Faschistenfunk aus Großbritannien


Eine Amateurfunkstelle der Faschisten in London, und dies Mitte der dreißiger Jahre? Wie passt das in unser Geschichtsverständnis? Zur Klarstellung: Dieser Bericht ist keine politische Stellungnahme, sondern nur eine Auflistung der recherchierten Fakten.
Ende der zwanziger Jahre waren rechte Kreise in Großbritannien durchaus von Hitlers Aufstieg in Deutschland fasziniert. Der konservative Parlamentsabgeordnete Archibald Maule Ramsay gründete einen exquisiten Zirkel, den "Right Club", dem unter anderem der Duke of Wellington, der Duke of Montrose und der Earl of Mar angehörten. Aus diesem Klub entstanden die "Weißen Ritter Britanniens" ("White Knight of Britain", auch genannt "The Hooded Men") und schließlich, 1935, die "Nordische Liga" ("Nordic League"). Diese Gruppierungen wurden von Anfang an von Nazi-Agenten unterwandert. Der Öffentlichkeit bekannter wurde jedoch die "Union der Britischen Faschisten".



Mosley und die englischen Faschisten

Mosley und die englischen FaschistenzoomGründer und Herz dieser Bewegung war Sir Oswald Mosley, ein englischer Adeliger, Jahrgang 1896. Mosley war nacheinander Parlamentarier im Unterhaus für die Konservativen, die Unabhängigen und Labour, für die er 1929/30 sogar als Minister diente. 1931 versuchte er, eine eigene "sozialistische" Partei weit rechts von der Mitte zu gründen, die "New Party" (NUPA). Beeindruckt von Hitlers Erfolgen in Deutschland entsandte Mosely im Juni zwei Beobachter nach München und stellte in der Folge "Control Groups" auf, nach dem Modell der Schutzstaffeln der Nazis. Diese Getreuen bildeten, als die NUPA den Weg ins Parlament nicht schaffte, den Kern der im Oktober 1932 von Mosley gegründeten Schwarzhemden-Bewegung "British Union of Fascists" (BUF). Der Erfolg war überraschend groß, nicht zuletzt dank der Schützenhilfe durch den Zeitungszaren Viscount Rothermere.

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CQ aus dem faschistischen Hauptquartier

CQ aus dem faschistischen HauptquartierzoomAnfang der dreißiger Jahre war die BUF immerhin eine offiziell registrierte Partei, die vor allem in Arbeiterkreisen und frustierten Unterschichten in Ost-London und Südwest-Essex Anhänger fand. Es darf darüber spekuliert werden, ob die von G2QD beantragte Lizenz ausschließlich dem harmlosen Amateurfunk diente oder bloß Vorwand war, im Hauptquartier der BUF ganz legal einen Sender und Antennen zu installieren. Über den Operator W.S. Bogle konnte bislang nichts in Erfahrung gebracht werden. Er hatte das Rufzeichen 2QD geerbt von "J. Ayres, 10th Wimbledon Baden Powell Scouts, 18 Seaforth Avenue, New Malden, Surrey", wie aus den Call Books 1923 und 1924 hervorgeht. Es war damals durchaus üblich, zurückgelegte Rufzeichen gleich neu zu vergeben. Nach Kriegsende taucht W.S. Bogle nicht mehr in den Call Books auf. Auch das Rufzeichen G2QD ist nicht mehr zu finden.

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