Amateurfunk in Deutschland


Die Arbeitsgemeinschaft Radiobastler Bautzen - DARC Sachsen

von Gerhard Meinekat, DL1HQM, ex DM2AMH/ DM3KDH und Dieter Priebe, DL8YTM

09.05.11

Die Arbeitsgemeinschaft Radiobastler Bautzen - DARC SachsenzoomZur Situation in der SBZ
[13] Mit dem Gesetz Nr. 76 verbietet der Alliierte Kontrollrat bereits im Januar 1945 jede Beschäftigung mit der Funktechnik. Im Mai 1945 wird der Deutsche Sende- und Empfangsdienst (DASD) aufgrund seiner Satzung vom 20.10.1934 als Verein verboten. Aber bereits kurz danach begann in allen Besatzungszonen wieder der „unlis Amateurfunk“. Die ehemaligen Kontakte der Vereinskameraden des DASD wurden nach und nach wieder aktiviert. Körner beschreibt in [1] diese Zeit sehr ausführlich. Stellvertretend sei hier nur der Samstag-Abend-Club (SAC) und der daraus entstehende Württembergisch Badische Radioclub (WBRC) genannt, der aber noch wesentlich durch Rundfunkhörer geprägt wurde.
Den OM’s in Mitteldeutschland blieb diese Entwicklung in den anderen Besatzungszonen nicht verborgen. Die Situation der Funkamateure in der SBZ unterschied sich aber wesentlich von der in den anderen Zonen. Die Schwierigkeiten und potentiellen Gefahren waren bekannt und wurden auch immer wieder von Zeitzeugen bestätigt. Dennoch gab es auch hier zahlreiche Versuche der Neuorganisation des Amateurfunks [2, 11, 12]. Offiziell gab es keine Regelungen für den Wiederaufbau von Vereinstrukturen, schon gar nicht für den Amateurfunk. So ist es zu erklären, dass in der einen Region die Kammer der Technik (KDT), in der anderen Region der Kulturbund oder sogar das Kulturamt einer Stadt dazu bereit waren, diese Entwicklungen zu unterstützen. Die Entscheidungen fielen oft rein zufällig, bedingt durch berufliche Stellungen und private Kontakte.
Die Arbeitsgemeinschaft „Radiobastler Bautzen“
Die Radiotechnik übte in diesen Jahren eine ungeheure Faszination aus, die nur mit der heutigen Computertechnik verglichen werden kann. Nach den Kriegsjahren und dem schwierigen Neuanfang nach 1945 war der Rundfunkempfang und die drahtlose Übermittlung von Nachrichten ein ideales Betätigungsfeld für Technik-„Freaks“. [7] Die Arbeitsgemeinschaft „Radiobastler Bautzen“ wurde am 26.08.1947 im Auftrag des
Städtischen Kulturamtes Bautzen, mit Genehmigung der Sowjetischen Militäradministration (SMA), gegründet. Der Leiter dieser Arbeitsgemeinschaft war Rudolf Berneis, Geschäftsführer/Kassierer war Max Eichler, Technischer Referent Otto Baier und Unterrichtsleiter Horst Göllnitz. Die Ziele der Arbeitsgemeinschaft „Radiobastler Bautzen“ wurden in einer Art Satzung wie folgt formuliert:
...„Sie erstrebt den Zusammenschluss aller demokratischen Radioamateure und Rundfunkhörer und aller Freunde der Kurzwellentechnik im Landkreis Bautzen zur Förderung der gemeinsamen Interessen.“
In einem umfangreichen Vortragsprogramm wurden vielfältige Themen der Rundfunktechnik und Grundlagen der Funktechnik aufgenommen. So waren neben allgemeinen Themen, wie „Aus den Anfängen des Rundfunks“, „Die Technik der Röhren“, aber auch Vorträge, wie „Der Empfang von drahtlosen Zeichen“, „Ratschläge zum Bau von KW-Empfängern“ und ‚“Wie man Morsen lernt“, vertreten.
Für die wöchentlichen Treffen stand ein Vortrags- und Unterrichtsraum im Klubhaus der FDJ, Steinstraße 37, zur Verfügung. Jeweils mittwochs wurde eine Vortragsreihe zu unterschiedlichen Themen organisiert. Von 19.00 bis 20.30 Uhr fanden Vorträge für die I. Abteilung „Radiobastler“ und von 20.30 bis 22.00 Uhr für die II. Abteilung „Kurzwelle“ statt.
Am 1. März 1948 zählte diese Gruppe bereits 47 Mitglieder. Entsprechend der Satzung wurden offiziell nur Interessenten aus Bautzen und Umgebung aufgenommen. Schon vor Gründung der DDR, im Oktober 1949, wurden die Weichen völlig neu gestellt. Die bisher existierende Arbeitsgemeinschaft wurde auf Beschluss der Landesregierung Sachsen dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) angegliedert. Die Anfrage eines Bastlers aus Grimma bei Leipzig beim Kulturamt in Bautzen, über den Verbleib der Arbeitsgemeinschaft, konnte im Oktober 1949 nicht mehr beantwortet werden, ... “wir können nicht einmal sagen, ob die Bastlergruppe überhaupt noch besteht „. Danach verlieren sich alle Spuren. Der genaue Termin der Auflösung der Arbeitsgemeinschaft „Radiobastler Bautzen“ ist nicht bekannt.
DARC - Sachsen
Die Methode des DASD der Gründerjahre war hier unverkennbar. Dabei galt es möglichst viele Interessenten zu sammeln, um der späteren Forderung nach Einführung bzw. Wiedereinführung des Amateurfunks mehr Nachdruck verleihen zu können. Auf dieser Basis entstand die enge Verbindung mit den Rundfunkhörern der Arbeitsgemeinschaft Radiobastler. Die Abgrenzungen zwischen Funkamateuren und reinen Radiobastlern, die nur Interesse an der Rundfunktechnik hatten, wurden bewusst sehr niedrig gehalten. Diese Methode hatte sich bewährt und wurde auch in den anderen Besatzungszonen angewendet. Hatte man anfangs beim WBRC damit Erfolg, so war diese Verknüpfung unterschiedlicher Interessen von Funkamateuren und Rundfunkhörern später ein wesentlicher Grund für die Auflösung des Vereins.
In Anlehnung an die Zeitschrift „CQ“ des DASD wurde eine eigene Zeitschrift als Schreibmaschinenmanuskript unter dem selben Namen „CQ“ herausgegeben. Im September 1947 erschien die erste Auflage in Höhe von 50 Stück und im März 1949 wahrscheinlich die letzte Ausgabe.
In der Satzung der Arbeitsgemeinschaft „Radiobastler Bautzen“ wurde die lokale Tätigkeit noch klar formuliert und auf den Landkreis Bautzen begrenzt. In der ersten Ausgabe der Zeitschrift CQ im Jahr 1947 heißt es dagegen:
...“Als endgültiges Ziel schwebt uns allen die Bildung eines Verbandes der Kurzwellenamateure in der Ostzone, ähnlich dem der Westzonen, vor. Unser Endziel muss jedoch die gesamte deutsche Organisation der Kurzwellenamateure , der Deutsche-Amateur-Radio-Club - DARC, werden.“
Die Einschränkung auf die lokale Tätigkeit eines Vereins war nicht ungewöhnlich, denn auch in den anderen Zonen hatten die Besatzungsmächte diese Festlegung anfangs erzwungen. Der tatsächliche Wirkungskreis beschränkte sich aber von Anfang an nicht nur auf den Raum Bautzen. So sind Kontakte nach Grimma, Zeitz, Stendal und Halle bekannt. Die vorliegende Mitgliederliste [7] der „offiziellen“ Arbeitsgemeinschaft Radiobastler Bautzen enthält aber nur Rundfunkhörer aus Bautzen und Umgebung. Dieser Umstand lässt vermuten, dass der Verein tatsächlich noch eine zweite „konspirative“ Ebene hatte, in der parallel zum Radiobastelverein „echte“ Funkamateure organisiert werden sollten. Die alten bekannten Verbindungen aus dem DASD bildeten hier das Rückgrat dieser entstehenden Struktur.
Einen wesentlichen Impuls für die gesamte Entwicklung lieferte sicher die erste Tagung der Kurzwellenamateure vom 7. bis 8 Juni 1947 in Stuttgart, organisiert durch den WBRC. Hier wurde bereits über die Gründung einer Dachorganisation mit dem Namen Deutscher-Amateur-Radio-Club (DARC) diskutiert. Die einzelnen Landesverbände in den
Besatzungszonen waren erst im Entstehen, mussten aber gemäß der Auflagen der Militärregierungen getrennt bleiben [13].
Über die Teilnahme der OM’s aus Sachsen kann nur spekuliert werden. Tatsache ist aber, dass zumindest OM Pailler seine Wiederanmeldung beim WBRC in [10] erwähnt. Nach eigenen Angaben wurde OM Berneis durch den DARC/Berlin als „Verbindungsamateur der Ostzone zum allgemeinen DARC und als Distriktmanager für Sachsen“ [4] berufen. Entgegen dieser selbst formulierten Aussage ist eher anzunehmen, dass diese Absprachen nicht auf offizieller Ebene, sondern mit OM Bruno Garnatz, geführt worden sind. Nach Hinweisen von [15] liefen eine Reihe von Kontakten zur „Ostzone“ über OM Garnatz. Protokolle bzw. Nachweise irgend welcher Art existieren hierzu nicht. Für die „überregionalen Kontakte“ des entstehenden Vereins diente die Zeitschrift „Funk-Technik“ [4]. Es soll sich dabei um Kontaktanzeigen bzw. Beilagen der Arbeitsgemeinschaft Radiobastler Bautzen gehandelt haben, Ansprechpartner war Rudolf Berneis [9].
Über diesen Weg wurde im Jahr 1948 auch OM Gerhard Meinekat, später DM2AMH, darauf aufmerksam. Der erste Brief im Mai 1948 wurde rasch beantwortet, enthielt aber nicht die erhoffte Mitgliedschaft , sondern den Verweis auf die Zuständigkeit des Distrikmanagers des DARC in Sachsen-Anhalt, Ing. Carl F.A. Pailler [8].
Auf eine Antwort von OM Carl Pailler wartete er aber vergebens, er war zu dieser Zeit schon nicht mehr unter seiner Anschrift in Stendal zu erreichen. Bei einer erneuten Anfrage in Bautzen erfuhr OM Meinekat nur, .. „ Was mit Carl Pailler ist wissen die Götter“.., und verwies auf den neuen Distrikmanager. In diese Funktion wurde Ende1948 OM Hans Münster aus Weickelsdorf bei Zeitz berufen. Über OM Münster erhielt er die Anschrift von OM Friedrich Exsternbrink in Halle. Es kam zu persönlichen Kontakten, aber die gesamte Entwicklung zog sich über fast 3 Jahre hin und verlief sehr zäh. In der Zwischenzeit kam es zur Gründung der GST. Die Arbeitsgemeinschaft Radiobastler Bautzen bestand zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr. Als Angestellter der Stadt Bautzen nutzte OM Berneis wahrscheinlich mehrere
Dienstreisen im Auftrag der Landesregierung Sachsen nach Berlin-Karlshorst zur SMA und zur DWK auch dazu, das Genehmigungsverfahren für eine Organisation der Funkamateure voranzutreiben. So sind Dienstreisen nach Berlin-Karlshorst vom Februar und August 1948 und vom Februar 1949 bekannt. In [1] wird zu dieser Thematik über die Verhandlungen mit Major Mulin der SMA gesprochen, ein Bezug zu OM Berneis ist aber nicht zu erkennen.
In der wahrscheinlich letzten Ausgabe der CQ im März 1949 [5] ist neben der Hoffnung auch schon die Resignation zu spüren. Hier ist auch nicht mehr die Rede vom DARC als Organisation. Die Einschränkung auf die lokale Tätigkeit, die bei den Verhandlungen mit dem FDGB weiterhin auferlegt wurde, wollte OM Berneis nicht akzeptieren. Am 22.03.1949 stellte er an die DWK in der SBZ einen Antrag auf Zulassung eines Vereins unter dem Namen „Amateur-Radio-Club-Ostzone“, da für ihn nur die Zusammenarbeit in der gesamten (Ost-) Zone einen Sinn machte. In einem Schreiben vom 1949 spricht OM Hans Münster bereits darüber, dass die Gründung einer Vereinigung von Funkamateuren (KW-Club Ostzone) kurz bevor steht. Dieser zweite Schritt, die Widereinführung des Amateurfunks, blieb in der SBZ aber unvollendet.
Rudolf Berneis
OM Rudolf Berneis ist Jahrgang 1900. Er gehörte nach 1945 zu den ersten Funkamateuren in der SBZ, die einen Neuanfang suchten. Bereits vor 1949 war er neben Martin Schurig (später DM2AHM) einer von 8 Mitgliedern des W.F.S.R.A. (World Friendship Society of Radio Amateurs), der „German Section – Russische Zone“ [3]. Rufzeichen: DE 1069, D4VDS(?) Mit der Überführung Arbeitsgemeinschaft Radiobastler Bautzen in den FDGB verlieren sich seine Spuren. Die letzte Information liefert ein Brief von OM Pailler [10], der aussagt, dass OM Berneis noch im Jahr 1954 Zwangsarbeit im Uranbergbau in Aue verrichtete.
Carl F.A. Pailler
OM Carl Pailler, Jahrgang 1904, gehörte zu den Pionieren des Amateurfunks in Deutschland. Bereits in den zwanziger Jahren arbeitete er unlis unter dem Rufzeichen EK4AP. Er war der erste QSO-Partner von OM Rudi Hammer in der Nacht zum 16. November 1927 (EK4AP – EK4CP ) [6, 14].Rufzeichen: DE 0161, EK4AP, XEK4AP, D4AP, DC7CF. In Absprache mit OM Berneis übernahm er 1947/48 die Distriktverantwortung für Sachsen-Anhalt. Bereits wenige Monate später riss der Kontakt zu ihm ab. Anfang der 50iger Jahre taucht er wieder in (West-) Berlin auf. Er wird Mitglied des DARC. Für kurze Zeit ist er OVV im Ortsverband Schöneberg – D05 und wechselt dann zum OV Reinickendorf – D04. In einem Brief von 1954 [10] schreibt er fast wörtlich dazu, dass ihm die Tatsache der Korrespondenz und der Wiederanmeldung beim WARC Stuttgart (gemeint ist sicher der WBRC) den gesamten Besitz, die Gesundheit und 31 Jahre Zwangsarbeit gekostet haben, wovon bereits fast 4 Jahre bis zu seiner Flucht verstrichen waren. In [6] spricht er nur ganz kurz über diese Zeit, drückt seine Enttäuschung aus und will keine Worte mehr darüber verlieren.
Hans Münster
Nach dem Untertauchen von OM Pailler im Jahr 1948 übernimmt OM Hans Münster die Distriktverantwortung für Sachsen-Anhalt. Rufzeichen: DE 0659 U, EK4TM, D4TM, D4KXU, DJ2FZ. Erst nach dem Krieg verlegte er seinen Wohnsitz von Leipzig (Sachsen) nach Weickelsdorf bei Zeitz (Sachsen-Anhalt), 1949/50 führte ihn sein Weg in Richtung Hamburg. Er wird Mitglied des DARC, Ortsverband Münster – DOK N13. Als Mitautor von [1] lieferte OM Hans Münster wesentliches Material für die Recherchen zum Buch „Geschichte des Amateurfunks“. Die Veröffentlichung des Buches im Jahr 1963 ist sicher Indiz dafür, dass wichtige Details über den Amateurfunk in der DDR, mit Rücksicht auf die beteiligten Personen, nicht genannt wurden.
Friedrich Exsternbrink
OM Friedrich Exsternbrink war Kontaktperson für Interessenten im Raum Halle/Merseburg. Die Verbindung zu OM Gerhard Meinekat wurde langsam und vorsichtig aufgebaut. Das Ziel war aber in einem Schreiben durch OM Münster klar vorgegeben, er sollte Adressen von alten und neuen Interessenten des Amateurfunks sammeln. Rufzeichen: DE 1595 L, D4XXD, D4HXD, D4TFL, D4TFU. Nach der Gründung der GST im Jahr 1952 arbeitete er noch beim Aufbau des Zentralvorstandes der GST mit. In der Folge der Ereignisse des 17. Juni 1953, zog sich OM Exsternbrink vollständig zurückgezogen. Er betrieb noch einige Jahre ein Rundfunkgeschäft in Halle, hatte aber keine Beziehung mehr zum Amateurfunk.
Gerhard Meinekat
OM Gerhard ist Jahrgang 1931. Mit 17 Jahren entdeckte er sein Interesse an der Funktechnik. Nach der missglückten Anmeldung beim Verein Radiobastler Bautzen war er bereits ab 1953 als SWL DM-0087/H dabei. Ein Jahr später erhielt er seine Lizenz mit dem Rufzeichen DM2AMH und das der Klubstation DM3KDH. Die Erteilung seiner Lizenz war gleichzeitig mit der Auflage verbunden, eine Klubstation aufzubauen.



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