Das Entstehen der XA-Stationen

William V. Barbone, heute G2HKM, erinnert sich - siehe dazu auch die unten stehende Bildgalerie (noch in Arbeit)

Das Entstehen der XA-StationenzoomDaher musste eine für die moderne Kriegsführung adäquate Infrastruktur komplett neu geplant und vor Ort errichtet werden. Eine der vordringlichsten Maßnahmen war die Herstellung sicherer Fernmeldeverbindungen vom Kriegsschauplatz zu den Kommandozenten in London und Washington einerseits und zu den benachbarten Kommanden, etwa in Kairo und Westafrika. Dies war die Planungsvorgabe für die hoch spezialisierten Experten beim US Signal Corps und den UK Royal Signals.

Ausrüstung und Ausbildung

Aus historisch verständlichen Gründen verfügten die Briten, die ja schon bisher Kommunikationsbedarf im geamten Empire hatten, über mehr und besseres im Einsatz bewährtes Gerät als die Amerikaner. Sie hatten das Marconi/Cable and Wireless Short Wave Beam High Speed-Netz zur Perfektion entwickelt und verfügten über die professionelle Ausrüstung für dessen Betrieb.
Die Entwicklung des Funkverkehrs auf Kurzwelle hatte sich in den USA seitens der RCA (Radio Company of America) auf den kommerziellen Rundfunk konzentriert sowie auf Entwicklungsfirmen wie Hallicrafters, die KW-Geräte geringer Sendeleistung für Funkamateure produzierten.
Ich meine mich zu erinnern, dass die Hauptarbeit der Planung von einem Offizier der Royal Signals geleistet wurde, der selbst Funkamateur war. Sein Name ist mir leider entfallen, aber in den einschlägigen Publikationen wurde er mehrmals erwähnt.
Verantwortlich für das vorwiegend von den britischen Streitkräften zu gestaltende AFHQ-Kommunikationsnetz war das 2 GHQ Signals, das Regiment, dem ich im Frühjahr 1944 beitrat. Die Ausrüstung bestand aus je zwei 10kW-Sendern SWB11 und 4kW-Sendern SWB8 von Marconi. Die Empfänger waren Marconi RC67, die vor dem Krieg für Schnelltelegrafie gebaut worden waren. Im mobilen Dienst wurden Marconi CR100 eingesetzt.
Die SWB8-Sender waren in Lastwagen-Anhängern untergebracht und voll einsatzfähig für den Mobilbetrieb. Die SWB11-Sender waren für die permanente Aufstellung in einer Sendestation gedacht. Für sie gab es 40m hohe Masten, die man - wie bei einer Yacht - mit einem Derrick-Kran aufrichten konnte. Üblicher Weise wurden drei Rhombus-Antennen gespannt, die den gesamten Bandbereich abdeckten. Das Sendetempo betrug, je nach den Ausbreitungsbedingungen, 90-100 Wörter pro Minute. Die Empfänger waren für zwei- oder dreifach-Diversity ausgelegt.
Jede Einheit (Section) bestand aus etwa dreißig Telegrafisten und Rundfunkmechaniker, Dieselbetreuer, Fahrer, Köche usw. Zudem gab es einige "Heavy Wireless Sections", die den internen Morse-Verkehr zwischen den Standorten betrieben. Sie waren mit 400 Watt-BC610-Sendern ausgerüstet und hatten auch Empfänger und Antennen, die für die kürzeren Übertragungsstrecken besser geeignet waren.
Alle Telegrafisten wurden nach höchstem Standard bei der "4th Wireless Group" in Egham, Surrey, ausgebildet, einer Einheit, der ich nach meinem Grundwehrdienst als Infanterist und einem dreimonatigen CW-Basiskurs im Oktober 1943 zugeteilt wurde. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich 15 Wörter pro Minute geben und nehmen, war mit den Grundbegriffen der Betriebsabwicklung vertraut, konnte Kartenlesen usw.
Die Operators lernten die Eingabe an Schreibmaschinen und Kleinschmidt-Lochstreifen-Maschinen und mussten Morsecode direkt vom lesen oder 25 Wörter pro Minute direkt in eine Schreibmaschine tippen können - das entspricht den Fähigkeiten eines professionellen Telegrafisten.

Erster Standort: Algerien

Nach Abschluss meiner Ausbildung bei der "4th Wireless Group" wurde ich mit dreißig Kameraden ins Feld geschickt und nach einem Kurzurlaub im Januar 1944 auf die "USS Lyon" der US Navy abkommandiert, einem Mutterschiff für Landungsboote. Zu unserer Erleicherterung stellte sich heraus, dass wir nicht an irgend einer Küste anlanden mussten, sondern im Mittelmeer die Landung bei Anzio vorzubereiten hatten. Obwohl wir über unseren Einsatz nicht informiert wurden, fanden wir dies bald heraus: Zwar war den Schiffen strikte Funkstille auferlegt, aber wir lasen die mittels Signallampen übermittelten Morsecode-Botschaften mit und wussten auf diese Weise Bescheid über die Ereignisse, über den Kurs des Konvoys und über die hektische Aktvität, als wir von U-Booten angegriffen wurden und ringsum die Korvetten, die als unsere Begleitschiffe dienten, Wasserbomben abwarfen.
Wir landeten in Oran, in Nordafrika, und wurden in Viehwaggons im Bummelzugtempo nach Algiers verfrachtet - das war das übliche ransportmittel für jeweils vierzig Mann oder acht Pferde. Das Camp in Beni Messous befand sich zwischen den Gebäuden und Schuppen eines alten Bauernhofs aus der Kolonialzeit von Französisch-Nordafrika. Obwohl wir hochtechnologisches Gerät verwendeten, waren die Unterkünfte recht primitiv: Wir schliefen in Zelten, auf Matratzen auf blankem Boden. In dem halben Jahr, das ich in Nordafrika stationiert war, habe ich keine einzige Nacht in einem Bett verbracht! Das einzige Vergnügen war der Ausgang an freien Tagen in die Cashbah von Algiers.
Die "Operation Torch" hatte mit der Einnahme von Algiers begonnen, und das Hauptquartier der Air Force (AFHQ) wurde im St. George-Hotel eingerichtet, auf einem Berghang oberhalb von Algiers. Wie ich später erfuhr, wurden die Schiffe im Hafen wiederholt bombardiert, und bei einem dieser Angriffe wurde ein Schiff versenkt, in dem sich einer unserer SWB11-Sender befand. Er war zum Glück so gut verpackt, dass man ihn heben und ohne Einschränkung in Dienst nehmen konnte.
Die gemeinsame zentrale Sendestation für die britischen und amerikanischen Signaltrupps befand sich in Beni Messous, einige Kilometer südlich von Algiers. Das war eine beachtliche Anlage, mit Rhomben von 500m Seitenlänge und einem 100m-Nast für den Langwellenbetrieb der Marine. Das US Signal Corps hatte einige modifizierte 20kW-Rundfunksender von RCA installiert und, glaube ich, eine Fax-Verbindung nach Washington. Die zentrale Empfangsstation entstand in einigem Abstand in Blida.
Wir richteten uns im Hotel St. George ein und arbeiteten rund um die Uhr in Achtstunden-Schichten. Ich war zunächst im Büro von Cable and Wireless und bediente die Untersee-Kabel-Netze nach Gibraltar, Malta und Alexandria. Das waren synchronisierte High-Speed-Netze, bei denen die Morsezeichen jedoch mit wechselnder Polarität übermittelt wurden, was bedeutete, dass ein 'Punkt' genau so lang war wie ein 'Strich' - eine Besonderheit, die gewöhnungsbedürftig war.

Einsatz in Italien
Nach der Landung und dem Fall Neapels, also Anfang 1944, wurde ds AFHQ nach Italien verlagert in den Königlichen Palast von Caserta, etwa 15km nördlich von Neapel. Die Sendestation wurde in Carditello eingerichtet, 10km von Caserta auf einem Landsitz des Königs, ein Anwesen, das sich in beklagenswertem Zustand befand. Den Standort teilten sich die UK Signals, das US Signal Corps, die Royal Air Force und Nava, und anfangs auch der Pressedienst von Cable and Wireless. Wir alle benützten die selben SWB8-Sender. Jede Gruppe residierte in einem anderen Winkel des weitläufigen Geländes. Die Empfangsstation war in Marchianese, südliche von Caserta be Maddaloni an der damaligen Hauptroute nach Neapel. Diese Anlage wurde vom US Signal Corps betrieben, die UK Signals begnügten sich mit der Unterkunft in ein paar Schuppen. Versorgt wurden wir von den Amerikanern, das gefiel uns, weil deren Verpflegung viel besser war als die unsere.
Lokalere Kommandant von US Signal Corps war Leutnant Ed Gaul, W6PXQ, der mir ein guter Freund war, als ich nach Marchianese versetzt wurde.
Wir von den Royal Signals (Rufzeichen JJJJ) unterhielten Netze nach London (Rufzeichen JAJA), Kairo und Westafrika und wir hielten Verbindung mit den Partisanen in Jugoslawien und unseren eigenen vorgeschobenen Truppen.
Unsere handbetriebenen Funkverbindungen erfolgten mit dem amerikanischen BC610, einer Kriegsversion des Hallicrafters HT4, einem bewährten Amateurfunk-Sender, der schon Jahre zuvor auf dem Markt war.
Kurz und gut: Ich möchte einen Eindruck davon geben, welche massive Struktur in der Region errichtet wurde. Wir hatten sogar Großkreiskarten mit Algier und Caserta als Mittelpunkt, um unsere Antennen präzise ausrichten zu können.

XA kommt nach Italien

Arriving in Italy in July 1944 I worked for the first few months in Italy in the Cable Office in Naples before moving to the TX site at Carditello when I dropped my Operator role and became a Radio Mechanic for 40 High Speed Wireless Troop.
At the end of the campaign in 1945, the Allied Command decided to move AFHQ to Rome and I went with an advance party to begin to set up the transmitter installations, just outside Rome, next to the old Italxxxable SW station on the road to xxxti.
Many of the personnel in both US and UK signals were recruited from the pre-war Ham Radio fraternity, as indeed I was myself. By Sept 1945, after the end of the Campaign in Italy the Hams in the Signals Command were pressing for permission to start up Ham activities. I believe that my Company Commander Major Jim Kirk, G6ZO was one of the instigators.
It was agreed at the level of the Chief Signals Officer that the Hams who had a pre-war licence could be permitted to go on the air in the 7, 14 and 28 Mc/s bands. There was no very formal arrangement - you just had to get your CO to register your operation with signals command and you were required to use a call sign prefixed with XA: most Hams just added this on to a version of their pre-war calls. Ostensibly this was for the purpose of furthering operating skills amongst signals personnel.
As far as I can recall the whole thing was pretty informal!
At the age of 14 in 1939 I had gained an Artificial Aerial licence, call sign 2HKM, this allowed me to build and experiment with TX equipment, but not to connect to a radiating aerial - this had to wait till I was 18 yrs old. So in 1945 I could not at first go on the air in my own right as I only had an AA licence,. I applied to the GPO, the licencing body in the UK, and on producing evidence that I was a qualified operator, I was granted a licence. In the meantime I shared a license with Ron Cumberlidge, my section Sgt who was G3CK and we used the call sign XACK. The rather neat writing on the first page of the XACK log book is in Ron's (Ron Cumberlidge G3CK/XACK) writing.
I had moved up to Rome with the advance party and was billeted in the Italian Ministry of Air building in the centre of Rome. My own commanding Officer, Major Jim Kirk G6ZO one of
the instigators of the move into Ham activity , found a suitcase radio, a B set, as used by the behind the lines spy people. I used this set from my barrack room, a few metres of wire flung out of the window, to get on to the air on CW. In fact I worked a regular sked with Jim every day whilst I was in Rome.
However the move to Rome was abandoned as the Allies signed a peace treaty with the Italian Gov. So I moved back to Marchianese, the receiver site, where I proceeded to build myself a little rig in the workshop. A 6V6 Xtal osc, 807 and 807 PP final, working in the 7, 14 and 28 m/cs bands. As there was plenty of space around the site I had the luxury of access to spare masts for antennae and I built a 28mc/s Multi-element Sterba array as well as a number of dipoles for lower bands.
Crystal control was normal as the US Signal Corps
seemed to have an inexhaustible supply of Xtls with harmonics in the Ham Bands. As the Campaign was ended a lot of equipment was being declared surplus and we used to go on search parties looking for sources of suitable components for rig
building! Jim Kirk found me a surplus RCA AR77 RX to complete my setup.
By this time the GPO in England had issued me with a full licence, G2HKM so I went on the air in my own right as XAKM. I mostly operated CW at first but later
added a grid modulator to the rig as I found that local hams in my home town, Liverpool in England were able to arrange for my family to join in nightly QSO's. Remember that many of us had been overseas for as much as three years in some cases.
Early in 1946 a sort of agreement was reached with Signals Command for Hams to use their own calls, suffixed by /I, so I became G2HKM/I and Jim Kirk G6ZO/I etc.
We were much in demand on all bands and I have a collection of some 150 QSL cards covering world wide contacts.
By this time we had introduced the first Army RTTY FSK TELETYPE circuit to London to replace the high speed morse circuits. This was the first Radio use of the Murray five unit code in conjunction with US Teletypes or Creed 7B teleprinters making
message handling much easier, and possibly less skilled. The system was designed at the School of Signals in Catterick, in England and we conducted a number of tests with them before the RTTY was made operational on the London circuit.
I operated from Marchianese until mid 1946, I when the terms of the Italian treaty required the Allied Armies to withdraw from Italy, with the exception of the Free Zone in Trieste.
So I set about moving the UK RTTY circuit to 13 Corps Signals located in Padova. By this time I was the Sgt in charge and I set up the whole installation in the countryside near Padova,
whilst continuing with my Ham activities as G2HKM/I.
Whilst in Padova I made the acquaintance of a number of Italian hams, including a particular friend Mario Lunel, I1MG, they were working in particularly difficult conditions as a result of the devastation and shortages caused by the war. I remember in particular his antenna feed through insulators which were made from beer bottles with a hole drilled through the bottom!
I believe that similar arrangement for ham activity were made in Germany by the Signals Command,
evidence of this is in the QSL card collection. I do not think that there were any French XA calls as there was no Army of occupation in France - but there was one station in Zeltweg, Austria.
I finished my service in Italy in March 1947 when my final job was to go up to Trieste to layout the antenna sites
ready for a move of 13 Corps to that city which was to be the final place to be occupied by the British Army, 24th Guards Brigade in fact.
I had to leave my ham rig behind but would note that for the last couple of months of operation
Signals Command vetoed the use of personal Calls and I reverted to XAKM for my last few QSO's. My rig was taken over by another, who continued to operate it for a few months before being demobbed.
I believe that XA ended in Italy when the armies pulled out.

As a postcript, I finished the last three months of my five years service at the UK War Office Transmitting station near Guildford, where as well as the SWB11's, I found myself in charge of a couple of those RCA 20 Kw converted broadcast TX's I had seen in use by the Signal
Corps in Africa and Italy.
In the ensuing years, I kept in touch with Jim Kirk who had joined Standard and cables as a Transmitter Installation Engineer, he remained an active CW ham operator all his life. I found the post war years as a TX Development Engineer living in lodging not very conducive to ham activity and I became inactive until 40 years later when I re-activated G2HKM for a brief period.

Bill (W.V.Barbone OBE) 21/05/2002

(Editor's note: Bill joined the Marconi Company after demob, first as a Transmitter Development Engineer and was involved in the development of the post war range of single-sideband HF transmitters, followed by Troposphere UHF TX.s. He became head of the Communication TX laboratory and then Chief Engineer of the pioneering Space Communications Division, finishing as a Divisional Director of the Communications company. He was Chairman of the UK Space Industry comittee and was appointed on the Science research council board of
Planetary Science and Astronomy, later as consultant to the EEC DG13 in Luxembourg. Bill retired in 1987 and began to cultivate his garden)



<< zurück | < zur Übersicht



QSL Collection - Dokumentationsarchiv Funk

UPC - Chello

Sponsor Internet-Breitband

UPC - Chello