Funker und Arzt: Dr. Heino Sommer

Funker und Arzt: Dr. Heino SommerzoomHeino Sommer wurde am 15. Mai 1922 in Bad Ems geboren, wo sich sein Vater nach mehrjähriger Tätigkeit als Schiffsarzt mit der aus Finnland stammenden Mutter niedergelassen hatte. Noch im selben Jahr wurde die Familie von den damaligen Besatzungstruppen ausgewiesen und übersiedelte nach Helsingfors. 1928 ließen sich die Eltern scheiden, und Heino kehrte mit dem Vater nach Bad Ems zurück, abiturierte im Herbst 1940 und wurde im Dezember zur Wehrmacht einberufen. Er kam in einer Panzerfunkkompanie unter Guderian an die Ostfront und machte als Funker und später als Funktruppführer fast drei Jahre lang den Russlandfeldzug mit. 1943 entlassen, erfüllte er sich den lang gehegten Wunsch, Medizin zu studieren, doch schon nach zwei Semestern in Heidelberg wurde er erneut einberufen, diesmal zur Artillerie, und wieder an die Ostfront. Er erlebte den Zusammenbruch in Pommern und geriet auf der Flucht nach Hause in amerikanische Gefangenschaft. Das Studium konnte er erst ab 1946 in Deutschland und Schweden fortsetzen, absolvierte seine Pflichtassistentenzeit in Bad Ems und promovierte im Februar 1952.
Dr. Heino Sommer hatte aber weitere Qualifikationen zu bieten: er war Hobby-Biologe, hatte von Jugend an gefilmt und war als Skiläufer, Segler, Schwimmer und Taucher sportlich durchtrainiert. Kein Wunder, dass Hans Hass postwendend antwortete: "Die Frage eine Expeditionsarztes stand bisher sehr in Schwebe. Ihr Anerbieten, sowie Ihre glückliche Verbindung mit der eines Funkers und Sportmannes geben zu Ihren Gunsten den Ausschlag."
Bald stellte sich heraus, dass die Fertigstellung der "Xarifa" länger als geplant dauern würde, und auch mit der Finanzierung haperte es noch. Der Start der Expedition wurde auf Februar bis April 1953 verschoben, und Hans Hass relativierte seine Zusage: "Über Ihre Tätigkeit als zweiter Biologe und Funker müssten wir uns noch unterhalten." Das ermunterte Heino Sommer jedoch bloß zur Replik: "Durch den Zeitgewinn werde ich auch eine bessere Möglichkeit haben, die Amatörprüfung zu machen." Als Funker im Krieg hatte er es zu Tempo 110 gebracht, und das einzige Problem, die Sendegemehmigung für Amateurf zu erhalten, bestand darin, dass er mittlerweile beruflich in Schweden tätig war. Sommers erste Aufgabe war freilich die Zusammenstellung der Bordapotheke, doch nie vergaß er, die umfangreiche Korrespondenz zu diesem Thema mit einem Hinweis auf die Funkerei zu verbinden, und da Hans Hass auf keinen dieser Winke reagierte, machte Heino Sommer kurz entschlossen auf der Fahrt in den Weihnachtsurlaub in Hamburg Station, besichtigte dort die "Xarifa" und nahm auf eigene Faust mit den Behörden Kontakt auf.

"Versuchsfunkstelle mit Sondergenehmigung"

In Hamburg erlebte Heino Sommer bei seinen Besuchen der Seefunkschule, der DEBEG und der Postdirektion eine große Enttäuschung, wie er in einem Zwischenbericht schilderte: "Wir haben zwei Möglichkeiten: 1) Seefunkstelle an Bord Ihres Schiffes - Kurzwellensender für Verkehr mit Norddeich + Langwellensender für Funkverkehr mit anderen Schiffen + Allwellenempfänger. Kosten ca. 12.000DM. Ausserdem müsste ich dann 3 Monate an der Seefunkschule darauf vorbereitet werden. 2) Amatörfunkstelle an Bord: Die Hamburger Behörden teilten mir mit, dass es nicht gestattet ist, auf deutschen Schiffen Amatörfunkstellen zu errichten."
Die Beamten in Hamburg deuteten jedoch unter der Hand eine Lösungsmöglichkeit an, und HeinoSommer fuhr unverzüglich nach Frankfurt weiter, wo er im Bundesministerium für Post und Fernmeldewesen in der Abteilung II/d1 beim Referenten Schulz-Schwiedes den richtigen Mann fand und triumphierend nach Wien berichtete: "Das Ministerium will Ihnen für die Dauer der Expedition eine sog. Versuchsfunkstelle genehmigen. Das heisst wir dürfen eine Amatörfunkstelle mit ca. 100 Watt betreiben und mit deutschen (und nach Anfrage bei den entsprechenden Behörden in den fremden Häfen) ausländischen Stationen Funkverbindung aufnehmen." Diese Station sei in Bezug auf Reichweite und Verkehrssicherheit zwar einer kommerziellen Anlage unterlegen, "…aber wir haben mit einem solchen Gerät immer (vor allem in Seenot oder bei sonstigen Notfällen) eine Chance mit der Aussenwelt in Verbindung zu treten." Die Kosten seien mit nur 600-700DM zu veranschlagen, und das Beste zum Schluss: "Eine besondere Prüfung brauche ich nicht abzulegen."



Download [2.4 MB]Statement Hanss Has über Heino Sommer, 13. Februar 2004 [MP3 , 2.4 MB]

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