SOS von der 'Titanic' - Chronologie einer Tragödie


Die Funkstation und die Bordfunker

Die Funkstation und die BordfunkerzoomDie Funkstation umfasst drei Räume auf dem Bootsdeck, mittschiffs etwa 15m entfernt von der Brücke: dem "Marconi Room", dem "Silence Room", in dem der 5kW-Generator und der Funkensender akustisch abgeschirmt sind; schließlich der Kabine der beiden Funker. Tageslicht kommt durch eine Dachluke. Es gibt keine Telefonverbindung, nur die Rohrpostleitung zum Schalter des Zahlmeisters, wo Telegramme angenommen und ausgefolgt werden.
Hauptsender ist ein Löschunfunkensender mit rotierender Funkenstrecke (Er basiert auf dem Prinzip des Anregens eines elektrischen Schwingkreises durch Spannungsüberschläge. Zunächst wird ein Kondensator auf einige Tausend Volt aufgeladen. Nach dem Überschreiten der Mindestspannung zündet die Funkenstrecke und der Kondensator entlädt sich über die Spule. Beide zusammen ergeben einen Schwingkreis, der seine Energie an die Antenne abgibt. Die Funkenstrecke muss erlöschen, sobald alle Energie des Kondensators auf die Sekundärspule übertragen ist, damit kein Lichtbogen stehen bleibt. Bei Marconis »Disk-Discharger« oder Scheibenentlader erfolgt dies durch eine rotierende Funkenstrecke, bei der gewöhnlich eine Elektrode stillsteht, während die andre sehr rasch an ihr vorbeirotiert. Die Funkenstrecke reißt in dem Augenblick ab, in dem die Erregerenergie auf das Sekundärsystem, auf die Antenne, übertragen ist.)
Für den Empfang dient ein Magnetdetektor. (Bei diesem Empfangsgerät ist ein dünnes Seil aus voneinander isolierten Eisendrähten um zwei Scheiben gelegt, die elektrisch oder durch ein Uhrwerk gedreht werden. Dabei läuft das Seil an zwei Magneten vorbei sowie durch die Primärwicklung eines kleinen Transformators an dessen Sekundärseite ein Kopfhörer liegt. HF-Wellenzüge in der Primärwicklung ändern die Magnetisierung des Seiles und liefern im Kopfhörer dem Morsezeichen entsprechende Töne.)
Die vier Antennen sind in 85m über See zwischen die beiden Schiffsmaste gespannt. Die von Marconi garantierte Reichweite der Anlage beträgt bei Tag 250-400 Meilen, bei Nacht 2.000 Meilen, das sollte in jedem Fall den Verkehr mit der nächsten Küstenfunkstelle ermöglichen.
Die "Titanic" hatte im Januar 1912 zunächst das Funk-Rufzeichen MUC erhalten (der Buchstabe M steht immer für eine Marconi-Anlage); einige Zeit später wurde das Rufzeichen in MGY geändert.
Auf allen Schiffen sind die Marconi-Stationen selbstständige Einrichtungen, dem Kapitän nur bezüglich das Schiff betreffende Telegramme unterstellt. Bezahlt wurden die beiden Marconisten allerdings von der White Star Line.

Die beiden Marconisten

Trotz ihrer Jugend "alte Hasen" sind die beiden Telegraphisten – oder "Marconi Wireless Operators", kurz: "Marconisten", wie man sie zu nennen pflegt: Funkoffizier ist der 25jährige John George Phillips, genannt Jack; 2. Funkoffizier ist der 21jährige Harold Bride. Trotz ihrer Jugend sind beide Experten in ihrem Metier – das sich ja selbst erst in den vergangenen fünfzehn, zwanzig Jahren etabliert hat.
Jack Phillips wird am 11. April 1887 in Godalming, Surrey, in der Graftschaft Kent geboren und wächst mit seinen Eltern und zwei Schwestern in dörflicher Umgebung auf. Nach Abschluß der Grundschule wird er Telegraphist im Postamt von Godalming. Im März 1906 tritt er in die "Wireless Telegraphy Training School" der Marconi Company in Liverpool ein. Fünf Monate später beginnt er seinen Dienst als "Junior Radio Officer" auf der "Teutonic" und wechselt in den nächsten beiden Jahren zu mehreren anderen Schiffen der "White Star Line": zur "Lusitania", "Mauretania", "Campania", "Corsican", "Victorian", "Pretorian" und "Oceanic". 1908 wird Phillips zur Marconi-Transatlantik-Station nach Clifden an der irischen Küste versetzt, und er betreut hier den Funkverkehr mit der Gegenstelle in Glace Bay, Nova Scotia, Kanada. 1911 geht Philipps wieder zur See, als Funker auf der "Adriatic". Von dort wird er im März 1912 abberufen nach Belfast. Auf der "Titanic", die noch in der Werft von Harland & Wolff liegt, richtet er die Funkanlage ein. Er starb am 15. April 1912.
Harold Sydney Bride, geboren am 11. Januar 1890 in Nunhead, London. Junior Wireless Operator. Ab September 1910 besucht er die British School of Wireless Telegraphy in Clapham und legt dort am 28. Juni 2011 die Funkprüfung ab. Nach einem kurzen Nachstudium bei Marcomi in Beaconsfield House, Liverpool, tritt er im Juli 1911 den ersten Dienst auf der "Haverford" nach Philadelphia an. Es folgen zwei Fahrten nach New York auf der "Lusitania", eine nach Brasilien auf der "Lafranc" und zwei auf der "Anselm". Mit Ausnahme der "Lusitania" ist er jeweils der einzige Marconist an Bord. Wie Phillips wird Bride nicht von der "White Star Line" angestellt, sondern unmittelbar von der "Marconi Wireless Company" - mit dem bescheidenen Monatsgehalt von 48 Pfund. Bride überlebt, geht nicht mehr auf See und stirbt, mit 66 Jahren, am 29. April 1956 in seiner neuen Heimat USA.



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