Amateurfunk in Deutschland


(15) Amateurfunk der Besatzungsmächte

(15) Amateurfunk der BesatzungsmächtezoomPer Erlass vom 16. Oktober 1945 verfügten die Allied Forces Headquarters:

"To maintain and aid in training of radio operators, a temporary band of frequencies has been allotted by this headquarters for amateur operations within the theater limits by military personnel of British and United States Armed Forces." ("Zur Unterstützung und Festigung der Funkerausbildung hat dieses Hauptquartier für Amateurfunk innerhalb des Operationsgebiets den Angehörigen der britischen und US-Streitkräfte temporär eine Bandzuweisung erteilt.") (2)

Die Stationen erhielten XA-Rufzeichen - wahrscheinlich X für Mobilstationen oder "Expeditionary Forces" und A für "Allied Forces". Mehr dazu: Das Entstehen der XA-Stationen Als die Einheiten schließlich in ihre endgültigen Stellungen einrückten, nahmen die Funker Rufzeichen mit definitivem Landeskenner an: In Griechenland SV0A (Briten) bzw. SV0W (Amerikaner) und in Österreich zunächst OE9, dann MB9 (Briten) bzw. OE13 (Amerikaner). Die Franzosen, die als Letzte zu den Alliierten aufschlossen, erfanden für OE den Kenner FKS8. Mehr dazu: Amateurfunk in Österreich 1945-1955
Als sich die Besatzungsmächte in Deutschland etablierten, rückte viel Militär nach, auch Funkamateure, für die daheim die während des Weltkriegs verhängte Funksperre bereits aufgehoben war, und die nun auf eine pragmatische Lösung am neuen Standort drängten. Ihre Lizenzen wurden von den Besatzern ohne Rückfrage mit den deutschen Stellen ausgegeben.

Briten: D2
Die Briten wahrten in allen Belangen eiserne Strenge. So verhörten sie als Erste systematisch alle Inhaber von deutschen Kriegsfunklizenzen und überwachten konsequent die Einhaltung des alliierten Kontrollamtsgesetzes, das bei Androhung der Todesstrafe jede funktechnische Betätigung, den Besitz eines Empfängers mit 2. Oszillator und jeglichen Sendegerätes verbot. (3)
Für die eigene Truppe gab es aber schon früh vom Military HQ und dem Directorate of Post and Communications of the British Zone of Germany, Control Commission Lizenzen mit der Bezeichnung "Certificates of Authority For Wireless Transmission Experiments in the British Zone". hier Die Sendeleistung war auf 160m mit 10W begrenzt, auf allen anderen Bändern mit 25W. An Betriebsarten waren A1, A2 und A3 zugelassen, die Bandgrenzen großzügig dimensioniert: 1.800-2.000, 3.500-3.800, 7.000-7.300, 14.000-14.400, 28.000-30.000 und 58.500-60.000. Die einzige, eigentlich anachronistische Einschränkung war: "The use of spark sending apparatus is specifically forbidden." Verantwortlich für die Rufzeichenerteilung war Major Rowley Shears D2KW (heute G8KW) vom Signal Communications Board Hamburg. Er verlieh Bewilligungen auch an in der Zone lebende Zivilpersonen aus Großbritannien, Belgien, den Niederlanden, Dänemark, Norwegen und Polen. Die Rufzeichen wurden entweder den bestehenden Heimat-Calls nachgebildet oder alphabetisch mit D2 plus zwei Buchstaben im Suffix festgelegt.
In der amerikanischen Zone wurden bereits 1946 die ersten deutschen Klubs zugelassen. Diesem Beispiel folgend, autorisierte Major Shears am 19. Juni 1947 die Bildung des DARC (Britische Zone), zunächst aber nur mit Hörerrufzeichen. Zum Dank ernannte ihn später der DARC zum Ehrenmitglied, und er war regelmäßiger Gast bei deutschen Großveranstaltungen.

George Franklin: Jumping the Gun
Das Verdienst, als erster US-GI aus Deutschland gesendet zu haben, wenn auch illegal, geht zweifellos an George Franklin. Legal war die Sache nicht, was im Englischen euphemisch mit "jumping the gun" umschrieben wird. (4)George, seit 1935 W9UXQ (damals war er 14), später G5AKV und EI7BX, heute W0AV, marschierte im Frühjahr 1945 in Deutschland ein. Unmittelbar nach Kriegsende wurde seine Einheit aufgelöst und er der 3rd Mobile Radio Broadcasting Company zugeteilt, die dem Military Government Detachment E-6 in Frankfurt/Main unterstand. Ihre erste Aufgabe war es, zur Information der Zivilbevölkerung eine provisorische Rundfunkstation zu errichten. So geriet George an allerlei Funkgerät, unter anderem auch an einen Hallicrafters SX-28, damit war die Empfängerseite abgedeckt. Ein 5-Watt-Verstärker, ein Dynamisches Mikrofon und eine Handvoll Quarze, die sich in glücklicher Kombination für das 20m-Band eigneten, bildeten den Grundstock für den Senderbau. Ein anderer GI trieb eine Eimac 100TH auf, in einer Kiste befand sich Bastelzeug aller Art, ein deutscher Mechaniker stellte das Alu-Chassis her - Honorar: ein paar Zigarettenpackungen. Der Schaltplan war Kopfarbeit, auf dem Gelände des ehemaligen Reichssenders Frankfurt stand ein 12m hoher Kühlturm (für die kaputte Endröhre des Rundfunksenders), der wurde zum Antennenmast umfunktioniert. George legte sich das prestigeträchtige Rufzeichen D4USA zu. Der erste Kontakt: EA1D, Johnny, ein amerikanischer GI in Spanien.
Das Beispiel machte Schule, als George in einer Lagerhalle eine größere Menge BC-610 und die dazu passenden Empfänger SX-28, entdeckte, die zur Vernichtung vorgesehen waren. Er schnappte sich ein Gerät und war nun auf 20m in CW und AM mit wesentlich besserem Signal zu hören. Wann immer sich Gleichgesinnte meldeten, erhielten sie ein Folgerufzeichen bis hin zu D4USJ. Das ging so ein paar Monate lang, dann beschwerten sich die Briten über die Störung einer ihrer Standard-Netzfrequenzen, und die US-Kontrollstelle machte dem Spuk ein Ende. (5)

Amerikaner: D4
Glück im Unglück: Der Offizier, der George Franklin jede weitere Tätigkeit untersagte, war selbst Funkamateur. Er ergriff auch gleich die Initiative, die Sache zu legalisieren. So wurde ab November 1945 das Office of the Theater Chief Signal Officer, European Theater die Ausgabestelle für die "Amateur Radio Station and Operator's License". General Lanahan, der Chief Signal Officer, beauftragte seinen Stellvertreter Lt. Colonel Ralp V. Fite (SK) mit der Vergabe von D4-Rufzeichen, gefolgt von drei Buchstaben im Suffix. Fite teilte sich noch am selben Tag selbst D4AAA zu und vergab D4AAB an Captain Harald W. Toedmeier und D4AAC an Floyd Rhine (heute W3IRB). (6) Die erforderlichen Geräte stellte George Franklin, der nun D4ACD war, aus seinen "Geheimbeständen" bei. Da sich unter den Beschenkten auch Kameraden in höheren Rängen befanden, erkundigte sich niemand lang nach der Herkunft der Geräte. Gesendet werden durfte zunächst nur in AM auf Frequenzen über 29 MHz. Daher mussten die BC-610 erst für 10m tauglich gemacht werden. (7) Als Antenne diente mittlerweile "ein echter Langdraht: eine aufgelassene Telegrafenleitung - keine Ahnung, wo sich deren anderes Ende befand." (8) Sobald die Gegenstationen entdeckten, wo die D4-Stationen zu finden waren, kam es zu beachtlichen Pile-ups. Mit den 20W wurden die USA regelmäßig erreicht. Später wurde auch 20m wieder zugelassen.(9) - Mehr dazu: (23) Amateurfunk in der amerikanischen Zone nach 1945

Franzosen: D5
Die Forces Français Allemagne (FFA) standen dem Amateurfunk skeptisch bis ablehnend gegenüber - vielleicht aus Angst vor der Bildung einer Funk-Résistance. Über die Hintergründe, die zur Erteilung der D5-Lizenzen führte, fehlen uns bislang leider aussagekräftige Fakten. Einige Inhaber von D5-Rufzeichen wurden offenbar auf die Identifizierung ihrer Gesprächspartner angesetzt. Die meisten Verbindungen erfolgten zwischen den Stationen der Alliierten selbst. Am häufigsten auf dem Band anzutreffen waren Albert Verdier, D4AE, und Jean Delier, D5AX.

Sowjets: Funkstille
In der Sowjetunion Stalins unterlag der Amateurfunk beträchtlichen Restriktionen - des Spionageverdachts wegen insbesondere während des "Großen Vaterländischen Krieges". Als einzige Besatzungsmacht gestattete die SU in keinem der von ihr besetzten Gebiete den eigenen Funkamateuren die Sendetätigkeit.

Rufzeichen-Entwicklung: D - DL – DA
Anlässlich der Zusammenlegung des britischen und amerikanischen Sektors zur Bi-Zone wandelte deren HVBP (Hauptverwaltung für das Post- und Fernmeldewesen) per 23. März 1949 den "Nazi-Kenner" D in DL um, dem entsprach auch die neue Rufzeichenreihe, die von der ITU zugeteilt worden war. Am 19. Mai 1950 folgte die Verwaltung der französischen Zone dem Beispiel - aus D2, D4 und D5 wurden DL2, DL4 und DL5. Bei der strengen Teilung blieb es bis 1965, dann wurden nach und nach alle alliierten Stationen, auch die Belgier, Kanadier etc. unter DL5 lizenziert. Die letzte und im Grunde bis heute gültige Maßnahme erbrachte 1983, nach neuer Verwaltungszuweisung, für die "Stationierungsstreitkräfte" die Reihe DA1AA-DA2ZZ für die Kurzwellenbänder und DA4AA-DA4ZZ für die UKW-Bereiche inklusive der Relaisstationen.

Nostalgisch: Die XDA
John Hawkins, G3LXD, heute VK6HQ, war in Eilsen stationiert (HQ 2nd Tactical Air Force/RAF) und seit Oktober 1954 aktiv als DL2XH. Fast Fünfzig Jahre später ging er in Pension und gründete im Februar 2000 die "Ex D Association". Die Datenbank umfasst knapp 2.200 an Alliierte ausgegebene Rufzeichen. Die meisten Operators sind Silent Keys, die verbliebenen 130 Mitglieder aus 13 Ländern allesamt hoch betagt. Sie tauschen ihre Erinnerungen im Klubjournal aus, das den bezeichnenden Titel "As You Were!!" trägt und betreiben eine eigene Internet-Homepage. (10)


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