine geboren. Wahrscheinlich hat ihn sein Vater, Wladimir Stepanenko UB5RR/UB1RR zum Amateurfunk gebracht. Wir wissen wenig über Romeos Kindheit, Jugend und Militärdienstzeit. Wir wissen auch nicht, wann er seine Lizenz erhielt. Er selbst schreibt erst Anfang 1989 über seine Situation:
1989: 3W3RR, Vietnam
Romeo hatte inzwischen bei einem Sowjet-Vietnamesischen joint venture angeheuert, bei der Firma Kiulong, und ging Ende 1989 in deren Auftrag nach Vietnam. "Der Minister für Telekommunikation dieses Landes wollte einen Amateurfunk-Verein gründen, und nach kurzer Bedenkzeit übernahm ich die Aufgabe, den Kursbetrieb zu führen, eine Klubstation zu errichten und das Regelwerk für den Amateurfunk auszuarbeiten. Tagsüber unterrichtete ich die künftigen Funkamateure; nachts funkte ich selbst als 3W3RR"
April/Mai 1990: 1S0XV/1S1RR, Spratly
Zitat aus Romeos Bericht: "Im Februar 1990 hatte ich bereits gute Kontakte mit den lokalen Behördenvertretern in Saigon aufgenommen, um mich über eine Möglichkeit zu informieren, Spratly zu aktivieren. Schließlich stellte sich heraus, dass diese Angelegenheit nur auf höchster Ebene in Saigon geregelt werden könne.
Januar und Dezember 1991: YA0RR, Afghanistan
Ein Land unter sowjetischer Besetzung, mitten im politischen Chaos, im Amateurfunk zu aktivieren, mag ein fragwürdiges Unternehmen gewesen sein - aber Romeo hatte sich diese verrückte Idee in den Kopf gesetzt, da er offenbar über ausgezeichnete Kontakte im Hintergrund verfügte. (Dass er ein hochrangiger Funktionär des sowjetischen Geheimdienstes KGB gewesen sei, bleibt ein hartnäckig verbreitetes Gerücht.) Wie er zur Lizenz für Afghanistan kam, wollte er nicht verraten...
1991: Zwischenspiel in Moskau und anderswo
Der sagenhafte Aufstieg des Romeo Stepanenko
Das "Weiße Haus" in Moskau, Sitz der russischen Regierung, war am Morgen des 19. August 1991 zentraler Ort eines Putschversuchs. In Erinnerung bleibt der von allen Medien übertragene Auftritt Boris Jeltzins, der um 13 Uhr auf einen Panzer kletterte, den Putsch als Angriff auf die Verfassung brandmarkte und die Freilassung von Ministerpräsident Gorbatschew aus dem Hausarrest forderte. - Funkamateure waren maßgeblich an der Niederschlagung des Putsches beteiligt.
September 1991: XY0RR, Myanmar - und abermals 1S0VX/1S1RR, Spratly
Nur wenige Tage nach Romeos spektakulärem Auftritt in Moskau landete er - so schien es jedenfalls damals - den nächsten Coup: Ab dem 30.08.1991 wurde Myanmar, das frühere Burma, durch eine DXpedition aktiviert: Der erste (zunächst) offiziell anerkannte Amateurfunkbetrieb nach fast dreißig Jahren. Myanmar zählte daher zu den meist gesuchten Ländern der Welt. Vier sowjetische Funkamateure betrieben für zwei Wochen die Station XYØRR.
August 1992: 9D0RR, Iran / Dezember 1992: P5RS7, Nordkorea
Der unaufhaltsame Aufstieg des Romeo Stepanenko...
Romeo wurde wie ein Held gefeiert, sammelte insgesamt fast fünfzig Rufzeichen - darunter auch eines für die USA - und gab gemeinsam mit seinen Freunden im Mai 1992 als Ehrengast der Dayton Hamvention Autogramme. Es sollte aber noch besser kommen: Romeo aktivierte, seinem Ruf gerecht, zwei weitere "unmögliche" Länder.
August 1993: 5A0RR, Libyen
Der letzte Coup
Romeo berichtet: "Ursprünglich waren für 5A0 sechs Operators vorgesehen, aber aus Geldmangel mussten wir uns auf drei beschränken: Said (ein Libyer), der das Rufzeichen 5A0RR besitzt, Danny, LZ2UU, und ich. Während der Aktivierung, die fünf Tage dauerte, haben wir über 11.000 Verbindungen getätigt."
Februar 1996: Der tiefe Fall ins Nichts
Das Spiel ist aus
DX Bulletin 11 ARLD011 - Aus dem ARRL-Hauptquartier in Newington, CT - 21. Februar 1996 - An alle Funkamateure - Abstimmung im Diplomausschuss
"Der Diplomausschuss der ARRL traf sich vor kurzem, um erneut die Dokumentation zu prüfen, die von Romeo Stepanenko für die PF5RS7-Aktivität 1992/93 eingereicht worden war. Nach eingehender Prüfung aller Unterlagen hat der Diplomausschuss einstimmig beschlossen, Romeo Stepanenko unter Berufung auf die Regeln 12 ("Operations-Ethik") und 13 vom DXCC-Programm zu disqualifizieren. Demgemäß ist Romeo Stepanenko von jeglicher Beteiligung am DXCC-Programm ausgeschlossen, was nach Regel 12(b) bedeutet, dass ab sofort kein Kontakt mit ihm direkt oder an einer DX-Station anerkannt wird."
Das Ende hinter Gittern
Romeo und seinen Freunden waen der Verlockung raschen Ruhms, großzügiger Gratisreisen und mancherlei weiterer Vergütungen erlegen - Privilegien im "kapitalistischen Westen", von denen die meisten Sowjetmenschen allenfalls träumen konnten. Und seine amerikanischen Freunde, die Kronzeugen der Legalität aller DXpeditionen, waren entweder zu gutgläubig oder zuletzt zu tief in die Sache verwickelt. Es blieb aber nicht bei solchen "Kavaliersdelikten"...
Nach langer vergeblicher Recherche: Ed Kritsky meldet sich
(Foto: Romeo) Wir haben in den Jahren seit Romeos Festnahme immer wieder versucht, die Spur nachzuverfolgen. Die US-Behörden haben zuletzt jede Auskunft verweigert; auch Romeos Vater ist nicht bereit, mit Dritten zu verkehren. Nun aber schrieb Ed Kritsky, NT2X, Romeos langjähriger Weggefährte einen Brief an den Herausgeber des Bulletins Daily DX, Bernie McClenny, W3UR, und hat ihn ausdrücklich zur Veröffentlichung frei gegeben. Hier ist der volle Wortlaut.
